Das Binarium ist eine Reise in die Vergangenheit: eine private Sammlung von Spielkonsolen, Computern und vielem, was dazugehört – inklusive technischer Defekte.

Dortmund

, 06.07.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 9 min

Es gibt wohl zwei Arten von Menschen. Die anderen interessieren sich nicht für Computerspiele.

Mit zehn ging‘s bei mir los

Deshalb eins vorweg: Ich war ungefähr zehn Jahre alt, als in Dortmund die ersten Jungs in meinem Bekanntenkreis eine Spielkonsole bekamen. Kurz darauf ließ mich mal einer spielen, ich weiß nicht mehr, was das für ein Gerät war, aber ich weiß noch: Es war Liebe auf den ersten Blick.

Das erste Spiel, an das ich mich erinnere, hieß „Asteroids“: Auf schwarzem Hintergrund ein kleines weißes Dreieck, das war das Raumschiff, es konnte zwei Dinge: sich drehen und kleine Pixelpunkte schießen.

Aus allen Richtungen kamen grobe Klotz-Umrisse angeflogen, die Asteroiden. Die galt es zu treffen. Dann zersprangen sie in kleinere Klötze, die man noch mal treffen musste. Es war, wie die meisten Spiele damals, bockschwer.

Was war das für eine Erfindung

Ich glaube, kein Mensch unter 30 kann die Faszination nachvollziehen, die in den 80ern von diesen Spielen ausging. Wir spielten damals mit Gegenständen, wir kannten es nicht anders. Und dann plötzlich passieren da elektronische Dinge auf dem Bildschirm, eine Welt, eine Geschichte, die ich selbst steuern kann. Ein richtiges Wunder.

In den 80ern habe ich mit meinem ersten eigenen C64 (mit Datasette) mit meinen Freunden „Hanse“ gespielt und in „Impossible Mission“ mehrmals das superspannende 6-Stunden-Echtzeit-Limit geschlagen.

In den 90ern habe ich die ersten 3D-Shooter gefeiert („Doom“), in den Nullerjahren die ersten großartigen Echtzeitstrategiespiele wie Starcraft und die immer filmreiferen Storys in Spielen wie Farcry und der GTA-Reihe, bis seit einigen Jahren manche Spiele größer und tiefer sind als die besten Filme und andere so poetisch wie Literatur.

Das Binarium ist der Freund, den sich Computerspieler immer gewünscht haben

„GTA San Andreas“: Für mich das beste Spiel aller Zeiten - bis jetzt. Das Bild hängt neben weiteren Spielepostern an einer Wand in der ersten Etage. © Tilman Abegg

Computerspiele sind wie Urlaub, nur ohne die Reise. Ein Spiel ist eine Welt, die man sich selbst aussuchen und mitgestalten kann. Und, das habe ich mal gelesen und finde es schlau, die nach nachvollziehbaren Regeln funktioniert: Wenn im Spiel etwas schiefgeht, dann ist man meistens selbst schuld. Und wenn etwas funktioniert, dann ist das der eigene Verdienst. Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zum analogen Alltag: Eindeutig zu wissen, warum etwas klappt oder nicht, kann sehr erholsam sein.

Ich gehöre also zur Zielgruppe des Binariums. Und weil der 11-jährige Apfel nicht weit vom Stamm gefallen ist und zum Beispiel Minecraft, Terraria und Starcraft 2 liebt, sind wir beide ziemlich neugierig. Wir stehen also am Dienstag um 13.45 Uhr vor dem Binarium.

Das Binarium ist der Freund, den sich Computerspieler immer gewünscht haben

Schön, so in der Sonne und mit blauem Himmel. © Tilman Abegg

Dann gehen wir mal rein

Von außen sieht’s schön aus, das Binarium. Beim Eintreten auch, allerdings anders als erwartet: Etwas schicker als die Eingangsräume anderer Dortmunder Museen, die meist funktionaler eingerichtet sind, und leerer ist es auch. Keine Broschürenständer, keine Ausstellungsstücke.

Stattdessen indirektes Licht und eine glänzende Theke. Ist das hier eine Arztpraxis? Ach nee, das weiße Ding da auf dem Tresen ist kein Zahnmodell aus Plastik, sondern ein Geist aus dem Pacman-Spiel. Sind wir also doch richtig hier.

