Darum werden auf Facebook Events in Dortmund angekündigt, die es nicht gibt

rnFake-Partys

Immer wieder wird auf Facebook für Veranstaltungen geworben, die nie stattfinden werden. Tausende Dortmunder freuen sich umsonst auf die Events - das Ganze ist offensichtlich eine Masche.

Dortmund

, 19.06.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Freunden chillen, Musik hören und schlemmen - das versprechen angekündigte Street Food Events wie der „Burger Marathon“ und das „Ice Cream Festival“, die diesen Sommer in Dortmund stattfinden sollen. Tausende Nutzer haben bereits ihr Interesse bekundet. Für die Festivals wurde jedoch weder ein Ort angegeben, noch eine Genehmigung von der Stadt eingeholt. Die Facebook-Seite „Inside Dortmund“ lädt zu Events ein, die verlockend klingen, aber fast nie stattfinden.

Es gibt nur ein Eis-Festival in Dortmund

Der Veranstalter des echten Dortmunder Eiscreme-Festivals, Philipp Stecker, ist von solchen Fake-Events genervt. Am 20. Juli wird auf dem Platz der Partnerstädte am U Eis geschleckt. Die angebliche Konkurrenzveranstaltung ist nicht bei der Stadt angemeldet. Nun wird bei ihm immer wieder nachgefragt, ob das Festival denn nun stattfindet und an welchem Termin. Für die Plagiat-Veranstaltung wird der 31. August angegeben.

„Solche Events schädigen das Image der Branche. Die Leute wissen nicht mehr, welche Veranstaltungen wirklich stattfinden. Diese Fake-Events sind für uns einfach ärgerlich. Die Leute, die sich darauf freuen, werden verarscht und wir müssen den Leuten erklären, dass wir seriös sind und sie nicht hängen lassen,“, so Stecker.

Er vermutet, dass Inside Dortmund Daten sammelt. Ab und an werden auch Events angepriesen, die wirklich stattfinden, wie die Museumsnacht oder das Lichterfest. Inside Dortmund hat jedoch selbst nichts mit der Organisation dieser Veranstaltungen zu tun.

Beim Klick-Sammeln werden Daten gesammelt

Für Stecker ist dieses seltsame Verhalten durchaus plausibel: „Es macht aus Marketing-Sicht durchaus Sinn, solche „Interessiert“ oder „Nehme Teil“-Klicks zu sammeln, weil man dann diejenigen, die geklickt haben, auf Facebook analysieren und gruppieren kann. Diese Daten kann man dann verkaufen. Dann zeigt sich z.B., dass Leute, die Eis mögen, meistens weiblich sind und in einem bestimmten Alter, auch Kätzchen mögen etc. Dann kann man künftige Werbungen genau an diese spezifischen Zielgruppen richten.“

Das Konzept gibt es bereits seit drei Jahren in anderen Großstädten wie Düsseldorf, Köln oder Stuttgart - immer unter dem Namen „Inside“ in Kombination mit dem Stadtnamen. Es gibt stets wenige Infos zu den Events. Weitere Infos zu Ort und Programmpunkten solle es später geben.

Echten Locations werden Veranstaltungen angedichtet

In anderen Fällen haben die echten Veranstalter jedoch keine Ahnung von den Partys, die in ihren Räumlichkeiten angekündigt werden. Das „Full Moon Lounge“ Event sollte am 14. Juni im Moog Garden in Dortmund stattfinden. 1000 Menschen haben über Facebook zugesagt, weitere 20.000 haben sich interessiert gezeigt. Die Geschäftsführung ist schockiert. Weder von dem angekündigten Event, noch von dem angeblichen Veranstalter habe man bisher gehört. In Wirklichkeit fand zu diesem Zeitpunkt die wöchentliche „get jiggy“-Party statt. Die hat im Schnitt um die 150 Zusagen auf Facebook.

Der fehlende Veranstaltungsort sei bereits verdächtig, so Stecker: „Bei Großevents ist die Planung nicht innerhalb von ein paar Wochen erledigt. Man muss vorher Genehmigungen einholen, sich um Strom und die Müllbeseitigung kümmern, Getränke organisieren - das zieht sich über Monate. Deshalb steht auch der Ort bei seriösen Events lange vorher fest.“

Weitere Indizien für Fake-Events seien:

  • kein Preis und keine Vorverkaufsstelle angegeben
  • kein Programm veröffentlicht
  • kein Impressum vom Veranstalter (auch auf Facebook herrscht Impressumspflicht!)
  • der Veranstalter reagiert weder auf öffentliche noch auf private Nachfragen
  • er postet keine Teaser, die die Interessenten an das Event erinnern

Viel kann man nicht dagegen tun

Strafrechtlich gesehen ist es schwierig, gegen den ominösen Veranstalter anzugehen. „Es wird aktuell niemand konkret geschädigt. Facebook ist generell eine knifflige Geschichte. Einen ähnlichen Hintergrund haben auch gefakete Gewinnspiele. Grundsätzlich sollte sich das Netzwerk selbst um solche Fälle kümmern. Im Einzelfall kann es aber auch zu einer Anzeige kommen, z.B. wegen der Verletzung der Impressumspflicht“, so ein Sprecher der Dortmunder Polizei.

Gerichtlich dagegen vorgehen möchte Stecher ohnehin nicht. Sein Schaden hält sich in Grenzen. Er möchte niemanden in die Pfanne hauen. Viel wichtiger sei ihm, dass die Menschen aufmerksam auf das Problem werden. Seiner Meinung nach sei Facebook hier in der Pflicht, etwas zu unternehmen: „Es wäre toll, wenn Facebook etwas dagegen tun würde. Wir haben die Seite gemeldet. Die Verantwortlichen nehmen das Problem aber leider nicht ernst.“

Kontakt mit dem ominösen Veranstalter ist nicht möglich

Stecher hat zudem bereits selbst versucht, den ominösen Veranstalter zu erreichen. „Ich habe denen eine Nachricht geschrieben, was es denn mit den Events auf sich hat. Sie haben nicht reagiert und letztendlich mein privates Profil blockiert. Die wissen also, was sie tun und auch, dass ihnen jemand auf die Schliche kommt.“

Veranstaltungskalender
Diese Events finden Statt


  • Das echte Eis-Festival findet am 20. Juli statt,
  • Das echte Gin-Festival am 8.-10. August.
  • Der Burger-Marathon und das Fest der Toten finden augenscheinlich nicht statt. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Burger-Marathon angekündigt, der nicht zu Stande kam.
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