Darum sorgt der Jugendtreff unter der B236-Brücke in Hörde für Diskussionen

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Andere Städte wollen junge Menschen unter der Brücke wegbekommen, Dortmund schickt sie dorthin. Der Jugendtreff an der B236 nahe des Phoenix-Sees sorgt gerade für Kontroversen.

Hörde

, 13.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Der Jugendtreff unterhalb der B236-Brücke soll im November offiziell eröffnen. Beschlossen worden war der Standort im vergangenen Jahr – allerdings in einem ungewöhnlichen Verfahren. Weil kurzfristig Fördergeld frei wurde, gab es eine Schnellsuche. Am Ende war die Zustimmung zu diesem Standort auch damit verbunden, dass es keine Alternativen gab.

Kritische Fragen in der Sitzung der Bezirksvertretung Hörde

In der September-Sitzung der Bezirksvertretung Hörde war der „You Point“ nun wieder Thema. Eine Anwohnerin der Phoenixseestraße hatte schriftlich eine Reihe von Einwänden formuliert, die sie in der Einwohnerfragestunde noch einmal bekräftigte. „Ich denke, dass noch viel Kritik kommen wird, wenn der Jugendtreff erst einmal eröffnet ist. Denn viele haben das noch gar nicht mitbekommen“, sagte die Anwohnerin.

Im Namen weiterer Nachbarn an der Phoenixseestraße formulieren die künftigen Jugendtreff-Nachbarn mehrere offene Punkte und kritische Fragen und drückten ihre Hoffnung auf eine Bürgerinformationsveranstaltung in den nächsten Wochen aus.

Anwohner des Phoenix-Sees kritisieren, dass sie nicht mit einbezogen wurden

Ihre Kritik: Die Anwohner seien im Vorfeld nicht mit einbezogen worden. Das sei auch schon im Falle des Standorts für das Zwangsarbeiter-Mahnmal passiert, der verändert werden musste, weil ansonsten Hauseigentümer beeinträchtigt würden.

Sie äußern zudem Zweifel, ob verschiedene formale Bedingungen für den Jugendtreff erfüllt werden (Flächennutzungsplan, Lärmkataster, Bundesfernstraßengesetz).

Die ohnehin schon hohe Lärmbelästigung am Phoenix-See werde dadurch noch weiter zunehmen, weil durch die Kessel-Lage des Jugendtreffs noch mehr Lärm über den See getragen werde, so die Anwohner. „Es steht zu vermuten, dass durch eine fehlende sonstige Anbindung des Jugendzentrums an Hörde, die Zuwegung ausschließlich über die Phoenixseestraße oder den Fußweg am See erfolgen wird“, so die Anwohnerin.

Sorge vor Sicherheitsproblem auf dem Weg zum Jugendtreff

Sie stellt die Frage: „Wie ist die Anbindung des Jugendzentrums – so weit ab vom Schuss vom Hörder Zentrum – den Jugendlichen schmackhaft zu machen?“ Zudem gebe es die Befürchtung, dass die Vermüllung des Umfelds der Brücke weiter zunimmt.

Die Brücke sei schon jetzt ein Angstraum. Künftig könne die Situation noch unangenehmer werden. Offene Fragen der Anwohner: „Wie werden Jugendliche und insbesondere Mädchen geschützt, die von der Schüruferstraße oder Adelenstraße kommen? Wie werden Anwohner vor Pöbeleien geschützt?“

Sorge gibt es zudem um unvernünftiges Verhalten der Jugendlichen an potenziell gefährlichen Stellen wie der B236 oder der Emscher.

Anwohner wollen keine „No-Go-Area“ wie am Bahnhof Hörde

Die Wahl des Standorts ist aus Sicht der Anwohner nicht nachvollziehbar. Sie verbessere die Raumsituation für Jugendliche in Hörde nicht. Vielmehr sehen manche Phoenix-See-Bewohner die Gefahr, dass eine „No-Go-Area“ entsteht, so wie es das Parkdeck des Bahnhofs Hörde war.

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Dort war im März ein Mädchen nach einem Streit zu Tode gekommen. Der Vorfall hatte die Notwendigkeit nach Rückzugsräumen für Jugendliche in Hörde in den Vordergrund gerückt. Der Beschluss für den „You Point“ fiel lange vor dem Vorfall.

Für weiteren Frust sorgte, dass die Fragen in der Sitzung am Dienstag (11. 9.) nicht beantwortet werden konnten, sondern an das Jugendamt als zuständige Fachbehörde weitergeleitet wurden. Dies ist üblich, ärgert die Anwohner aber zusätzlich.

Jugendamt will Bürger in den nächsten Wochen noch informieren

Die Hörder Bezirksvertreter kritisierten noch einmal ausdrücklich die fehlende Bürgerbeteiligung beim Jugendtreff am Phoenix-See. „Als wir diesen Standort empfohlen haben, hatten wir ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Leute vor Ort mitgenommen werden müssen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Depenbrock.

Dies ist nicht passiert, wie laut Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris auch die neue Leiterin des Jugendamts Dr. Annette Frenzke-Kulbach in einem Gespräch mit den BV-Fraktionen eingeräumt hat. Das soll nun in Kürze nachgeholt werden. In den nächsten Wochen soll eine Bürgerinformationsveranstaltung stattfinden, ein Termin steht noch nicht fest.

Viele Fragen sind noch unbeantwortet – zum Beispiel die nach einer Toilette

Viele Details zum Jugendtreff unter der Brücke sind noch offen. Darunter auch so elementare Fragen wie die nach einer Toilette. Die nächste öffentliche Anlage ist rund zwei Kilometer vom Treffpunkt entfernt.

Die genaue Gestaltung des Geländes, auf dem keine neuen Gebäude entstehen, und das System der pädagogischen Betreuung sind bisher ebenfalls noch nicht öffentlich vorgestellt worden.

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