Darum schließen immer mehr Fleischerei-Betriebe

Wenige Azubis

Die fetten Jahre sind vorbei: Bis 2009 war die Zahl der Fleischerei-Betriebe in Dortmund stabil, in den Jahren danach – abgesehen von 2011 – ist der Bestand stetig geschrumpft. Im vorigen Jahr beispielsweise schloss die Fleischerei Eisenhuth im Kaiserviertel. Ende 2016 führte die Handwerkskammer Dortmund nur noch 32 Betriebe in ihrer Statistik. Warum schließen immer mehr Betriebe? Eine Spurensuche.

DORTMUND

, 29.01.2017, 01:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Darum schließen immer mehr Fleischerei-Betriebe

In Dortmund schließen immer mehr Fleisch-Betriebe.

Bei der Fleischerinnung Westfalen Mitte geht man davon aus, dass noch weitere Betriebe schließen werden. Der Hauptgrund dafür ist, „dass es keine Nachfolger gibt“, sagt Ludgerus Niklas, Geschäftsführer der Fleischerinnung. Obermeister Dirk Klusmeier ist 47, hat in seiner Fleischerei in Kirchhörde noch einige Jahre vor sich. Wenn seine Kinder den Laden einmal übernehmen wollten, „können sie das gerne machen. Aber ich werde keinen zwingen.“ Gegebenenfalls müsse er jemanden suchen.

Heinz Zöllner, 58, betreibt mit ganzer Leidenschaft die Metzgerei in Kirchlinde. Ein Nachfolger sei nicht in Sicht, „das ist nicht mehr einträglich genug“. Früher seien die Leute stolz gewesen, wenn sie so ein Geschäft übernehmen konnten, heute sei das eher ein „Klotz am Bein“. Die Entwicklung findet er „traurig“.

Nur drei Azubis in ganz Dortmund

„Der Beruf des Fleischers ist auf der Wunschliste der Jugendlichen nicht mehr ganz oben“, sagt Niklas. Das ist untertrieben: In der Top-zehn-Liste der Wunschausbildungsberufe, die die Arbeitsagentur aufstellt, kommt der Beruf nicht vor. Nur acht Fleischer gehen laut Handwerkskammer derzeit in Dortmund in die Lehre; im Ausbildungsberuf „Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk Fleischerei“ gibt es sogar gerade einmal drei Azubis. Was nicht daran liege, dass die Betriebe keinen Nachwuchs wollten, so Niklas: „Ich behaupte, drei Viertel der Betriebe würden einen Azubi nehmen – wenn denn einer wollen würde.“

Auch Klusmeier kennt „einige Kollegen“, die gerne einen Lehrling hätten, aber keinen finden. Er selbst hat einen Auszubildenden, „der macht das gerne“. Der Junge sei auf ihn zugekommen, habe im Laden nach einer Lehrstelle gefragt. Ein Glücksfall. Viele andere haben kein Interesse an dem Beruf, dessen Image mit Blut und Tiere töten verbunden wird. Obwohl es, so Niklas, kaum mehr selbst schlachtende Fleischer gebe. Was Jugendliche fernhalte, ist Klusmeier zufolge auch, „dass wir samstags arbeiten“ und dass die Produktion jeden Tag früh beginne.

Es gibt auch andere Beispiele

Häufig sind es auch wirtschaftliche Gründe, aus denen Fleischereien schließen. Durch billiges Fleisch im Supermarkt hat sich das Käuferverhalten seit langem verändert. Einige denken nun wieder um; aber, sagt Niklas: „Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist nach wie vor verbreitet.“ Wenn nur wenige Leute bereit seien, mehr zu zahlen, „retten wir noch immer nicht den Fleischer“. Nicht jeden zumindest. Klusmeier immerhin berichtet über steigende Kundenzahlen: „Wer frische Qualität haben will, der kommt gerne zum Metzger.“ Nicht verschwiegen werden soll: Es gibt schon auch Fleischer, bei denen die Nachfolge geklärt ist: So zum Beispiel die Fleischerei Magiera – schlesische Spezialitäten – in Brackel, bei der gleich zwei Söhne im Betrieb mitarbeiten.

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