Pizzeria Corona in Dortmund: „Das Virus wird gehen, wir werden bleiben“

rnUnglücklicher Namensvetter

Was macht man, wenn der eigene Name plötzlich mit dem geballten Übel der Welt in Verbindung gebracht wird? Ein Besuch in der Pizzeria Corona in der Innenstadt von Dortmund.

Dortmund

, 18.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beantworten Sie sich zu Beginn dieses Textes bitte folgende Fragen: Würden Sie sich schicke Sneaker bei „Schuhe Hitler“ kaufen? Oder einen entspannten Sauna-Tag verleben in den „Syphilis-Thermen“? Eher nicht, oder? Genauso, wie Kleider Leute machen, ist der Name für ein Geschäft wichtig für dessen Erfolg oder Misserfolg.

Wenn man dieser Logik folgt, müsste Shemsije Beqiri dieser Tage ein ziemliches Problem haben: Die 34-jährige Dortmunderin mit kosovarischen Wurzeln betreibt am Rande des Dortmunder Saarlandstraßenviertels die „Pizzeria Corona“. Sich den Namen zu teilen mit einem Virus, der Menschen rund um die Welt in Angst und Schrecken versetzt, muss doch schlecht fürs Geschäft sein, oder?

„Wir haben mehr Kundschaft als vorher!“

Beqiri lacht, als sie diese Frage hört: „Nein, wir haben mehr Kundschaft als vorher!“ Sie steht hinter der breiten Theke ihrer kleinen Pizzeria und rührt in einem großen Suppentopf. Es sind die Ausläufer des Mittagsgeschäfts, ein Herr im Anzug in der Ecke isst sichtlich zufrieden seine Pizza Hawaii, ein junges Pärchen wartet auf zwei Pizzen zum Mitnehmen.

Die Pizzeria-Besitzerin ist gut gelaunt und plaudert gerne über die plötzliche Prominenz ihres Geschäftsnamens, während sie das Pärchen abkassiert: „Wer ‚Corona‘ und ‚Dortmund‘ googelt, stößt auf unsere Internetseite, für uns ist das super!“ sagt Beqiri.

Shemsije Beqiri steht sieben Tage die Woche hinter der Theke ihrer Pizzeria Corona.

Shemsije Beqiri steht sieben Tage die Woche hinter der Theke ihrer Pizzeria Corona. © Thomas Thiel

Seit der Viruskrise verkaufe sich auch die „Pizza Corona“ eher besser als schlechter, verrät Beqiri. Fünf Pizzen pro Tag gingen im Schnitt von ihrer Eigenkreation aus Béchamel-Sahnesauce, Lachs und Spinat über den Tresen. Da sei es auch verschmerzbar, wenn zwei- bis dreimal die Woche Scherzkekse mit unterdrückter Nummer anrufen, um eine „Pizza mit Coronavirus“ zu bestellen.

Vor sieben Jahren übernahm Beqiri die Pizzeria an der Kronenstraße, ihr Mann hatte als Pizzataxifahrer für den Vorbesitzer gearbeitet. Erst wollten sie ihren Laden nach einer ihrer Töchter benennen, entschieden sich dann aber für das italienische Wort für Krone: Corona. „Ich fand, das macht doch was her!“, sagt sie.

Seither machte sie sich einen Namen in Dortmund als eine der wenigen Pizzerien, die ein breites Sortiment an veganen Pizzen haben. Sie seien etabliert im Viertel, haben viele Stammgäste, erklärt Beqiri.

Entsprechend entspannt schaut sie auf die nächsten Wochen: Zwar muss die Pizzeria Corona nach den neuen Maßgaben der Landesregierung ihren Restaurantbetrieb nun abends geschlossen halten, darf jedoch weiter als Lieferdienst arbeiten.

Trotz der ganzen Krise: Eine Namensänderung ist für Beqiri unvorstellbar: „Das Virus ist seit sieben Wochen da, wir seit sieben Jahren“, sagt die Mutter von drei Kinder. „Das Virus wird gehen, wir werden bleiben.“

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