Das passiert nun mit dem Ziegelstein-Handy-Kunstwerk

Aktion von Felix Droese

Bei einem Vortrag zerschmettert der weltberühmte Künstler Felix Droese das Handy eines Studenten - und alle Beteiligten freuen sich darüber. Nicht nur, weil das kaputte Handy bald sehr viel mehr wert sein könnte als zuvor. Wir haben mit dem Studenten, der sein Handy hergab, gesprochen.

DORTMUND

09.11.2013, 00:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Ziegelstein, den Felix Droese auf das Handy von Max Hölter fallen ließ, dient nun als Sockel des Kunstobjekts. In die Hülle des Mobiltelefons hat Droese seine Signatur geritzt: »Felix Droese, 6.11.2013, Kunstverein Dortmund«.

Der Ziegelstein, den Felix Droese auf das Handy von Max Hölter fallen ließ, dient nun als Sockel des Kunstobjekts. In die Hülle des Mobiltelefons hat Droese seine Signatur geritzt: »Felix Droese, 6.11.2013, Kunstverein Dortmund«.

Max Hölter, 23, studiert Kunst auf Lehramt an der Dortmunder TU bei Professor und Künstler Jan Kolata. Kolata organisiert Vortragsreihen, bei denen gestandene Künstler Studenten von ihrer Arbeit erzählen. Hölter, der selbst Kunst macht und mit acht Mitstudenten gerade eine Künstlergruppe gegründet hat, findet das Angebot super. Am Mittwoch steht Hölter im Kunstverein hinter einer Säule, kann Felix Droese kaum sehen und versteht nur jedes zweite Wort. Dann hört er Droese sagen: „Jede Kunst entsteht aus Negation. Ich brauche jetzt ein Handy!“ Es ist klar: Droese will ein Handy kaputtmachen.Hölter sieht die schweigenden Gesichter um sich herum und denkt: „Kann doch nicht sein, dass keiner hier die Eier hat, sein Handy herzugeben!“ Hölter zieht sein Nokia aus der Tasche, zwei Jahre alt, den fummeligen Touch-Screen hat er eh nie besonders gemocht, und reicht es Droese. Der fragt: „Sie wissen, was jetzt passiert?“ Hölter nickt und sieht kurz darauf den Ziegelstein aufs Display krachen. Droese signiert das Handy, legt es auf den Stein und gibt beides Hölter: „Das ist jetzt ein Kunstwerk.“ „Cool!“, sagt Hölter.

Wie viel das Objekt nun wert ist, ist schwer zu sagen. Das müsse die Zeit zeigen, sagt der Essener Galerist Frank Schlag, der auch Droese-Werke verkauft. Solche Objekte steigen oft im Wert. Aber erstmal müsse ein Auktionshaus oder eine Galerie bereit sein, es zu verkaufen. Immerhin ist es ein Unikat, stellt Professor Kolata klar. Es sei nicht ausgeschlossen, dass jemand dafür einen vierstelligen Betrag zahlen würde – aber das sei eine ganz vorsichtige Schätzung. Auf Hölter ist er stolz, weil der Vortrag ohne ein Handy zum Zerstören sehr theoretisch geblieben wäre. Droese selbst war gestern telefonisch nicht zu erreichen. Kolata sagt, Droese sei mit dem Verlauf des Vortrags ebenfalls sehr zufrieden gewesen.

Hölter sagt, es ist ihm egal, wie viel das Objekt wert sein könnte. Für ihn, der bisher die Bilder seiner Künstlergruppe in der Wohnung hat, zählt nur, dass er jetzt einen echten Droese besitzt. Als Hölter nach dem Vortrag mit dem eingepackten Droese-Objekt den Kunstverein verließ, wollte er seine Freundin anrufen. Er griff in die Tasche nach seinem Handy – und hielt inne. „Ach ja.“ Er hat sie dann vom Handy eines Freundes angerufen.  

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