Das hat sich am Bahnhof Hörde nach der tödlichen Messerattacke verändert

rnBahnhof Hörde

In der Medizin würde man den Bahnhof Hörde als chronisch krank bezeichnen. Immer wieder dieselben Beschwerden, kaum zu behandeln, weil die Ursache komplex ist. Eine Visite beim Patienten.

Hörde

, 19.09.2018, 04:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieses Gebäude steht im Fokus. Denn es gibt bauliche Schwierigkeiten. Und es gibt die soziale Funktion des Bahnhofs. Die tödliche Messerattacke unter Jugendlichen Ende Februar haben auf dramatische Weise eine Entwicklung bestätigt, die sich schon länger angedeutet hatte.

Dieser Bahnhof hat ein Problem mit Sicherheit und Sauberkeit. Das gilt auch ein halbes Jahr nach dem Vorfall noch. Oder wie ein Sprecher der Deutschen Bahn es formuliert: „Der Bahnhof ist nicht gerade unauffällig.“

Das Parkdeck, auf dem ein Mädchen starb, ist entlastet worden

Fraglos hat sich auch etwas verbessert. Die Personenansammlungen im Parkhaus sind selten geworden. Laut Martin Steinfort vom Eigentümer Pink Invest gab es vor vier Wochen die letzte Situation, dass der Hausmeister eine Gruppe auf dem Parkdeck antraf.

Gesichert ist das Parkhaus seit einigen Monaten durch einen Warnton, der über eine Lichtschranke ausgelöst wird. Das strapaziert die Nerven mancher Nachbarn, hält aber offenbar Jugendliche davon ab, das Parkhaus aufzusuchen.

Die andere Seite dieser Entwicklung: Seit Kurzem sammeln sich mehr Menschen im Durchgang zu den Bahngleisen. Nach wie vor gibt es massive Verschmutzungen und Berichte über Drogenkonsum und -handel in Bahnhofsnähe.

Deutsche Bahn erteilt Videoüberwachung am Bahnhof Hörde eine klare Absage

Zuletzt haben deshalb SPD-Politiker bei einem Besuch des Fußgängertunnels ihren Wunsch nach Videoüberwachung erneuert. Von der Deutschen Bahn kommt dazu eine klare Absage. „In Hörde ist keine Installation von Videokameras geplant“, sagt ein Bahnsprecher. Diese Entscheidung sei in Absprache mit der Bundespolizei getroffen worden, die in Hörde keine außergewöhnliche Gefahr für die Bahnreisenden sieht und deshalb die Videoüberwachung nicht empfiehlt.

Hinweise auf Verdrängungseffekte gibt es an mehreren Orten. Am Friedrich-Ebert-Platz sitzen vermehrt junge Menschen. Häufiger angesteuert wird auch die Kleingartenanlage Schrebergarten 06 an der U-Bahn-Haltestelle Karl-Liebknecht-Straße zwischen Innenstadt-Ost und Hörde.

Hier kam es vor einigen Wochen zu einem Zwischenfall. Eine Gruppe Jugendlicher verletzte einen Gärtner mit einer Rasierklinge und einem Faustschlag. Der Mann hatte sie angesprochen, weil sie Pflanzen ausgerissen hatten. „Der Bahnhof wird ein Hotspot bleiben, unabhängig von der Tagesfrequenz der Fahrgäste“, sagt Michael Steinfort von Pink Invest.

Deutsche Bahn: Undichte Stellen im Durchgang bleiben erst einmal

Die Krankenakte des Bahnhofs Hörde hat schon seit einigen Jahren viele weitere Einträge. Da sind zum Beispiel die undichten Stellen an der Decke des Fußgängertunnels. Das Wasser tropft bereits seit über fünf Jahren durch, entsprechend ramponiert ist die Deckenverkleidung.

Die Deutsche Bahn sieht keinen Handlungsbedarf. „Wir haben das auf dem Schirm. Aber es ist nicht so einfach, dass man es so eben machen könnte. Deshalb greifen wir es erst einmal nicht an“, sagt ein Bahnsprecher. Das lässt sich auch so interpretieren: Es ist noch nicht kaputt genug, dass sich der Aufwand lohnt.

Tunnel wird dreimal pro Woche gereinigt – und doch schmutzig

Die SPD-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau nennt das bei einem Termin vor Ort „sehr unbefriedigend“. Sie kritisiert auch die dauerhafte Verschmutzung durch Graffiti und Müll. Die Deutsche Bahn lässt den Tunneldurchgang nach eigenen Angaben dreimal pro Woche reinigen. Doch es sei schwierig, im selben Tempo zu reinigen, wie der Tunnel wieder verschmutzt werde, so ein Bahnsprecher.

Seit Anfang 2018 gibt es einen runden Tisch, zu dem Lokalpolitik, Verwaltung und viele andere Akteure zusammenkommen. Während der jüngsten Sitzung sorgte das Fehlen der Vertreter von Bahn und Pink Invest für Irritationen. Beide Stellen betonen aber, dass nur terminliche Gründe ausschlaggebend für das Fehlen gewesen seien. Der runde Tisch sei nach wie vor wichtig.

2012 nach Umbau wiedereröffnet
  • Der Bahnhof Hörde (täglich über 30.000 Fahrgäste) ist zwischen 2009 und 2012 umfangreich saniert worden.
  • Der barrierefreie Umbau inklusive einer Erhöhung der Bahnsteige, dem Einbau von drei Aufzügen und einem Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung kostete insgesamt rund 6,22 Millionen Euro.
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