Das letzte Kaninchen - trauriges Ende eines Zuchtvereins

Finale Schau abgesagt

Früher saßen in den Ställen von Karl-Heinz Kleinschmidt noch zehn Deutsche Riesen. Prächtige Kaninchen. Geblieben ist ihm nur noch ein einziges junges Tier. Jetzt musste der Kaninchenzuchtverein (KZV) W275 Volkswohl 1907 sogar die geplante letzte Schau absagen. Wir erklären die Hintergründe.

HOMBRUCH

, 06.12.2014, 12:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das letzte Kaninchen - trauriges Ende eines Zuchtvereins

Ein weibliches Jungtier, das im Juni 2014 geboren wurde, ist das einzige Zuchttier, das Karl-Heinz Kleinschmidt noch blieb.

Medien wie das Internet zu nutzen, um Mitglieder zu werben, konnte der Verein nicht. „Das jüngste Mitglied bei uns ist auch schon 60 Jahre alt und kennt sich damit auch nicht so aus“, sagt der 1. Vorsitzende. Unregelmäßig wollen sich die Verbliebenen des Vereins noch treffen, auch die alljährliche Weihnachtsfeier soll noch stattfinden. Berichterstattungen im Regionalfernsehen brachten keine Interessenten.

„Immerhin, der Zuchtverein besteht seit 107 Jahren, es gibt ihn länger als die Borussia“. Zuletzt waren nu noch zwei Züchter aktiv. Einer davon war Karl Thiesbrummel, der sich schon 1947 dem Verein anschloss. 30 Tiere besitzt der heute 84-Jährige noch. Spezialisiert hatte er sich auf die Zucht von Gelbsilber-Kaninchen. Der andere, der seine Zucht in den letzten Jahren immer noch aufrecht erhielt, war Karl-Heinz Kleinschmidt. Genommen wurden ihm neun seiner zehn Kaninchen durch eine Krankheit. Die Myxomatose dezimierte die Zucht.

„Es war ein Debakel, das Schlimmste, das einem Kaninchenzüchter überhaupt passieren kann. Gegen die Myxomatose ist kein Kraut gewachsen“, sagt Kleinschmidt. Das Sterben in den Ställen, es hat seine Ursache in der extrem milden Witterung in diesem Jahr gehabt. Stechmücken, die Überträger der Krankheit, vermehrten sich über Gebühr. „Nach und nach erkrankten die Kaninchen, es war grauenhaft anzusehen“. Erst einmal infiziert, litten die Zuchtkaninchen unter Qualen, hatten starke Schmerzen. „Die Kaninchen benahmen sich seltsam, waren plötzlich apathisch und auch äußerlich fielen mir Veränderungen auf.“

Um ihnen weitere Qualen zu ersparen, entschloss sich Kleinschmidt seine Tiere zu töten. Der Verlust und das eigene, fortgeschrittene Alter bewogen den Züchter dazu, sein Hobby jetzt aufzugeben. Von der einst so stolzen Zucht und deren Erfolgen bei Schauen erzählen nur noch Fotos, die im Wohnzimmer der Familie aufgestellt sind. Am 5. November 1961 war Karl-Heinz Kleinschmidt in den KZV W275 eingetreten, wurde 1974 zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im Amt führte er den Verein durch seine wohl schönsten Jahre. „In den 80er-Jahren war der W275 der mitgliederstärkste Kaninchenzuchtverein im Dortmunder Raum, wir zählten über 60 Mitglieder“, erzählt der 82-Jährige.

Schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit gibt es viele. „Die Höhepunkte waren sicherlich die eigenen Ausstellungen und das große Herbstfest, das damals noch rund um das alte Vereinslokal Haus Tacke stattfand. 85 Jahre lang traf sich der Verein da – bis das Haus dicht gemacht wurde.“ Es folgte die Suche nach einem neuen Treffpunkt. Seit nun 15 Jahren traf man sich in der Gaststätte Puschnik zum Austausch. Dort, wo auch die Schau am letzten Wochenende hätte zu sehen sein sollen. „Mit nur noch einer Zucht hätte das keinen Sinn mehr gemacht“, so Kleinschmidt, weswegen man die Notbremse gezogen habe.

Optimistisch, was die Zukunft des angeht, ist der Vorsitzende dennoch, auch wenn sie so ungewiss ist wie die seines letzten Kaninchens. „Vielleicht kommen doch noch mal neue Mitglieder.“ Bemühungen, um Nachwuchs zu werben, gab es schon, aber trotzdem wartete der Verein bisher vergeblich auf Zulauf.  

Medien wie das Internet zu nutzen, um Mitglieder zu werben, konnte der Verein nicht. „Das jüngste Mitglied bei uns ist auch schon 60 Jahre alt und kennt sich damit auch nicht so aus“, sagt der 1. Vorsitzende. Unregelmäßig wollen sich die Verbliebenen des Vereins noch treffen, auch die alljährliche Weihnachtsfeier soll noch stattfinden. Berichterstattungen im Regionalfernsehen brachten keine Interessenten.

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