Corona-Krise macht Reisebüro und Café in Lütgendortmund zu den großen Verlierern

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Viele Geschäfte im Lütgendortmunder Ortskern können auch weiterhin öffnen. Die verschärften Regeln im Umgang mit dem Coronavirus betreffen sie nicht. Aber es gibt auch hier große Verlierer.

Lütgendortmund

, 19.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast hat man den Eindruck, als wäre die Einkaufsstraße vom Thema Coranavirus verschont geblieben. Die meisten Geschäfte haben geöffnet, der Wochenmarkt ist gut besucht.

Doch der Schein trügt, auch wenn viele Lütgendortmunder Einzelhändler an diesem Mittwoch wie gewohnt hinter der Ladentheke stehen. In der Bäckerei Grobe, in der Drogerie Zimmermann, im Schreibwarengeschäft Köhler, in der Weinhandlung Uecker, in der Fleischerei Funke oder im Augenoptiker-Geschäft Mues & Sternemann.

Sie alle dürfen das, weil sie Lebensmittel, Hygieneartikel, Zeitungen verkaufen oder weil sie Dienstleister sind.

Wie viele Einzelhändler stellt auch Henrike Mohrenstecher in der Drogerie Zimmermann den Kunden Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung.

Wie viele Einzelhändler stellt auch Henrike Mohrenstecher in der Drogerie Zimmermann den Kunden Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung. © Stephan Schütze

Doch von Normalität sind die geöffneten Läden in diesen schwierigen Zeiten weit entfernt. Überall hängen und kleben Schilder, die auf das Coronavirus, auf Hygiene- und Abstandregeln hinweisen.

Augenoptiker desinfiziert jede Kunden-Brille

Der Augenoptiker desinfiziert jede Kunden-Brille, die Postfiliale im Schreibwarengeschäft dürfen die Kunden nur einzeln betreten. Der mittlere der drei Schalter ist geschlossen, das schafft die nötige Distanz.

„Mehr als 15 Kunden gleichzeitig lassen wir nicht in unser Geschäft“, berichtet Christiane Hoppe vom Schreibenwarengeschäft Köhler. Nicht nur sie, viele hier haben den Ernst der Lage erkannt und leisten ihren Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus.

Der Renner seien aktuell Schulmaterialien, sagt Christiane Hoppe. „Die Lehrer scheinen die Schüler gut zu beschäftigen.“ Ansonsten würden sich ihre Kunden vor allem mit Zeitschriften, Büchern und Stiften eindecken.

Sollte sie demnächst nur noch Fotokopien und Fahrkarten verkaufen dürfen, müsse sie ihr Geschäft schließen. „Das gilt nicht für die Postfiliale.“

Modegeschäft, Sonnenstudio, Blumen Risse und Reisebüro Köhler sind dicht

Diesen Schritt haben einige Geschäfte in der Limbecker Straße bereits hinter sich: das Modegeschäft, das Sonnenstudio, das Reisebüro, Blumen Risse. Die Schnittblumen werden am Mittag verschenkt.

Damit der Sicherheitsabstand stimmt, sind im Café Blickpunkt die Hälfte der Tische "gesperrt". Viele Gäste kommen trotzdem nicht.

Damit der Sicherheitsabstand stimmt, sind im Café Blickpunkt die Hälfte der Tische "gesperrt". Viele Gäste kommen trotzdem nicht. © Kai Schmitt

Thorsten Eustrup hat sein Reisebüro am Montag abgeschlossen, seitdem arbeitet er von zu Hause. Seine fünf Mitarbeiter sind bereits in Kurzarbeit. Umsatz macht der Reiseprofi nicht mehr, viel zu tun hat er trotzdem.

„Ich bekomme mindestens 50 Anrufe pro Tag“, erzählt Eustrup. Entweder wollten die Kunden eine Reise stornieren, absagen oder umbuchen. Corona sei „dank“.

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Bis Ende Juni könne er diese Durststrecke mit Hilfe von Rücklagen und privaten Ersparnissen überbrücken – länger aber nicht. Eustrup bleibt optimistisch und hofft auf ein Hilfspaket der Bundesregierung für die Tourismusbranche.

Wie das Reisebüro gehört auch das „Café Blickpunkt bei Joanna“ zu den großen Corona-Verlierern. Und das nicht nur, weil das Bistro täglich um 15 Uhr schließen muss. Die Kunden würden täglich weniger, sagt Kai Schmitt. Am Mittwoch frühstücken hier 12 Personen. „Sonst sind es 40 bis 60.“ Kurzarbeit für die Angestellten habe man schon beantragt.

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Kai Schmitt, der das Café erst seit einem knappen Jahr mit seiner Lebenspartnerin Joanna Smolka betreibt, blickt düster in die Zukunft: „Wenn wir nicht zeitnah finanzielle Unterstützung bekommen oder nicht schnell zur Normalität zurückkehren, werden wir Ostern nicht überleben.“

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