Zu Beginn der Sommerferien wurde die Unterführung an der Hagener Straße gesperrt. Den Geschäften an der Hagener Straße bleiben die Kunden weg - das liegt aber nicht nur an der Baustelle.

von Verena Halten

Kirchhörde

, 07.08.2018 / Lesedauer: 5 min

Seit Beginn der Sommerferien bringt die Baustelle an der Unterführung an der Hagener Straße so manchen Autofahrer zum Schwitzen. Denn seitdem kommen sie hier – anders als Fußgänger – nicht weiter.

Die Straße, die durch die Unterführung führt, ist zurzeit in beide Richtungen gesperrt. Dabei ist die Unterführung eigentlich eine wichtige Verkehrsader im Süden. Sie verbindet den Süden Dortmunds mit der Innenstadt.

Die Vollsperrung hält viele Kunden fern

Darunter hat auch so manches Geschäft, das an der eigentlich stark befahrenen Hagener Straße ansässig ist, momentan zu leiden. Die Vollsperrung hält viele Kunden fern. Doch es gibt Grund zur Freude: Die Arbeiten gehen – trotz der Hitze und der brütenden Sonne – zügig voran.

So zügig, dass am Montag bekannt gegeben wurde, dass die aktuellen Baumaßnahmen von Donetz, Telekom und Westnetz eher beendet werden als erwartet. Genauer gesagt am 11. August (Samstag). Dann wird die Sperrung aufgehoben - mehr als zwei Wochen früher als geplant.

Zu verdanken habe man das den fleißigen Arbeitern, sagte Donetz-Pressesprecherin Jana-Larissa Marx am Montag. Denn die arbeiten zurzeit trotz der Hitze auf Hochtouren: in Schichten, von 6 bis 22 Uhr und das an sieben Tagen die Woche.

Bauarbeiter malochen wie die ganz Großen

„Die Jungs malochen wie die ganz Großen“, lobt Wolfgang Schnoor vom Getränkehandel Drive-In, Hagener Straße 222, den Einsatz der Bauarbeiter in höchsten Tönen.

Das denken die Geschäftsleute an der Hagener Straße über die Vollsperrung ihrer Straße

Kommen bei den Bauarbeiten gut voran: (v.l.) Bauleiter Thomas Dornfeld, Projektleiterin Katharina Wieghardt und Bauleiter Thorsten Müller. © Marie Ahlers

Schnoor ist jedoch nicht der Einzige, der die Arbeiter und das zügige Voranschreiten der Baumaßnahmen lobt. „Es gibt nichts Frustrierendes als eine Baustelle, an der wochenlang nichts passiert“, sagt Jürgen Hinkelmann, Geschäftsführer der Bäckerei Grobe, Hagener Straße 158.

Genau hier sei das jedoch nicht der Fall. Es gehe stattdessen sichtbar voran – Tag für Tag. Die Baustelle selbst sehen beide Inhaber mit gemischten Gefühlen. Zwar wissen die Geschäftsleute, dass die Ferienzeit das „geringere Übel“ war, wie es Hinkelmann vorsichtig nennt.

Es könnte trotz Umsatzeinbußen „weitaus schlimmer“ sein

Denn außerhalb der Ferien wäre es noch „weitaus schlimmer“ geworden. Schlimmer in Bezug auf die wegbleibenden Kunden und die damit verbundenen Umsatzeinbußen etwa.

Doch da die meisten Geschäfte an der Hagener Straße zurzeit nur durch Umleitungen erreichbar sind, verschlägt es auch aktuell merklich weniger Kunden in diese. Etwa ein Drittel bis zu einem Viertel weniger als sonst, schätzt Hinkelmann.

Aber: „Eine Baustelle tut immer weh“, fasst Schnoor in Worte, was wohl gerade so mancher Unternehmer an der Hagener Straße trotz allem Verständnis empfindet.

„Die Hagener Straße ist so ruhig wie nie“, sagt Christine Mooren von der Blumenbinderei Mooren, Hagener Straße 242.

Hitze, Ferien und Baustelle verscheuchen die Kunden

Es komme einem momentan so vor, als wäre man ganz woanders. Auch ihr bleiben die Kunden merklich fern. Sie könne aber nur schlecht einschätzen, wie weit das an der Baustelle liegt. „Hier kommen drei Faktoren zusammen: die Hitze, die Ferien und die Baustelle“, sagt sie.

