Darum beendet DEW sein Steag-Abenteuer

Essener Kraftwerksbetreiber

Die Beteiligung am Essener Kohleverstromer Steag war für Dortmunder Energie und Wasser (DEW) ein stets ungeliebtes Kind. 18 Prozent hält DEW am Essener Kraftwerksbetreiber. Nach sechs Jahren wird DEW sein Steag-Abenteuer nun beenden - und seine Anteile weiterreichen.

DORTMUND

, 15.07.2016, 02:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die DEW21.

Die DEW21.

Die Warnungen waren nicht zu überhören, als DEW und die Dortmunder Stadtwerke (DSW) 2010 mit fünf weiteren Revier-Kommunen erst die Mehrheit und 2014 Steag schließlich ganz übernahmen. Das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken auf Basis von Steinkohle und Gas sei viel zu risikoreich, hieß es. Inzwischen zeigt sich: Die Bedenken waren nicht aus der Luft gegriffen.

Die Großhandelspreise für konventionellen Strom liegen am Boden, Kraftwerksblöcke gehen vom Netz, Gewinnmargen brechen ein. RWE hat seine Dividende bereits auf Null gestellt, nun muss sich auch Steag von seinen einstigen Prognosen verabschieden. Denen zufolge sollte Steag jährlich rund 80 Millionen Euro abwerfen. Schon für 2016 sollen es nur noch 55 Millionen Euro sein, 2017 soll die Marge sogar auf 45 Millionen Euro sinken. Mittelfristig, also in den Folgejahren bis 2020, soll sich der Betrag bei 60 Millionen Euro/Jahr einpendeln.

Ein Bruchteil landet in Dortmund

Ein Bruchteil davon landet in Dortmund. Die sieben kommunalen Partner müssen aus der Ausschüttung zunächst die Kredite für den 1,2 Milliarden schweren Steag-Kauf bedienen – was dann übrig bleibt, fließt an die kommunalen Eigner. Von 2011 bis 2013 erhielt DEW jährlich 4,5 Millionen Euro aus seiner Steag-Beteiligung – den gleichen Betrag fuhren auch die Dortmunder Stadtwerke (DSW) ein, die ebenfalls 18 Prozent halten. 2014 und 2015 flossen an jeden noch einmal 5,6 Millionen Euro/Jahr. Damit ist es künftig vorbei.

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Bei DEW und DSW geht man davon aus, dass sich die Erträge halbieren. „Es kann sogar ein Jahr dabei sein, in dem gar nicht an die Kommunalen ausgeschüttet wird“, sagt DSW-Sprecher Bernd Winkelmann.

Die Stadtwerke treten auf den Plan

In dieser Gemengelage treten nun die Stadtwerke auf den Plan und wollen die 18-Prozent-Anteile ihrer Tochter DEW ins eigene Portfolio packen. Da die Stadtwerke bereits selber 18 Prozent an Steag halten, würden sie ihre Anteile auf 36 Prozent verdoppeln und sich zum größten Einzel-Eigner innerhalb des Konsortiums aufschwingen. (DSW 36 Prozent, Duisburg 19 Prozent, Bochum 18 Prozent, Essen 15 Prozent, Oberhausen und Dinslaken je 6 Prozent.)

DEW-Chef Frank Brinkmann mag sich auch gar nicht dagegen sperren, das Steag-Paket von DEW zu den Stadtwerken zu schieben. „Gern kommen wir dem Wunsch nach und geben unsere Anteile zu Buchwerten an die DSW ab“, ließ sich Brinkmann am Donnerstag zitieren.

Das wundert nicht: Brinkmann war alles andere als ein glühender Verfechter der Steag-Beteiligung, er hatte von Beginn an vor den Risiken mit dem Geschäft alter Kohlemeiler gewarnt. Da passt es ins Bild, dass DEW und DSW im Kreise der Konsorten weniger als „Einheit“ auftraten, sondern sich mit oft unterschiedlichen Vorstellungen präsentierten. Und das so sehr, dass die Partner bereits über „Dortmund I“ (DSW) und „Dortmund II“ flachsen - was wiederum DSW-Chef Guntram Pehlke als  Steag-Aufsichtsratsvorsitzenden wenig amüsiert.

"Strategische Bereinigung" des Geschäftsfeldes

Im Hause der Stadtwerke begründet man den Schritt mit „einer strategischen Bereinigung des Geschäftsfeldes.“ Soll heißen: DEW hat bereits rund 100 Millionen Euro durch die (erzwungene) Beteiligung am Hammer Pleitekraftwerk Gekko verbrannt. Kommt es nun auch zu Wertberichtigungen bei Steag, stünde DEW außen vor und bliebe komplett verschont. DEW solle sich auf seine Rolle als lokaler Versorger konzentrieren, heißt es bei DSW.

Bei den Stadtwerken geht man davon aus, das Geschäft werde „keine erheblichen finanziellen Auswirkungen haben“. Der Eigenanteil an der Finanzierung des Steag-Deals betrug sowohl für DEW als auch für DSW je 67,6 Millionen Euro. Beide Anteile sind von den Stadtwerken eingebracht worden. Bevor DSW die Anteile übernimmt, hat der Rat der Stadt das Wort.

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