Das ist der Alltag von Dortmunds ältester Chefin

Syburger Steinbruch

Gisela Struwe ist die wohl ältestes Unternehmerin Dortmunds: Mit 93 Jahren ist sie noch immer Chefin der Imberg Natursteinwerk GmbH, das im Ardeygebirge im Stadtteil Syburg Ruhrsandstein abbaut. Ein Leben voller schwerer Brocken, das auch nach so vielen Jahren alles andere als langweilig ist.

SYBURG

, 08.05.2016, 02:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Arbeitswelt von Gisela Struwe liegt direkt am Rande der Hohensyburgstraße. Eine Arbeitswelt, so rau wie wunderschön. Hinter einer rot-weißen Schranke, die Farbe schon leicht abgeblättert, beginnt das Gelände der Imberg Natursteinwerk GmbH.

Seit 75 Jahren in Dortmund

Gisela Struwe ist 93 Jahre alt und immer noch die Chefin des Unternehmens, das am Pfingstwochenende sein 75-jähriges Bestehen feiert. Ein hölzerne Hütte ist die Imberg-Zentrale. Sie steht kurz hinter der Einfahrt zu dem gewaltigen Steinbruch-Gelände. Die rohen Felsen links.

Gegenüber die verarbeitete Version, voller feingliedriger Details – nutzbar als Gartenschmuck, Hausverkleidung, Grabmal oder als ganz individuelles Kunstwerk. In der Flucht sieht das Auge Steine, Steine, Steine: das steile Ardeygebirge mit seinen Sandsteinvorkommen. Lebensgrundlage für die insgesamt acht Angestellten. Die Grundlage für Gisela Struwes gesamtes Leben.

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Die 93-Jährige sitzt in dem Bürogebäude. Um sie herum geht es geschäftig zu, Telefone bimmeln, Mitarbeiter rufen sich etwas zu. Auf dem Steinbruch, das wird hier sofort spürbar, herrscht ein direkter Ton. Zugleich ist der Kontakt untereinander geradezu familiär.

Viele Mitarbeiter sind schon seit 15 oder wie Betriebsleiterin Maria Pleines sogar seit 30 Jahren im Unternehmen. „Um meine Zukunft ist mir nicht bange“, sagt Gisela Struwe. „Hinter mir und meinem Sohn Thomas stehen die bewährten Fachmitarbeiter mit ihrer Liebe zu dem einzigartigen Material Ruhrsandstein.“

Die Ruhe im Trubel des Steinbruchs

Die zwölffache Großmutter und achtfache Uroma bleibt in dem Trubel eines normalen Steinbruch-Tages bemerkenswert ruhig. Sie wirkt wach, ist eine Frau, die viel lacht. Diese Ruhe hat sie über Jahre entwickelt, in einem Leben zwischen großen Felsen, Sprengungen und lauten Maschinen. Ihr Vater Theodor Imberg gründete das Unternehmen im Dortmunder Ruhrsandstein-Gebirge 1941, nachdem er zuvor schon in Bochum auf diesem Feld tätig war.

„Ich bin mit Steinen groß geworden“, sagt Gisela Struwe. Und fügt voller Überzeugung hinzu: „Ich habe immer noch Freude an einem der schönsten Gesteine, die es überhaupt gibt. Eines, das immer schöner wird, je älter es wird. Sichtbar ist das nicht nur an dem, was Imberg täglich an die Kunden bringt. Sondern auch in verschiedenen Fossilien-Funden, die im Bochumer Bergbaumuseum zu sehen sind, oder in Kunstwerken aus Ruhrsandstein.

Zwischen schweren Maschinen und Sprengungen

Den mitunter beinharten Alltag im Steinbruch bestreiten Vorarbeiter Frank Pollaczek und sein Team. Pollaczek, im Unternehmen zum Steinmetz ausgebildet, koordiniert die Arbeit mit den großen Brocken. Er ist für die Sprengungen ausgebildet, die seltener geworden, aber immer noch Alltag sind. „Alle zwei bis drei Wochen sind wir mit großen Erdbaumaschinen im Gebirge“, sagt Pollaczek. Bis zu 250 Kubikmeter Material stoßen die Arbeiter dann heraus und verarbeiten es anschließend. Schaffen aus dem rauen Stein etwas Neues – etwas Wunderschönes.

Am 13. Mai (Freitag) stehen die Türen des Steinbruchs ab 15 Uhr allen Interessierten offen. Es wird eine Schatzsuche für Kinder geben. Der Erlös des Festes geht an ein Kinderferienprojekt in Syburg.

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