Darum dürfen Hoverboards nicht auf Straßen fahren

Unfall in Dortmund

Für einen 27-jährigen Dortmunder ist ein Ausflug mit dem Hoverboard auf der Hohen Straße gerade so noch einmal gut ausgegangen: Der Student stürzte, während das Board geradeaus weiter auf die Straße fuhr und unter ein Auto geriet. Erst zwei Polizisten erklärten ihm anschließend, dass er mit dem Board nicht auf der Straße fahren darf.

DORTMUND

, 15.08.2017, 13:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Darum dürfen Hoverboards nicht auf Straßen fahren

Hoverboards, auch E-Boards genannt, sind für den öffentlichen Straßenverkehr nicht zugelassen.

Neu sind Hoverboards nicht, diese elektrisch betriebenen Bretter auf zwei Rollen, auf denen man sich stehend fortbewegen kann. Aber im Sommer verkaufen sich solche Technik-Gadgets eben gut. Also werden aktuell Kunden von Saturn bis Media Markt, von Lidl bis Netto und in Onlineshops Hoverboards angeboten. Auf der Straße fahren darf man mit ihnen nicht – darauf weisen die Händler online aber nur sehr weit unten hin.

Ein 27-jähriger Dortmunder hat im Onlineshop von Netto ein Hoverboard gekauft. Statt 599 Euro kostete es 249 Euro, und laut Produkttext könne man damit "cool und lässig durch die Gegend cruisen" und werde dabei "bestaunt, wie locker Sie das können".

Der 27-Jährige cruiste Ende Juli mit dem Hoverboard auf dem Gehweg entlang, als er stürzte. Das Gerät hätte stehenbleiben sollen – stattdessen rollte es auf die Hohe Straße und wurde von einem Auto erfasst. "Zum Glück ist nichts passiert", berichtet der 27-jährige Student der Redaktion. Also: Ihm nicht, das Gerät war ramponiert. Mit dem Hoverboard in der Hand begegnete der Dortmunder Polizisten, die ihn auf das Gerät ansprachen. Und ihn aufklärten, dass er damit nicht auf der Straße fahren darf.

Mehrfach in den Medien

In den Medien waren Hoverboards mehrfach Thema: Sie haben weder Bremse noch Beleuchtung, daher sind sie bislang nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Weil das Gefährt schneller als sechs km/h ist, gilt es als Kraftfahrzeug, das haftpflichtversichert werden und ein Kennzeichen tragen müsste. 2016 kassierte ein Mann vor dem Düsseldorfer Amtsgericht eine Geldstrafe von 450 Euro auf Bewährung, weil die Polizei ihn mit einem Hoverboard auf dem Gehweg angehalten hatte. Legal dürfen die "E-Boards" nur auf Privatgrundstücken benutzt werden. (AZ: 412 Cs 206/16)

All das wusste der 27-Jährige, der seinen Namen nicht nennen möchte, um kein nachträgliches Bußgeld zu kassieren, nicht. "Sonst hätte ich das Ding nicht gekauft." Im Netto-Onlineshop stand die Information, dass das Board nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen ist, erst hinter viel Lobhudelei, Produktdaten und Leerzeilen ganz unten im Kleingedruckten. Ein Sternchen hinter dem Preis verwies zwar auf das Kleingedruckte – dieses war in ameisenkopfkleiner Schriftgröße aber kaum lesbar. Sogar Helene Schulte-Bories von der Verbraucherzentrale Dortmund, von Berufs wegen kritische Leserin von Produkttexten, übersah den Hinweis zunächst.

"Spaßig und futuristisch"

Auch in anderen Online-Shops stehen oben Beschreibungen, die Lust auf das Hoverboard-Fahren machen. "Von A nach B zu gelangen wie noch nie so spaßig und futuristisch", heißt es etwa bei Media Markt und Saturn, bis zu 20 Kilometer weit komme man mit dem Gefährt. Jeweils erst ganz unten steht auch dort der rechtliche Hinweis, dass das Hoverboard gar nicht für den Straßenverkehr zugelassen ist.

Die Händler dürften wissen, dass sich ein Fortbewegungsmittel, dessen Benutzung auf der Straße illegal ist, weniger gut verkauft. Die Netto-Unternehmenskommunikation reagierte auf eine Anfrage dieser Redaktion, ob es nicht kundenfreundlicher sei, den wichtigen Hinweis weiter oben und größer zu platzieren: Ja, die Sicherheit der Kunden habe "höchste Priorität". Der Hinweis steht nun einige Abschnitte weiter oben und größer geschrieben.

Helene Schulte-Bories rät vom konkreten Fall ausgehend generell: "Augen auf beim Online-Kauf." Man solle sich nicht blenden lassen von ausschweifenden Beschreibungen und stattdessen alles inklusive des Kleingedruckten aufmerksam lesen. Bei den Hoverboards sehe sie ein großes Risiko, da im Schadensfall die Haftpflichtversicherung womöglich nicht zahle. Gerade bei solchen Produkten solle man sich über mögliche Auflagen erkundigen.

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