Darum sind die Quarantäne-Regeln in Dortmund so schwer zu durchschauen

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Wenn die Corona-Fallzahlen steigen, bedeutet das auch: Viel mehr Menschen in Dortmund sind direkt mit der Frage nach Kontakt und Quarantäne konfrontiert. Das kann verwirrend sein.

Dortmund

, 09.11.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Dortmunder stellen sich in diesen Tagen dieselbe Frage: Wen habe ich eigentlich getroffen? Eigentlich sollte gelten: Am besten niemanden außerhalb des eigenen Haushalts. Aber das ist gar nicht so einfach wie es klingt.

Ein echter Fall aus Dortmund zeigt exemplarisch, wie kompliziert es werden kann.

In einer Dortmunder Familie mit zwei berufstätigen Eltern und einem schulpflichtigen Grundschulkind hat die Mutter auf der Arbeitsstelle mutmaßlichen Risikokontakt zu einer Person, die positiv getestet ist.

Aus einer betroffenen Person werden schnell 20 Familien

Bis sie das erfährt, vergehen einige Tage, in denen das Kind in die Schule geht. Für die Mutter und auch das Kind wird dann Quarantäne angeordnet. Der Vater ist von der Regelung ausgenommen.

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Die Praxis der Stadt Dortmund, alle Haushaltsmitglieder einer Risikokontaktperson unter Quarantäne zu stellen, war im Sommer von einem Gericht für ungültig erklärt worden. Dennoch gilt das Kind als engere Kontaktperson der Mutter - der Vater in diesem Fall erst, wenn die Mutter positiv getestet werden würde.

Die Familie informiert sofort nähere Kontakte aus dem Schulumfeld. Plötzlich stehen 20 Familien und das Schulpersonal vor einem Berg von Fragen: Wie eng haben die Kinder gespielt? Darf ich jetzt noch schnell einkaufen gehen? Was ist mit Schule und Arbeit?

Alle warten gemeinsam gespannt auf das Testergebnis der Familie. Wohlgemerkt: Das passiert, bevor überhaupt klar ist, ob der Kontakt der Mutter zu einer Infektion geführt hat.

Entscheidungen - auch, wenn es gar keinen Kontakt gab

In der Zeit bis zum Testergebnis sind in den potenziellen Kontakt-Familien aus der Schule nun Entscheidungen zu treffen. Auf ein erlaubtes Zwei-Haushalte-Treffen doch zu verzichten, fällt leicht. Geplante Treffen unter Kindern kann man nach draußen verlegen oder absagen.

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Wer ein Schulkind hat, nicht im Homeoffice bleiben kann oder auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, für den ist es schwieriger.

Bis das Gesundheitsamt ein Kind als Risiko-Kontaktperson benennt, herrscht Schulpflicht. Viele Arbeitgeber haben die Regelung, dass sie Quarantäne-Krankschreibungen erst ab einem positiven Test akzeptieren.

Das Gesundheitsamt braucht aktuell wegen der hohen Zahl an Fällen mehrere Tage, um Kontaktpersonen zu kontaktieren. Es vergehen also immer einige Tage, in denen die Möglichkeit besteht, dass man sich mit dem Coronavirus angesteckt hat und es auch ohne Symptome verbreiten kann. Weil man Kontakt mit jemandem hatte, der Kontakt hatte. Oder eben auch nicht.

Testergebnis ist negativ - Aufregung bleibt trotzdem

Im vorliegenden Fall ist das Testergebnis des Elternteils am Ende negativ. Wäre es positiv gewesen, wäre eine neue Kette der Kontaktverfolgung in Gang gekommen. Das wiederum hätte neue Abläufe in Gang gesetzt.

Für Betroffene sind manche Regelungen nicht schlüssig und schwer durchschaubar. So sagt auch Stadtsprecherin Anke Widow: „Jeder Einzelfall ist anders zu betrachten.“ Wer in Quarantäne muss und wer nicht ist allerdings klar festgeschrieben.

In den „Verhaltensregeln“ der Stadtverwaltung für die Bürger steht, dass jeder, der innerhalb der letzten 14 Tage persönlichen Kontakt zu einer Person hatte, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde, in häuslicher Quarantäne bleiben, auch dort enge Kontakte vermeiden und eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen muss.

200 Fälle bedeutet, mehr als 2000 Kontakte nachzuverfolgen

Fest steht, dass die Aufgabe für das Gesundheitsamt gewaltig ist. Bei Fallzahlen von über 200 wie zuletzt gibt es für jede Person sieben bis zehn weitere Kontakte, die das Gesundheitsamt anrufen muss, also insgesamt bis zu 2000.

Erst wenn die Fallzahlen sinken sei auch wieder eine Nachverfolgung aller Kontakte am gleichen Tag der Meldung möglich.

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