Das Parken auf den Gehwegen ist weiter das größte Verkehrsproblem in Brackel

rnVerkehrs-Workshop

Für „hilfreicher als das ganze Elektromobilitätsgedöns“ hält Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka in Sachen Verkehrswende einen Umstieg vom Auto aufs Rad, wie er im Interview verrät.

Brackel

, 18.06.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD im Stadtbezirk Brackel hatte fürs Wochenende alle Brackeler zu einem Workshop zum Thema Mobilität ins Kultur- und Bildungszentrum Balou eingeladen. Wir sprachen darüber mit Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka.

Hallo Herr Czierpka, das war eine stressige Veranstaltung für Sie, oder?

Nein nein, meine Aufgabe bestand lediglich darin, durch einen Impulsvortrag einen kurzen Überblick über die Probleme im Stadtbezirk zu geben. Die Organisation lag in den Händen von Anna Spaenhoff und Fabian Erstfeld.

Der Verkehr ist ja ohnehin immer ein großes Thema in der Kommunalpolitik.

Etwa 80 Prozent aller Mails und Telefonanrufe beschäftigen sich mit diesem Thema. Da kann ich eine Menge Geschichten erzählen und mit Fotos unterlegen und da haben sich im Laufe der Jahre auch viele Anekdoten angesammelt. So war oft Schmunzeln angesagt, denn manche Anrufer sehen die eigene Situation sehr egoistisch, fordern etwa eine Sperrung „ihrer“ Straße weil dort zu viele Autos fahren, haben aber andererseits keine Probleme, locker mögliche Ausweichrouten vorzuschlagen. Auf den Gedanken, dass dann andere Menschen zusätzlich belastet werden, kommen sie nicht unbedingt selbst.

Das Parken auf den Gehwegen ist weiter das größte Verkehrsproblem in Brackel

Die Brackeler machten sich Gedanken zum Thema Verkehr in ihrem Ortsteil. © Anna Spaenhoff


Was sind denn die häufigsten Beschwerden?

Unangefochten das Parken auf Gehwegen.

Aber die Autos müssen doch irgendwo stehen.

Ja, das ist ein wichtiges Thema, und wir werden überall dort, wo es möglich ist, das Parken auf Gehwegen erlauben. Aber wenn der Restgehweg zu schmal ist, bleibt es verboten, und wir werden uns darum kümmern, dass öfter kontrolliert wird. Das Parken kann nicht zu Lasten aller anderen Verkehrsteilnehmer gehen. Es sind zunehmend Menschen mit Beeinträchtigungen unterwegs, und die benutzen eben Rollatoren oder Rollstühle. Und zu unser aller Glück gibt´s auch wieder mehr Kinder und damit mehr Kinderwagen. Ich schiebe ja seit einiger Zeit als Großvater auch wieder so ein Gefährt durch die Stadt und musste mehrfach auf die Straße ausweichen. Das ist nicht akzeptabel.

Das Parken auf den Gehwegen ist weiter das größte Verkehrsproblem in Brackel

Wichtige Vorschläge landeten per Post-It-Zettel an einem Clipboard. © Anna Spaenhoff


Wollen Sie so die Verkehrswende erreichen?

Das ist nur ein Mosaiksteinchen. Wenn die Menschen sicher zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein können, werden sie auch nicht mehr das Auto als alleiniges Verkehrsmittel sehen. 25 Prozent aller Autofahrten enden nach weniger als zwei Kilometern, 50 Prozent bei weniger als fünf - das sind klassische Fahrradentfernungen. Wenn da in die Pedale getreten würde, wäre das für den Klimaschutz hilfreicher als das ganze Elektromobilitätsgedöns.

Und was hat der Workshop an konkreten Ergebnissen gebracht?

Die Teilnehmer haben etwa Stellen benannt, an denen das Parken auf dem Gehweg erlaubt werden könnte. Auch Lücken im Radwegenetz waren ein wichtiges Thema. Oder nötige Querungshilfen. Dazu gab es Vorschläge zu einem attraktiveren Nahverkehr, etwa das Ein-Euro-Ticket. Das können wir natürlich nicht isoliert in unserem Stadtbezirk verwirklichen, da muss der Rat der Stadt ran. Aber viele andere Vorschläge können wir mit Bordmitteln umsetzen, einige sogar recht schnell. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie die Ideen sprudeln, wenn mehrere Menschen einfach um eine Karte herum an einem Tisch sitzen.

Das Parken auf den Gehwegen ist weiter das größte Verkehrsproblem in Brackel

Bei einer Tasse Kaffee waren die Teilnehmer mit Eifer dabei, Probleme zu benennen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. © Anna Spaenhoff


Wie kann man sich da jetzt noch beteiligen?

Wir freuen uns über jeden konkreten Hinweis, über jede Idee. Nicht alles wird sich verwirklichen lassen, aber die Bewohner kennen ihre Viertel selbst am besten, da ist jeder Hinweis hilfreich. Einfach die Situation möglichst genau beschreiben und dann per Email an diese Adresse: info@spd-brackel.de

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