Hinter der Theke sitzt ein Mann Mitte 20 mit einer Zeitschrift in der Hand, zwei oder drei Jüngere stehen um ihn herum. Er schaut freundlich auf: Ja, kommse rein.

Ich frage nach einer Broschüre oder einem Plan für die Ausstellung, die Jungs überlegen kurz, nein, sowas gibt es nicht, nur das Faltblatt, das einen groben Überblick gibt. Die Ausstellung sei hier im Erdgeschoss und im ersten Stock, wir sollen einfach den Pfeilen folgen.

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Mystische Zeichnungen aus grauer Vorzeit weisen den Weg in die oberen Räume. © Tilman Abegg

Wie bei jemandem zuhause

Bisschen kurios, die Situation. Fühlt sich an, als sei ich zu jemand Fremdem nach Hause gekommen, der damit überhaupt nicht gerechnet hat, aber sehr gastfreundlich ist und nichts dagegen hat, dass ich mich umschaue.

Das Gefühl endet allerdings beim Eintritt: 9 Euro pro Person, Ermäßigung für Kinder gibt’s nicht, wenn sie älter als 5 Jahre sind. Happig, denke ich.

Der Elfjährige hatte bis eben Schule und braucht ein Mittagessen. Doch dazu später, wir springen erst mal 45 Minuten nach vorne zum Besuch der Ausstellung.

Im Erdgeschoss: Alarm!

An der Rezeption vorbei (beiderseitiges, freundliches Nicken) halten wir uns links und betreten den ersten Raum. Der Elfjährige ruft „Boah!“ und läuft keine Ahnung wohin, denn mein Blick hängt an den alten Flippern: drei hölzerne, blankgeputzte Schönheiten mit vielen kleinen, blankgeputzten Macken, die das Alter der Geräte erahnen lassen.

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Eine Schönheit: Der Flipper namens „Alarm“. © Tilman Abegg

Leihgaben vom „Flippermuseum Ruhr e.V. Shoot Again“, erzählt ein Schild. Der älteste stammt aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts. Der neueste von 1914 ist ein Bergmann-Flipper namens „Alarm“. „Alarm“ - das ist doch mal ein Name für einen Flipper!

Die Spielplatte ist verziert mit hübschen Frauengesichtern, einem Stierkämpfer und stereotypen „rassigen Schönheiten“ in hochgeschlitzten Kleidern. Außerdem steht zweimal groß der Name drauf: „Alarm“.

Welche Geschichten dieser Flipper in seinen 104 Jahren wohl erlebt hat? Und wie cool, dass die Ausstellung mit den Vorläufern der elektronischen Unterhaltungstechnik beginnt! Binarium, das ist kein schlechter Ausstellungsanfang.

Fußball auf dem Röhrenfernseher

An den Wänden des Raums wechseln sich Vitrinen mit angeschalteten Videospiel-Konsolen ab, darüber hängen alte Röhrenfernseher, die tiefer sind, als sie breit sind. Kennt die noch einer? Ihretwegen jedenfalls heißen heutige Bildschirme „Flachbildschirme“.

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Der Bildschirm vorne links zeigt irgendwas mit Fußball. Glauben wir. © Tilman Abegg

Einer der klobigen Bildschirme zeigt etwas, das wie ein Fußballspiel aussieht, eine weiße Mittellinie auf schwarzem Grund, da ist auch ein Ball-Punkt, und mehrere verschiedenfarbige Figuren laufen scheinbar zufällig herum.

Der Elfjährige kommt zurück, wir knödeln ein bisschen am Joystick herum, aber die Figuren laufen unbeeindruckt weiter.

Während der Junge achselzuckend zum nächsten Bildschirm geht, habe ich Oppagedanken: Ja, so war das damals. Keine unendliche Auswahl an Games, sondern eine Konsole und ein Spiel. Kein Internet, in dem man mal eben googelt oder ein Youtube-Video sucht, das einem das Spiel erklärt. Stattdessen einige Hinweise auf der Verpackung, sonst nichts, und wir mussten forschen, wie Archäologen legten wir die Spielmechanik Stück für Stück frei. Wir waren alle Indiana Jones damals.

