Stadt kontrolliert Menschen-Trauben am Phoenix-See, Polizei kündigt Platzverweise an

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Stell dir vor, es ist Pandemie, und jeder geht trotzdem hin: Viele Dortmunder genießen trotz aller Warnungen vor Ansteckungsgefahr das schöne Wetter. Stadt und Polizei reagieren.

Dortmund

, 18.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Szene wirkt, als entspringt sie einem Imagefilm der Stadt Dortmund: Der Phoenix-See glitzert im strahlenden Sonnenschein, an seinen Ufern flanieren händchenhaltend junge Pärchen, Familien auf Fahrrädern fahren klingelnd vorbei, die Tische der Cafés entlang des kleinen Hafenbeckens sind restlos belegt. Es wirkt, als genießt die halbe Stadt den Frühling.

Blöd nur, dass gerade eine Pandemie grassiert.

Dicht an dicht in der Schlange vor der Eisbude

Die Zahlen der Corona-Infizierten steigen aktuell exponentiell, Behörden aller Ebenen beknien die Bürger geradezu, zu Hause zu bleiben und Menschenansammlungen zu vermeiden. Nur durch das sogenannte „Social Distancing“, sagen Experten, könne man die Ansteckungszahlen zumindest etwas unter Kontrolle bekommen.

Trotz allem stehen am Phoenix-See die Menschen dicht an dicht in der Schlange vor der Eisbude. Ähnliche Szenen gibt es auch anderswo in Dortmund, in ganz Deutschland.

Munteres Treiben am Phoenix-See trotz Coronavirus: Im Café Solo waren alle Tische belegt. Das Café erfüllte im Gegensatz zu anderen Betrieben alle Auflagen und blieb geöffnet.

Munteres Treiben am Phoenix-See trotz Coronavirus: Im Café Solo waren alle Tische belegt. Das Café erfüllte im Gegensatz zu anderen Betrieben alle Auflagen und blieb geöffnet. © Thomas Thiel

Nun belassen es die Dortmunder Behörden nicht mehr bei Appellen: Am Mittwochnachmittag schwärmten zwei Dutzend Ordnungsamt-Mitarbeiter am Phoenix-See aus, auf Anforderung der Dortmunder Polizei.

Es seien größere Menschenansammlungen gemeldet worden, sagte Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage, die gegen die Auflagen der Stadt verstießen. Die werden momentan täglich verschärft, die am Mittwoch gültige Fassung sah einen Mindestabstand von mindestens zwei Metern zwischen den Tischen, eine Besucherregistrierung mit Kontaktdaten und Aushänge mit Hygienehinweisen vor. Mindestens zwei Betriebe verstießen dagegen und mussten ihre Außenbereiche räumen.

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Auch die Polizei Dortmund beklagt, dass sich viele Dortmunder nach wie vor in größeren Gruppen treffen, etwa auf Treffen der Tuner-Szene am Ostwall - und kündigt nun härtere Maßnahmen an: Ab sofort werde man größere Menschenansammlungen auflösen, notfalls mit Platzverweisen, heißt es in einer Pressemitteilung. Wer sich auch dagegen verweigert, dem droht im äußersten Falle auch eine Festnahme.

„Unabhängig von Gesetzen und Erlassen appelliere ich an die Vernunft der Menschen, die meinen, ihr Verhalten nicht ändern zu müssen“, wird Polizeipräsident Gregor Lange in der Pressemitteilung zitiert. „Die Lage ist ernst. Ich bitte Sie eindringlich, alles zu unterlassen, was die Ausbreitung des Coronavirus begünstigt.“

Während sich hunderte Dortmunder noch am Phoenix-See sonnten, verkündete Oberbürgermeister Ullrich Sierau wenige Kilometer entfernt im Rathaus weitere Einschnitte in das öffentliche Leben: Ab morgen müssen alle Restaurants und Cafés mit eigener Küche bereits um 15 Uhr schließen.

Kurze Zeit später kam die aktuellste Zahl der Coronavirus-Infizierten in Dortmund per Pressemitteilung. Sie liegt bei 76. Vor zwei Tagen waren es nur die Hälfte.

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