Das hat der Kirchentag die Stadt gekostet - und das hat er Dortmund gebracht

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Über 3,7 Millionen Euro und damit mehr als ursprünglich geplant hat die Stadt in den Evangelischen Kirchentag gesteckt. Doch was hat er ihr eingebracht? Dazu gibt es jetzt eine Studie.

Dortmund

, 17.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Linken und Piraten im Rat lassen nicht locker. Von Anfang an haben sie den städtischen Zuschuss für den Evangelischen Kirchentag im Juni kritisiert. Jetzt beklagen sie, dass die Kosten für die Stadtkasse am Ende sogar noch höher ausfallen.

Einen Zuschuss von 2,7 Millionen Euro hatte der Rat ursprünglich beschlossen. Am Ende summieren sich die Kosten nach Angaben der Stadt auf insgesamt gut 3,7 Millionen Euro. Zu den 2,7 Millionen Euro hinzu kommen:

  • Sachkosten von 122.000 Euro etwa für Beschilderungen
  • 195.000 Euro Personalkosten
  • Leistungen der Dortmund-Agentur, die eng in die Vorbereitung des Kirchentags eingebunden war, in Höhe von 692.000 Euro

„Unsäglich“, findet das der Sprecher der Fraktion Linke/Piraten im Rat, Utz Kowalewski.

Marktforschung zum Kirchentag

Im Vorfeld hatten Vertreter der Stadt stets die Überzeugung geäußert, dass sich der Kirchentag am Ende rechnen werde. Zur Frage, was dieser Dortmund eingebracht hat, gibt es jetzt eine Studie eines Marktforschungsinstituts. Sie basiert auf einer Online-Befragung von Kirchentags-Besuchern, die der Kirchentag selbst in Auftrag gegeben hatte.

Nach der Analyse der Marktforscher ergibt sich eine Gegenrechnung zu den Kosten des Kirchentags - in Form des regionalwirtschaftlichen Effekts. Er wird aus den durchschnittlichen Ausgaben der Kirchentagsbesucher in Dortmund berechnet. Insgesamt wurden an den fünf Tagen des Kirchentags vom 19. bis 23. Juni 121.000 Besucher gezählt - 80.000 Dauerteilnehmer und 41.000 Tagesteilnehmer.

Ausgaben von 15,2 Millionen Euro

Einbezogen wurden in die Auswertung zum wirtschaftlichen Effekt aber nur die Ausgaben derjenigen auswärtigen Teilnehmer, die ausdrücklich wegen des Kirchentages nach Dortmund kamen, heißt es zur Erläuterung. Pro Kopf ergab die Umfrage Ausgaben von rund 208 Euro. Danach summieren sich die Ausgaben der 73.304 auswärtigen Gäste auf 15,2 Millionen Euro.

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Mehr als dieser finanzielle Aspekt dürfte für Dortmund aber eine indirekte Folge des Kirchentags wirken. 81 Prozent der befragten auswärtigen Teilnehmer gehen davon aus, dass der Kirchentag langfristig positive Folgen für Dortmund hat. Der überwiegende Teil davon, genau 84 Prozent, gehen von einem besseren Image der Stadt aus. Mehr Weltoffenheit sehen 56 Prozent als positiven Effekt des Kirchentags.

Lob für Gastfreundlichkeit

Besonders beigetragen haben zum Imagegewinn für Dortmund nach Meinung der Befragten die Gastfreundlichkeit (88 Prozent), Lebendigkeit (85 Prozent) und Toleranz (79 Prozent). Hier schneidet Dortmund bei den positiven Bewertungen sogar besser ab als Berlin, Gastgeberstadt des vorhergehenden Kirchentages im Jahr 2017.

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Immerhin: Für mehr als jeden dritten Besucher des Kirchentages (genau 38 Prozent) war es der erste Besuch in der Stadt. Und 31 Prozent äußern die Absicht, Dortmund in nächster Zeit erneut besuchen zu wollen. Das ist ein Aspekt, auf den vor allem die Tourimsmus-Werber gehofft hatten, die während des Kirchentages vor der Reinoldikirche Präsenz gezeigt haben. Und knapp die Hälfte der Teilnehmer (46 Prozent), die nicht in Dortmund leben, würden Freunden oder Bekannten den Besuch der Stadt empfehlen. 21 Prozent würden das eher nicht tun.

Konzerte besonders gefragt

Interessant ist auch der Blick auf die Aussagen, wie die Besucher die Angebote des Kirchentages bewerten und welche Kritikpunkte es gibt. Eindeutig ist die Motivation für den Besuch des Kirchentages: 86 Prozent suchten vor allem das Gemeinschaftserlebnis. Für 80 Prozent waren Musik und Konzerte wichtig, 79 Prozent ging es darum, neue Impulse für das Leben oder die Arbeit zu finden. Neben Interesse an gesellschaftspolitischen Themen (75 Prozent) und dem Wunsch, Glaube in einem anderen Kontext zu erleben (76 Prozent) wollten 71 Prozent aber auch „Spaß haben“.

„Dortmund und die Region erleben“ nannten immerhin 29 Prozent der Umfrageteilnehmer als Besuchsmotiv - noch vor dem Interesse, Prominente live zu sehen (28 Prozent).

Kritik am öffentlichen Nahverkehr

Auf der Hitliste der beliebtesten Angebote stehen Konzerte (82 Prozent) und Großgottesdienste (75 Prozent) vorn. Aber es gibt auch Kritikpunkte. Besonders im Fokus: das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs mit überfüllten Bussen und Bahnen. 18 Prozent äußerten daran Kritik. Auf Platz 2 folgte die Organisation des Abschlussgottesdienstes mit 7 Prozent.

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Besonders positiv hervorgehoben wurde die Vielfalt des Programms. 20 Prozent nannten diesen Aspekt bei einer offenen Frage nach den Highlights des Kirchentages. Deutlich mehr Lob als in Berlin gab es von den Besuchern des Dortmunder Kirchentages auch für die Atmosphäre und die Stimmung an den fünf Tagen.

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