(Auf der Rückfahrt versuche ich, meinem Sohn davon zu erzählen. Er hört mir interessiert zu, mit demselben Gesichtsausdruck, mit dem er früher Grimms Märchen gelauscht hat.)

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Da ist sie, die Entenjagd-Flinte, in der mittleren Vitrine. © Tilman Abegg

Die ersten Merkwürdigkeiten

Der nächste Raum ist noch größer: Vitrinen mit lustigen, merkwürdigen und sehr merkwürdigen Spielgeräten, zum Beispiel das Entenjagd-Spiel: eine braune Flinte und ein weißes Plastikding, das laut Erklärkarte entenförmige Schemen an die Zimmerwände projiziert, die man per Lichtimpuls aus der Flinte vom Himmel holen kann.
Und das ist nur eine von sehr vielen Merkwürdigkeiten des Binariums. Echt kurios, was die Entwickler sich damals alles einfallen ließen.

Eine Ecke wie ein Traum

In einer Ecke mit gedämpftem Licht stehen zwei Fernseher einander gegenüber, dazwischen vier Fernseher Rücken an Rücken, auf jedem läuft ein anderes Konsolenspiel, davor Sitzsäcke.

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Fernseher, Sitzsäcke, Konsolenspiele. Da wird einem warm ums Herz. © Tilman Abegg

Ein altes Mario Kart, ein etwas neueres Fußballspiel, das vermutlich erste Sonic the Hedgedog – Wow. Wie. Geil. Dafür hätte ich als Kind werweißwas gegeben.
Wir schicken Sonic über die ersten zwei Level, und es ist anders als früher, jetzt erinnert mich die bröckelige Grafik auf dem Bildschirm an Gemüserisotto.

Aber Spaß macht das Spiel immer noch, es ist wie damals immer einen spannenden Tacken zu schnell und die Steuerung fühlt sich immer noch gut an. Kein Wunder, dass das Spiel so ein Erfolg war.

Nerds sind liebevolle Menschen

Nach diesem Raum kommen noch viele weitere Räume. Sie alle sind liebevoll nerdig eingerichtet, teilweise ziemlich aufwendig, und so voller alter und nicht ganz so alter Technik.

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Immer wieder stoßen wir auf stimmungsvolle Ecken. Die haben hier ein Händchen für sowas. © Tilman Abegg

Allerdings, und hier unterscheidet sich das Binarium sehr von den städtischen Museen, ohne einen museumspädagogisch kultivierten Roten Faden, bei dem man sich leicht zurechtfindet. Obwohl die Räume thematisch und zeitgeschichtlich grob geordnet sind, wirken sie doch oft durcheinander. Hier muss man stöbern.

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Hal? Bist du das? © Tilman Abegg

Vieles ist erstaunlich: die schiere Zahl an Konsolen und Computern in den Vitrinen und Regalen. Die Vielzahl an Konsolen und Heimcomputern, die man ausprobieren kann. Die kultigen Wiederentdeckungen und die unzähligen, kuriosen Entwicklungen, die erfolglos blieben und einem deshalb nie begegnet sind.

Unsere Tops und Flops:

Top: Der C64

Auf der ersten Etage laufe ich auf eine komplett beklebte Wand zu, deren Muster mir irgendwie bekannt vorkommt. „Giana Sisters“ steht daran. Das Spiel hatte ich völlig vergessen! Die viereckigen, schwebenden Kristalle und die braunen Röhrenebenen rufen eine vage, aber starke Empfindung wach an viele spannende und angenehme Stunden, die ich mit diesem Jump’n’Run verbracht habe.

Vor der Wand steht ein alter Schreibtisch, darauf ein C64, komplett mit Röhrenmonitor, Joysticks und Floppy-Diskettenlaufwerk. Daneben mehrere Boxen voller Disketten, genauso durcheinander und rudimentär beschriftet, wie sich das gehört.

Wie ging das noch? Zum Glück liegt da eine Anleitung: Diskette ins Laufwerk schieben und eintippen: „LOAD „*“,8,1“.

