CTS Eventim: Das große Spiel mit den teuren Karten

Die Phoenixhalle und der Ticketriese

Die Eröffnung der Phoenixhalle stellt ein großes Geschäft ins Licht. Mit Live-Veranstaltungen wird viel Geld verdient. Wer Tickets kaufen möchte, kommt am Unternehmen CTS Eventim nicht vorbei. Jetzt hat der Marktführer im Ticketverkauf Probleme mit dem Bundeskartellamt. Das hat auch etwas mit Dortmund zu tun.

Dortmund

, 10.12.2017, 02:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
CTS Eventim: Das große Spiel mit den teuren Karten

Fans beim ersten Konzert in der Phoenixhalle am 16. November. 3600 Besucher kamen zum ausverkauften Auftritt der Band SDP. © Dieter Menne

In Hörde hat gerade die Phoenixhalle eröffnet. Das ist nicht nur bautechnisch spannend, sondern auch eine Gelegenheit, zu sehen, welche Abläufe das Geschäft mit Live-Musik und Eintrittskarten steuern. Es ist ein millionenschweres Geschäft mit vergleichsweise wenigen Akteuren. Das Bremer Unternehmen CTS Eventim hat sich zum unangefochtenen Marktführer entwickelt.

Über das CTS-Eventim-System werden 60 bis 70 Prozent aller Tickets vertrieben, die in Deutschland über Ticketsysteme verkauft werden. Das auch international tätige Unternehmen hat ein eigenes Online-System und stellt seine Plattform und Vertriebswege zur Verfügung. Dafür erhält es eine Beteiligung an jedem verkauften Ticket.

Firmenstrategie ist es, an möglichst vielen Stellen der Wertschöpfungskette im Live-Unterhaltungsgeschäft beteiligt zu sein. Deshalb hat CTS Eventim in den vergangenen Jahren Veranstalterfirmen aufgekauft, Beteiligungen an Konzerthallen wie der Lanxess Arena in Köln und der Waldbühne Berlin erworben und veranstaltet selbst Konzerte und Festivals. Zudem werden auch die Ticketverkäufe für zahlreiche große Sportveranstaltungen wie Bundesliga, Fußball-WM oder Olympische Spiele über das CTS-System abgewickelt.

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So kommt Dortmund ins Spiel

Mit der Phoenixhalle stand der Name CTS Eventim zunächst nicht in Verbindung, bis das börsennotierte Unternehmen im März 2017 eine Ad-Hoc-Mitteilung veröffentlichte, laut der CTS Eventim mit der Veranstalterholding Medusa Music Group die Agentur Four Artists übernehmen werde. Four Artists wiederum ist das Unternehmen, das über seinen Geschäftsführer Alexander Richter auch hinter der Phoenixhalle steht.

Am 23. November hat das Bundeskartellamt, staatlicher Hüter über den wirtschaftlichen Wettbewerb, den Verkauf untersagt. Die Begründung von Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts: „CTS Eventim ist als Anbieter des mit Abstand größten Ticketsystems in Deutschland marktbeherrschend. Veranstalter von Konzerten oder Tourneen sind auf CTS ebenso angewiesen wie Vorverkaufsstellen, die Tickets vertreiben wollen.

Zudem besitzt CTS Eventim eine sehr starke Marktstellung beim Ticketvertrieb über den eigenen Online-Shop und hat bereits in der Vergangenheit verschiedene Veranstalter in seine Konzernstruktur integriert. Durch den Erwerb von Four Artists würde das Unternehmen Kontrolle über weitere, relevante Ticketkontingente erhalten und seine Marktposition weiter ausbauen.“ Von bis zu einer Million Tickets ist die Rede.

Phoenixhalle war kein Teil des Kaufvertrags

Four-Artists-Geschäftsführer Alexander Richter betont allerdings, dass die Halle selbst nicht Teil des Kaufvertrags war. „Wir haben aus einer sehr gesunden Position verkauft. Die Firma ist profitabel“, sagte Alexander Richter am Mittwoch. Da die Halle zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch im Bau war und noch keinen Gewinn abgeworfen habe, sei sie nicht in die Bewertung mit eingeflossen. Die Anteile an der Halle verbleiben bei Richter selbst, Mitgliedern der Band Die Fantastischen Vier (Gründer von Four Artists) und einem weiteren Geschäftspartner.

