Darum schließt die Gema in Dortmund

Standort am Südwall

Schlechte Nachrichten für die 79 Beschäftigten der Gema in Dortmund: Der Standort am Südwall 17 - der einzige in NRW - wird Ende 2016 geschlossen. Wir erklären die Hintergründe.

DORTMUND

, 12.12.2015, 02:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Darum schließt die Gema in Dortmund

Die Gema in Dortmund.

Gema? Was ist das eigentlich?

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) sorgt dafür, dass Komponisten, Textdichter und Musikverleger für die Nutzung ihrer Titel im Rundfunk, bei Konzerten und in Geschäften Geld bekommen.

Warum schließt die Gema ihren Standort in Dortmund? 

Bisher hat die Gema ihre Generaldirektion in München und Berlin sowie sieben Bezirksdirektionen. Dem Aus für jene in Dortmund zum 31. Dezember 2016 "aus wirtschaftlichen Gründen" hat am Mittwoch in München der Aufsichtsrat zugestimmt. Das bestätigte auf Anfrage Gema-Pressesprecherin Gaby Schilcher.

Was sagt der Betriebsrat dazu?

Ulrich Overbeck, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Gema und Betriebsratschef in Dortmund, kritisierte die Schließung: „Der Gema geht es wirtschaftlich gut – sie hätte die Arbeitsplätze über mehrere Jahre hinweg sozialverträglich abbauen können.“ Tatsächlich hat die Gema 2014 das beste Geschäftsjahr ihrer Geschichte erreicht. Nun würden „ohne Not Arbeitsplätze vernichtet“, hieß es von der Gewerkschaft Verdi. Die Gema werde ihrer sozialen Verantwortung gegenüber langjährigen Mitarbeitern nicht gerecht, sagte Overbeck.

Wie viele Beschäftigte sind von der Schließung betroffen? 

79. Wie viele Mitarbeiter an anderen Standorten eine Stelle angeboten bekommen, ist noch offen. Klar ist schon jetzt: Viele werden ihren Arbeitsplatz verlieren. 70 der 79 Beschäftigten – meist Frauen – arbeiten in Vollzeit. Viele seien 45 bis 55 Jahre alt und hätten aufgrund des sehr speziellen Urheberrechts-Wissens nicht die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Manche sind sehr verzweifelt“, berichtete Overbeck. Bundesweit hat die Gema rund 1000 Mitarbeiter 

Warum wird ausgerechnet der Standort Dortmund geschlossen?

Nach Angaben von Gema-Pressesprecherin Gaby Schilcher hat der Aufsichtsrat den Vorstand beauftragt, die bisher regionale Struktur der Gema in eine funktionale zu überführen. Sprich: Bisher wurden in sieben Bezirksdirektionen alle Aufgaben erledigt. Künftig sollen die Standorte Berlin, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart und Wiesbaden die Lizenzierung übernehmen, der Kundenservice sitzt in Dresden. Die Großkunden werden von München aus betreut. Und die Bezirksdirektion Dortmund werde eben „stillgelegt“, da laut Schilcher einige „Kennzahlen“ gegen Dortmund gesprochen hätten.

Sind die Zahlen so schlecht? 

Laut Gesamtbetriebsratschef Ulrich Overbeck wurden in die Entscheidung etwa die verarbeiteten Dokumente je Vollzeitmitarbeiter und der Ertrag pro Einwohner des Bundeslandes miteinbezogen: „Da steht NRW natürlich schlechter da als Flächenland.“ Er zweifelt an der Aussagekraft der Kennzahlen, wegen derer Dortmund geschlossen wird.

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