„Hier“, sage ich, „schau dir das an: So war das damals. Keine schöne, einfache Windows-Benutzeroberfläche, wo man einfach auf die Icons klickt. Hier musste man mit den Computern in ihrer Sprache sprechen.“

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Der C64. Hallo, alter Freund, lange nicht gesehen. © Tilman Abegg

Und er schaut mich an, das alte Ding und die obskuren Befehlszeilen auf dem Bildschirm, und er blickt mit interessiertem Lächeln in meine Kindheit und seine Steinzeit hinein. Ich wette, mit genau demselben Gesichtsausdruck würde er auch einen Film übers antike Rom sehen und innerlich schmunzeln über diese niedlichen Aquädukte.

„C74“

Auf dem Rückweg werde ich ihn fragen, was er gut und was er doof fand, und er wird sagen: „Doof fand ich, dass dieses eine Teil, dieser C74, so lange zum Hochfahren brauchte.“ „C74“! „Hochfahren“! Als wäre ich im Mesozoikum geboren.

Genau das bin ich in seinen Augen natürlich. Aber das macht nichts, denn ich erinnere mich an den allerersten Frühling der Heimcomputer, und wie interessant und verführerisch das war. Und ich wünsche ihm, dass seine Kindheit und Jugend ähnliche Zauber birgt.

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Mit diesem „Laserscope“ konnte man auf Ziele auf dem Bildschirm schießen, wenn man laut „Feuer!“ rief. Allerdings, erzählt die Textkarte, schoss das Ding auch bei jedem anderen Wort, sogar bei Hintergrundgeräuschen. Hihi. © Tilman Abegg

Übrigens: Der C64 reagierte auf meinen Befehl mit dem vertrauten „SEARCHING FOR *“, das Floppy-Laufwerk knarzte, und dann passierte nichts mehr. Wir sind am Ende unseres Besuchs noch mal vorbeigekommen und haben nachgeschaut: Immer noch „SEARCHING FOR *“.

Ganz genau wie früher.

TOP: Der Minecraft-Computer

Tja, Minecraft: Hat mich nie gepackt, meinen Sohn dafür umso mehr. Ich sehe den Computer, auf dem es läuft, sage: „Hey, ist das nicht Minecraft?“, und der Elfjährige ist die nächste halbe Stunde nicht mehr ansprechbar.
Als er wieder zu mir (und zu sich?) kommt, hat er alle Mods gecheckt, die das Spiel geladen hat (Mods sind zusätzliche Programminhalte, die zum Teil das ganze Spiel verändern), den X-Wing-Fighter im Star-Wars-Mod gestartet und noch einiges mehr, das ich mir nicht merken kann.

Ich hab mir inzwischen die Evolution der Spielkonsolen angeschaut, die da Generation für Generation in den Vitrinen aufgestellt sind, und mich über den Special-Edition-Controller für das Spiel „Resident Evil“ kaputtgelacht: ein Joypad in Form einer stummeligen, blutverschmierten Plastikmotorsäge. Köstlich.

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Das ist ein Spielcontroller. In Form einer blutigen Kettensäge. Ja, das gibt es wirklich. © Tilman Abegg

Top: Pong

Der Bildschirm ist nur etwas größer als eine Scheibe Brot, also aus heutiger Sicht so klein, dass man aufpassen muss, nicht vorbeizugucken. Darauf flimmern rechts und links zwei kleine, senkrechte Balken, und ein Punkt fliegt quer über den Bildschirm. Was man heute Spielegrafik nennt, ist quasi nicht vorhanden.

Der Joystick besteht aus einem Knopf zum Drehen. Damit dreht man seinen Balken hoch und runter, dahin, wo der Ballpunkt hinfliegt, damit er zurückprallt. Minimal-Tennis.

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Das Minimal-Tennis-Spiel: Hier wären wir gern länger am Ball geblieben. © Tilman Abegg

Neben dem Bildschirm auf dem 70er-Fernsehtisch liegt die Konsole. Mit Schiebereglern wechselt man die Ballgeschwindigkeit und die Länge der Schlägerbalken.

Wir lassen uns in die Fernsehsesselchen fallen. Der Elfjährige erwischt zuverlässig keinen einzigen Ball, aber nach ein paar Minuten klappt es besser, und er sagt: „Komm, bis 30!“

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Vater und Sohn und Pong. © Tilman Abegg

Die Sonne scheint durchs Fenster auf die crazy 70er-Tapete, und wenn ich hier nicht arbeiten müsste, würden wir das tun, was man mit Computerspielen ebenso gut kann wie mit einem Sonnenuntergang am Strand: einfach drin versinken.

