Darum muss eine Vonovia-Mieterin seit Wochen frieren

Westliche Innenstadt

Weil das Wohnungsunternehmen Vonovia einem Haus in der westlichen Innenstadt eine Etage aufstockt, sitzt Mieterin Gisela Schwarz im Kalten. Mit erheblichen Folgen für ihre Gesundheit. Das ist die Geschichte hinter dieser Posse.

DORTMUND

, 03.12.2016, 05:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gisela Schwarz in ihrer Wohnung

Gisela Schwarz in ihrer Wohnung

Als es kalt und kälter wurde in der Mietwohnung im zweiten Stock in der Blankensteiner Straße 4, brachte die Vonovia Frau Schwarz zwei kleine Geräte vorbei. „Klimatronic Air Booster 2000“ heißen sie, sie verblasen etwas warme Luft und stinken dezent nach Plastik. Ein Airbooster kostet 13,43 Euro und so arbeitet er auch. Die 79-jährige Frau Schwarz war nicht zufrieden. Sie hat Ärger mit ihrem Vermieter, den sie hat de facto kein vernünftiges Dach. Aber dafür eine ausgewachsene Bronchitis.

Bronchitis geht nicht weg

Das mit der Lunge ist bei Frau Schwarz eine längere Geschichte: Los ging sie im Februar dieses Jahres, als die Vonovia bei Tagestemperaturen von -2 Grad die Heizanlage austauschte. Die Wohnungen kühlten aus, Frau Schwarz bekam eine Bronchitis und da die Lunge bei ihr nicht das stärkste Körperteil ist, hat sie sich davon noch nicht ganz wieder erholt. Im September dann veranstaltete die Vonovia eine Informationsveranstaltung, in der sie über bevorstehende Baumaßnahmen informierte.

Unter anderem das Haus, in dem Gisela Schwarz wohnt, sollte um eine dritte Etage aufgestockt werden. Frau Schwarz fragte extra nach, ob das Auswirkungen auf die Wohnungstemperatur haben würde. Das sei nicht der Fall, hieß es und stand auch so in einem Anschreiben, das die Mieter erhielten. Als am 8. November die Bauarbeiten begannen und die Temperaturen in den Keller gingen, wurde auch die Bronchitis von Frau Schwarz schlimmer. Inzwischen nimmt sie drei Medikamente durch einen Inhalator ein, vor dem Fernseher sitzt sie mit zwei Decken über sich und ihre Stimme kratzt wie ein Katzenbaum über die Stimmbänder, die vorher in Whisky getränkt wurden. Frau Schwarz trinkt nicht. Dafür hustet sie bellender als der Nachbarshund bellen kann.

Vonovia will helfen

Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille sagt gestern: „Wir nehmen den Fall sehr ernst. Die Gesundheit unserer Mieterin ist uns wichtig.“ Kontakte zwischen dem Unternehmen und der Mieterin habe es bereits gegeben, Mitarbeiter waren mehrfach vor Ort. Das bestätigt auch Frau Schwarz, nur hat es ihr nicht geholfen. Die Airbooster hat sie schnell wieder ausgemacht, sie bekommt, sagt sie, davon Kopfschmerzen.

Jetzt sitzt sie in ihrer Wohnung, in der sie seit 23 Jahren wohnt und die demnächst also eine weitere Wohnung über sich hat. Bis Weihnachten, so Gille, sei die Bausubstanz einschließlich Fenstern fertig. Frau Schwarz solle alle Heizungen in der Wohnung aufdrehen – bei den Heizkosten käme die Vonovia ihr entgegen.

Frau Schwarz hat die Heizungen aber bereits am Anschlag – und das Schreiben der Vonovia, in dem sie die Baumaßnahmen ankündigten, beginnt mit dem Satz: „Wir wollen, dass Sie sich bei uns wohlfühlen“. Frau Schwarz inhaliert bei 18 Grad.

Lesen Sie jetzt