Auch wenn der Verkauf vom Bundeskartellamt gestattet worden wäre, hätte es keine direkte Beteiligung von CTS Eventim am Betrieb der Halle gegeben, so Richter. „Dass der Kauf nicht geklappt hat, ärgert mich“, sagt er. Es sei noch nicht entschieden, ob man vor dem Oberlandesgericht Klage gegen die Entscheidung einlegen werde. Ein Sprecher von CTS Eventim sagt, dass weiterhin die Auffassung bestehe, dass die Übernahme von Four Artists genehmigungsfähig sei.

So kommen kleinere Veranstalter ins Spiel

In dieser Woche legte die Behörde allerdings noch einmal nach. Am Montag verkündete sie das Ergebnis eines über drei Jahre andauernden Verfahrens gegen CTS Eventim wegen „des Verdachts des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung durch den Abschluss von Exklusivverträgen mit Veranstaltern und Vorverkaufs-Stellen“.

Diese hatten sich demnach verpflichten müssen, das gesamte oder einen erheblichen Teil des Kartenkontingents über das CTS-System zu vertreiben. Künftig muss nach den Vorgaben des Bundeskartellamtes für die Veranstalter die Möglichkeit bestehen, mindestens 20 Prozent ihres jährlichen Ticketvolumens nach ihrem freien Ermessen über dritte Ticketsysteme zu vermitteln, sofern die Verträge länger als zwei Jahre oder unbefristet laufen.

Um das umzusetzen, hat CTS Eventim vier Monate Zeit. „Für die Marktbeherrschung sprechen insbesondere auch indirekte Netzwerkeffekte, die bei der Plattform von CTS Eventim zwischen den angeschlossenen Veranstaltern auf der einen und den VVK-Stellen und Endkunden auf der anderen Seite zur Wirkung kommen, sowie ein Vorsprung des Unternehmens im Vergleich zu Wettbewerbern beim Zugang zu wettbewerbsrelevanten Daten“, so das Kartellamt.

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CTS Eventim möchte Beschluss nicht akzeptieren

CTS Eventim hat bereits angekündigt, diesen Beschluss nicht akzeptieren und „auf eine Korrektur hinwirken“ zu wollen. „Die Entscheidung des Bundeskartellamts verkennt den lebhaften Wettbewerb im Markt für Ticketdienstleistungen, der sich durch vielfache Markteintritte digitaler Anbieter aus dem In- und Ausland laufend weiter verschärft“, so ein Unternehmenssprecher in einer offiziellen Stellungnahme.

„Vor diesem Hintergrund müssen wir davon ausgehen, dass das Kartellamt mit einer vorgefassten Überzeugung in dieses Verfahren gegangen ist, die dieser Entwicklung nicht in ausreichendem Maße Rechnung trägt.“ Die Behörde habe sich nicht ausreichend mit Gegenargumenten auseinandergesetzt, die das Unternehmen durch aktuelle Studien und ökonomische Gutachten gestützt belegt habe.

Dortmunder Veranstalter betrachten die Entwicklung interessiert, aber bisher noch ohne Emotion. „Jeder Veranstalter hat ja die Möglichkeit seine Verträge zu verhandeln und das Bestmögliche herauszuschlagen“, sagt ein Dortmunder Konzertplaner. Letztlich seien es die Kartenkäufer, die Eventims Marktposition bestätigen, selbst wenn es Alternativen gebe.

Preise steigen seit Jahren

Immer mehr Bands gehen derweil dazu über, einen eigenen Ticketvertrieb aufzubauen, um unabhängiger zu sein. Denn durch die Marktkonzentration bleibt im Ticketgeschäft am Ende auch weniger für den Künstler. Vor allem für kleinere Veranstalter ist die Anbindung an CTS Eventim nicht immer ein Segen. Ein Theaterbetreiber aus dem Dortmunder Süden etwa berichtet, er müsse 2,30 Euro für jede Karte entrichten. Das erhöhe den Gesamtticketpreis und mache es schwieriger, Tickets zu verkaufen. „Aber es gibt keine Alternative.“ Veranstalter aus der Innenstadt schildern ähnliche Probleme.

Für Konzertbesucher haben die verfestigten Strukturen die Folge, dass die Preise seit Jahren steigen. Zwar hat dies auch andere Gründe. Musikwirtschaftsexperten gehen davon aus, dass durch monopolähnliche Strukturen ein Preiswettbewerb gar nicht mehr möglich ist. International ist das US-Unternehmen Live Nation Marktführer.

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