Flop: Nicht alles funktioniert

Da ist zum Beispiel dieses Kart, ein echtes Kart mit Motor und Fußbügeln für Gas und Bremse, angeschlossen an ein Autorennspiel auf dem Bildschirm davor. Ich suche das „Nicht-berühren“-Schild, wie ich es aus anderen Museen mit so einem Exponat kenne, aber da ist keins.

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Ein echtes Kart als Joystick für ein Rennspiel. © Tilman Abegg

Also setze ich mich rein, und das Bildschirmauto fährt los und reagiert auch auf meine Lenkbewegungen, aber sobald ich bremse, springt es wieder an den Start.

Ich gehe zum Empfang und frage einen der Jungs. Ja klar, das dürfe man gern ausprobieren. Und ja, das sei leider ein bisschen buggy (fehlerhaft).

Das Binarium ist der Freund, den sich Computerspieler immer gewünscht haben

Bisschen duster: Der linke Bildschirm schwächelt merklich. © Tilman Abegg

Buggy bzw. gar nicht erst an sind auch einige der bereitgestellten Konsolen, und manche Fernseher sind schon so alt, dass ihr dunkles Bild kaum noch Unterschiede erkennen lässt. Außerdem fehlen zu vielen der Ausstellungsstücke erklärende Textkarten.

Einschränkung

Aber: Das kann ich dem Binarium nicht ernsthaft ankreiden, und auch sonst finde ich keine wirklichen Kritikpunkte, obwohl ich danach gesucht habe – mit Ausnahme vielleicht der Tiefkühlpizza für 5,50 Euro im „Netzcafé“ (siehe unten den Abschnitt zum Bistro).

Denn die Mehrheit der Ausstellungsstücke ist ausführlich und interessant beschriftet, und das allein ist schon eine Leistung, erst recht für ein privates Museum.

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Dieses alte Beat-em-Up ist ganz schön schwierig. © Tilman Abegg

Und dass einiges nicht funktioniert, macht die Erinnerung nur plastischer. Genau so war das damals: Im gleichen Maß, wie wir Computerspielen lernten, lernten wir auch, mit Enttäuschungen umzugehen. Oder zu fluchen. Je nach Veranlagung.

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Ja, liebe Kinder, das gehörte auch dazu: Kabel entwirren, die nicht entwirrt werden wollen. © Tilman Abegg

Unser Fazit:

Das Binarium hat dutzende Konsolen und Computer aufgebaut, und wir müssen uns nur dransetzen - wie der Freund, den wir uns immer gewünscht haben. Natürlich nicht wirklich ein Freund – es ist ein Haus und es kostet Eintritt - aber für ein Museum sehr nah dran. Und in keinem Raum gibt es Aufsichtspersonal. Die vertrauen einem hier einfach.

Das Binarium ist der Freund, den sich Computerspieler immer gewünscht haben

Überall Tische mit Spielen, die laufen und darauf warten, dass wir sie ausprobieren. © Tilman Abegg

In meinem Alter, Mitte 40, kann man sich hier alt fühlen. Man kann sich hier aber auch wieder jung fühlen. Das muss jeder für sich entscheiden.

In seinem Alter, Mitte 11, kann man sich hier wie ein Archäologe fühlen.

Spaß hatten wir beide, denn wir beide spielen gern, und es ist toll, dass selbst einige der ältesten Spiele richtig Bock machen, weil sie einfach gut sind. Viele der Spiele sind aufs Zusammenspielen ausgelegt, bei den anderen spielt nur einer, aber beide überlegen, wie es geht. Und wenn eins gar nicht läuft, was soll’s, es gibt viele weitere.

Wir kamen um 13.45 Uhr und gingen um 17 Uhr, aber nur, weil das Binarium dann schloss.

Das muss man wissen:

Bis 19. Oktober gibt es eine Star-Wars-Sonderausstellung: ein originalgetreu und originalgroß nachgebauter X-Wing-Flieger aus den Filmen, aufgebaut als Wartungsszene mit Mechaniker, Luke Skywalker, Prinzessin Leia und R2-D2. Für Fans sicher cool, für uns immerhin ein schickes Fotomotiv. Für die Dauer der Sonderausstellung kostet der Eintritt 1 Euro mehr.

