Creativa in Corona-Zeiten: „Fast wie auf einem Friedhof“

rnWestfalenhallen

Die Creativa ist Dortmunds erste große Publikumsmesse in Corona-Zeiten. Doch wo sonst Tausende Besucher in den Westfalenhallen stöbern, herrschte am Donnerstag gespenstische Leere. Ein Besuch.

Dortmund

, 17.09.2020, 19:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich selber war vor zwei Jahren als Besucher auf der Creativa und erinnere mich sehr gut an den starken Andrang, damals konnte man kaum einen Fuß vor den Anderen setzen.

Als ich um kurz vor 16 Uhr Halle 4 der Messe Dortmund betrete, traue ich meinen Augen kaum: Ich sehe nur vereinzelt Besucher, man kann fast schon von einer gespenstischen Leere bei Europas größter Kreativ-Messe sprechen.

Maren Dittmann ist jedes Jahr bei der Creativa. Sie selber kommt aus Dortmund und besucht die Messe sonst früh, wenn es noch nicht so voll ist. Doch dieses Jahr ist das nicht nötig.

„Eine gewisse Müdigkeit“

Auch sie berichtet, dass es den Tag über sehr leer war. „Es ist eine komische Stimmung hier, es herrscht eine gewisse Müdigkeit“, meint Dittmann. Sie habe auch deutlich weniger Sachen gekauft als die Jahre zuvor, erzählt sie.

Bei der Creativa war am Donnerstagnachmittag nicht viel los.

Bei der Creativa war am Donnerstagnachmittag nicht viel los. © Julien März

Aber die wenigen Besucher dieses Jahr haben für sie als Besucherin auch Vorteile. Dadurch würden die Aussteller mehr Zeit haben, sich mit ihr zu befassen. Allerdings sei es auch schwieriger, ihr Interesse zu wecken, da man sich sonst auch von vielen Leuten, die vor einem Stand stehen, angezogen fühlt und selber mal gucken möchte, schildert Dittmann.

Besucherzahlen unter der sowieso schon niedrigen Erwartungshaltung

Frank Bendig ist bereits seit sechs Jahren mit seinem Stand „NB Kontor“ auf der Creativa als Aussteller. Natürlich habe er mit deutlich weniger Besuchern als in den vergangenen Jahren gerechnet, aber dass es so wenige sein würden, das hat auch er nicht gedacht.

Auf die Frage, was das bei ihm auslöst, antwortet er: „Traurigkeit.“ Am Morgen seien es zwar etwas mehr Besucher gewesen und er habe auch viel zu tun gehabt, aber mit den Vorjahren sei das nicht zu vergleichen. Bendig hofft, dass am Wochenende mehr Besucher kommen.

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Für Claudia Richter ist es das erste Mal als Ausstellerin auf der Creativa, sie ist mit ihrem Stand „Das Bobbel-Bienchen“ vor Ort. Auch sie meint, dass es morgens etwas mehr Besucher waren.

Besucher vor der Halle weggeschickt

Richter ist etwas verstimmt, da sie mitbekommen hat, dass potenzielle Besucher, die vorher nicht online ein Ticket gekauft haben, vor der Halle wieder weggeschickt wurden. Ihrer Meinung nach hätte man die Kontaktdaten auch vor Ort aufnehmen können, der Andrang sei ja eh nicht groß gewesen. „Die Aussteller hier kämpfen um jeden Cent und dann passiert sowas“, sagt sie fassungslos.

Um 17 Uhr waren einige Stände bereits nicht mal mehr von Ausstellern besetzt.

Um 17 Uhr waren einige Stände bereits nicht mal mehr von Ausstellern besetzt. © Julien März

Dann berichtet sie von einem Stand, der am Donnerstagmittag schon abgebaut wurde. „Da sieht man mal das Ausmaß“, fügt Richter hinzu.

Atmosphäre wie auf dem Friedhof

Eine andere Ausstellerin, die anonym bleiben möchte, kann die ausbleibenden Besucher nicht verstehen, da ja ein umfassendes Hygiene-Konzept ausgearbeitet wurde. Auch sie bedrückt die Stimmung: „Man hat hier keine Atmosphäre, die ja sonst ausschlaggebend für eine Messe ist. Es ist wirklich ein Trauerspiel, fast wie auf einem Friedhof“, sagt sie.

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Die genauen Besucherzahlen liegen laut Westfalenhallen-Sprecherin Evelyn Sabelek erst nach Ende der Messe vor. Trotzdem kann sie bereits sagen, dass die maximale Kapazität von 12.000 zu keinem Zeitpunkt erreicht wurde. Grundlegend habe sie von den Besuchern aber überwiegend positives Feedback bekommen, viele genießen die Ruhe vor Ort.

Als ich um 17 Uhr meine letzte Runde durch die leeren Hallen der Messe Dortmund drehe, bemerke ich, dass einige Stände gar nicht mehr besetzt sind. Für genügend Abstand war aufgrund der wenigen Besucher auf jeden Fall gesorgt.

Ticketkauf und Eintritt zur Messe Dortmund unter Einhaltung der Hygieneschutzmaßnahmen

Aufgrund der aktuellen Hygieneschutzmaßnahmen muss sich jeder Besucher online beim Ticketkauf registrieren und direkt auch seinen Besuchstag auswählen. Um Schlangenbildungen zu vermeiden, kann in diesem außergewöhnlichen Jahr keine Tageskasse angeboten werden. Tickets können aber tagesaktuell und auch kurz vor dem Besuch noch im Online-Shop erworben werden. Im Online-Shop können Besuchstage ausgewählt sowie Tickets für weitere Personen personalisiert und bestellt werden. Auf der Messe können die Besucher ihr Ticket, ausgedruckt oder per Smartphone vorzeigen und das Gelände über einen kontaktlosen Scan schnell, sicher und einfach betreten.
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