Das HoT Mengede hält per Telefon Kontakt zu den Jugendlichen

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Mit dem Schulstart nach den Corona-bedingten Ferien normalisiert sich für Kinder und Jugendliche das Leben. Auf eine lieb gewonnene Freizeit-Aktivität müssen sie aber weiter verzichten.

Mengede

, 17.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schulen haben den Unterricht unter Auflagen wieder aufgenommen. Am ersten Schultag bekam Claudia Kowollik von der Jugendfreizeitstätte „Haus der offenen Tür“ (HoT) einen Anruf: „Wir müssen wieder in die Schule, warum dürfen wir dann nicht auch ins HoT?“.

Damit traf der junge Anrufer ins Schwarze. Die Jugendfreizeitstätten sind weiterhin geschlossen. „Wir arbeiten noch an einem Hygiene-Konzept“, nennt Mitarbeiterin Ursula Koblitz den Grund.

Wie lange das dauert? Völlig offen. Doch „wir haben Hoffnung, dass wir vor dem 31. August öffnen können“, sagt Claudia Kowollik. Bis dahin bleibt es bei den Kontaktmöglichkeiten, die sich in den vergangenen Wochen etabliert haben.

Sprechstunden am Telefon

Besonders beliebt ist die „analoge“ Jugendarbeit. Gespräche am Telefon. Im Bezirk Mengede haben sich die Jugendfreizeitstätten HoT, Smile, JaM, Kess und der Falkentreff abgesprochen. Jede Einrichtung bietet Telefon-Sprechstunden an, ist aber im Prinzip permanent erreichbar.

Und dieses Telefon-Angebot zeigt den Sozialarbeitern eines: „Soziale Medien können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Wir haben jetzt gemerkt, wie wichtig den Jugendlichen die Gespräche sind“, berichtet Andrzej Ceglarski von der PSG Gender Bildungsstätte „JaM“.

Die gute Nachricht ist: Keiner der Anrufer hat bislang von häuslicher Gewalt berichtet. Das Thema waren meist andere Ängste. Vor allem das Virus und die Angst davor, sich zu infizieren. „Es war eine große Verunsicherung zu spüren, weil es gerade am Anfang viele widersprüchliche Nachrichten gab“, berichtet Christina Schmidt vom JaM.

Angst vor Abschlussprüfungen

Andere Ängste betrafen die Schule, Abschlussprüfungen oder den Berufsstart. „Die Agentur für Arbeit war plötzlich nur noch schlecht erreichbar“, so Ursula Koblitz. „Viele hatten Angst um ihren Ausbildungsplatz und bekamen keine Beratung“.

Da erlebten die JFS-Mitarbeiter, dass sie ganz besondere Ansprechpartner für die Jugendlichen sind, denen man auch mal eine Frage stellen kann, die einem in Gegenwart Anderer peinlich wäre.

Claudia Kowollik und ihre Kollegen machten weitere bestärkende Erfahrungen. „Wir wurden auch gefragt, ob wir noch Geld bekommen, ob wir noch unser Leben unterhalten können“, so Andrzej Ceglarski. „Die Kinder hatten Angst um uns“.

Und genauso wie die Jugendfreizeitstätten ihre Stammbesucher auf den Internetseiten mit Infos und Anregungen sowie mit Bastelpaketen für zuhause versorgten, schickten die Jugendlichen Unterhaltendes an die Sozialarbeiter: Rätsel, Geschichten und Briefe.

Claudia Kowollik glaubt, dass die Jugendfreizeitstätten gestärkt aus der Krise hervorgehen werden: „Vielen ist erst jetzt klar geworden, was ihnen zum Beispiel das HoT bedeutet.“

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