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Der originalgroße X-Wing aus Star Wars: Das ist die Sonderausstellung. © Tilman Abegg

Außerdem: Das Binarium schreibt sich selbst in Versalien: BINARIUM. Warum, steht

hier.

Hilft die Internetseite?

Ja, die ist umfangreich und informativ. Und ganz aktuell, sieht zeitgemäß aus und funktioniert :)

Anfahrt:

Preise und Öffnungszeiten:

Menschen über 5 Jahre zahlen 9 Euro bis 19. Oktober, danach 8 Euro, ermäßigt 7 Euro. Kinder unter 6 Jahre haben freien Eintritt. Es gibt Gruppenrabatte.

Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Führungen für Gruppen und Schulklassen müssen 10 Tage im Voraus gebucht werden.

Nachtrag: Mittagessen im „Netzcafé“

Das Bistro „Netzcafé“ gehört zum Binarium, ist nett eingerichtet und hat zur Straße hin eine nette Terrasse.

Doch bis dahin kommen wir nicht: An der Wand leuchtet ein Fußballstadion aus einem 75-Zoll-Bildschirm, mit Playstation 4, mein Sohn sagt „Fifa!“ und da haben wir auch schon die Controller in der Hand und wählen Mannschaften aus (ich Hertha BSC, er Deutschland).

Der Kick beginnt gemächlich und endet nach zwei Minuten, denn ich habe das Spiel nie gespielt und drücke plan- und ergebnislos auf meinem Controller herum, aber Junge, die Grafik ist nicht schlecht.

Der Bildschirm und die PS4 stehen hier anlässlich der WM, sagt der Wirt, der gerade reinkommt. Und nach der WM? „Mal sehen.“

„Gibt‘s nicht“

Die Speisekarte bietet für den Mittagshunger vier verschiedene Pizzen, Currywurst mit Pommes und Schnitzel mit Pommes, außerdem Pommes only, wahlweise normal oder aus Süßkartoffeln.

Der Elfjährige hätte am liebsten die Currywurst und am zweitliebsten das Schnitzel, aber leider gibt’s beides gerade nicht, sagt ein Mitarbeiter. Und Pommes, nein, das tue ihnen leid, aber für eine Portion würfen sie die Fritteuse nicht an. Das sei fürs Wochenende gedacht, weil dann mehr los sei.

Was soll‘s

Steht aber auch heute, am Dienstag, auf der Karte, denke ich. Aber ich spare mir den Kommentar, weil das Binarium bisher so einen hemdsärmeligen, uneitlen, vertrauensvollen Eindruck macht. Der sich später in der Ausstellung ja auch bestätigt. Als würden die Leute hier das alles einfach machen, weil sie Bock drauf haben. Und das ist ja schließlich etwas Gutes.

Die Salamipizza entpuppt sich als aufgewärmte Tiefkühlscheibe. 5,50 Euro dafür finde ich zu viel. Der Elfjährige findet nur die Pizza selbst zu viel, er ist zwei Achtel zu früh satt, ich esse den Rest. Schmeckt ok. Er trinkt eine Apfelschorle, ich einen Milchkaffee, insgesamt knapp 11 Euro.

So funktioniert der Museums-Check
  • Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Wir glauben, dass es nicht das beste Museum gibt, das für alle Familien am schönsten ist.
  • Daher besuchen wir die großen und kleinen Dortmunder Museen und zeigen, was sie jeweils bieten, was sie ausmacht.
  • So können Sie beurteilen, ob das Angebot auch etwas für Sie und Ihre Familie ist – denn was Ihnen Spaß macht, wissen Sie selbst am besten.
  • Die bisherigen Folgen der Serie „Im Museum mit der Familie“ lesen Sie hier:
  • die Dasa
  • das Mondo Mio
  • der Familiensonntag im U
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Professor Norbert Zmyj ist Entwicklungspsychologe an der Technischen Universität Dortmund. Für Familien, die Museen mit Kindern und Jugendlichen besuchen, hat er einige Hinweise parat.

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