Coronavirus: „Die Isolationsstation könnte an Grenzen geraten“

rnDortmunder Infekt-Experte

Was würde bei einem Ausbruch des Coronavirus in Dortmund passieren? Und wie kann jeder einzelne beim Kampf gegen den Erreger helfen? Wir haben einen Experten für Infektionskrankheiten gefragt.

Dortmund

, 28.02.2020, 19:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmund sind erste Verdachtsfälle aufs Coronavirus aufgetreten. Noch gibt es keine nachgewiesene Erkrankung, aber das Gesundheitsamt geht davon aus, dass es auch in Dortmund Krankheitsfälle geben wird. Was wird dann wichtig?

„Es wird entscheidend sein, die Infektionsketten möglichst früh einzuschränken“, sagt Dr. Simon Larrosa-Lombardi. Er arbeitet seit etwas über einem Jahr als leitender Oberarzt im Knappschaftskrankenhaus Brackel. Der 42-jährige Österreicher ist Experte für Infektionskrankheiten.

Welche Ausmaße die neuartige Lungenkrankheit in Dortmund annehmen könnte, sei „schwer abzuschätzen“, sagt Larrosa-Lombardi. Ein Vertreter des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin zog am Freitag den Vergleich zu einer starken bis sehr starken Grippewelle, der Dortmunder Infektiologe findet ihn passend.

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Bisher galt die Anweisung des Gesundheitsamts, Verdachtsfälle auf die Isolationsstation des Klinikums Nord zu bringen. Am Freitagmittag kündigte Amtsleiter Dr. Frank Renken an, von dieser Praxis abzuweichen und künftig mehr auf das Isolieren der Verdachtsfälle in den eigenen vier Wänden zu setzen. Die Betten in der Isolierstation (insgesamt 32) sollten lieber bestätigten Kranken vorbehalten bleiben.

Sollte es jedoch nicht bei Einzelfällen bleiben, „könnte die Isolationsstation an ihre Grenzen geraten“, meint Larrosa-Lombardi. Dann würden die anderen Krankenhäuser der Stadt einspringen.

Allein im Knappschaftskrankenhaus könne man schnell einen Isolierbereich von 10 Betten einrichten, indem man die Zimmer vom Rest der regulären Station abtrennt. „Das wäre leicht auf 20 bis 25 Betten erweiterbar“, sagt Larrosa-Lombardi, „wenn man eine ganze Station umwidmet.“

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Dass es nicht so weit kommt, dafür kann jeder etwas tun. „Es gelten die gleichen Regeln wie während einer Grippe“, sagt Larrosa-Lombardi. Heißt: Regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife, ein bis zwei Meter Abstand zu niesenden oder hustenden Menschen halten und in die Armbeuge statt in die Hand zu niesen.

Falls man selbst Symptome wie Husten, Schnupfen, Durchfall, Halskratzen oder Fieber hat, sollte man den Kontakt zu anderen Menschen meiden und einen Arzt aufsuchen. „Aber kündigen Sie sich bitte telefonisch an!“, drängt Larrosa-Lombardi. Nur so könnten Ärzte Vorbereitungen treffen, damit ein potenziell Erkrankter nicht andere Menschen in der Praxis oder der Notaufnahme ansteckt.

Wann ist es eine normale Grippe und wann Corona? Dazu hat Larrosa-Lombardi eine einfache Antwort: „Momentan gilt: Wer in den letzten 14 Tagen nicht in einem Risikogebiet [aktuell laut RKI: Teile Chinas, Südkoreas, Norditaliens und Irans, Anm. d. Red.] war und auch niemanden getroffen hat, der es war - bei dem ist die Wahrscheinlichkeit gering, am Coronavirus erkrankt zu sein.“

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