Und keinen dieser drei Faktoren dürfe man unterschätzen. Somit könnte man aber auch sagen, dass es die Geschäfte an der Hagener Straße gerade besonders hart treffen würde.

Schnoor bleibt als Getränkehändler von fernbleibenden Kunden bisher größtenteils verschont: „Das liegt aber sicherlich am Wetter“. Bei großer Hitze habe man bekanntlich auch mehr Durst. Das treibe nicht nur Anwohner in seinen Laden. Jedoch wisse er, dass es sonst – unter anderen Umständen – gerade noch voller in seinem Geschäft sein könnte.

So mancher Händler bleibt gelassen

„Viele Kunden, die sonst mal eben auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause noch schnell etwas hier gekauft haben, bleiben gerade weg.“ Und das seien nicht unbedingt wenig. Im Grunde bleibe er jedoch gelassen.

Ähnlich geht es Roland Rathke, Inhaber von Gartengeräte Rathke an der Hagener Straße 199. Er merke keinen allzu großen Unterschied, sagt er. Er nimmt die Baustelle sehr gelassen. In den Ferien sei es immer ruhiger – „vor allem, bei diesem Wetter.“

Denn momentan sei es viel zu warm für die Gartenarbeit. Zudem kaufen die Kunden bei ihm eher bedarfsorientiert: „Und wenn Bedarf ist, dann finden mich meine Kunden schon.“

Verirrte und erboste Autofahrer

Schwer getroffen hat die Vollsperrung hingegen Susanne Kostian, Pächterin der Aral-Tankstelle, Hagener Straße 156. Momentan verirren sich nur etwa die Hälfte der Kunden zur Tankstelle, mit denen man es dort sonst zu tun hat. Und das Wort verirren trifft hier im wahrsten Sinne des Wortes zu.

Denn: „Viele Autofahrer verfahren sich und fragen an der Tankstelle nach dem Weg“, sagt Kostian. Grund seien die teilweise sehr verwirrenden Beschilderungen. Die führen vor allem am Wochenende Gäste aus anderen Städten schnell in die Irre – und somit in die nächste Sackgasse.

Das denken die Geschäftsleute an der Hagener Straße über die Vollsperrung ihrer Straße

Während der Sommerferien ist die Unterführung an der Hagener Straße vollgesperrt. © Rüdiger Barz

„Es ist jedoch schon ruhiger geworden“, sagt Kostian, „in den ersten Tagen war es hier sehr unruhig.“ Auch, weil so mancher gehetzte Autofahrer in der Baustellensackgasse die Beherrschung verlor und sich auch mal im Ton vergriff.

Man darf sich nicht zu früh freuen

Ansonsten seien die Kunden aber entspannt und meistens auch sehr geduldig, sind sich die Geschäftsleute auf der Hagener Straße einig. Nur manche Kunden seien laut Hinkelmann in den ersten Tagen etwas erbost gewesen. Auch hier habe sich die Lage in den vergangenen Wochen jedoch merklich beruhigt.

Man darf sich jedoch nicht zu früh freuen: Das Ende der Vollsperrung ist eigentlich nur der Anfang der nächsten Bauphase. Denn zurzeit wird die Wassertransportleitung erneuert, die unter der Unterführung verläuft.

Die alte Leitung hätte die Erschütterungen, die beim bevorstehenden Abriss der alten und maroden Bahnunterführung entstehen werden, nicht überstanden. Danach wird die Brücke von der Deutschen Bahn erneuert.

“Das ist erst der Anfang“

Unter anderem soll die Brücke dabei, wie auch aktuell bei einer vergleichbaren Baumaßnahme in Sölde, erhöht werden und somit auch Lkw in Zukunft die Durchfahrt ermöglichen.

„Das ist erst der Anfang“, sagt Hinkelmann und fügt hinzu, „ich mache mich darauf gefasst, dass das noch lange dauern wird.“ Und damit ist er momentan sicherlich nicht der einzige Bürger, der auf oder an der Hagener Straße arbeitet oder lebt.

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