Das sagen Dortmunder Schüler zur ausgesetzten Maskenpflicht im Unterricht

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Seit dem 1. September muss im Unterricht an den Schulen keine Maske mehr getragen werden – einige Dortmunder Schulen gehen einen anderen Weg. Die Schüler reagieren überraschend.

von Paula Protzen

Dortmund

, 01.09.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Maskenpflicht während des Schulunterrichts ist seit Montag (1.9.) aufgehoben. Doch einige weiterführenden Schulen in Dortmund erlegen sie sich selbst auf. Dabei gibt es seitens des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Dortmund keine Empfehlung dazu.

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An einigen Schulen dürfen die Masken also nun ab, wenn die Schüler an ihrem Platz sitzen - an anderen sollen sie aufgesetzt bleiben. Wie geht es den Schülerinnen und Schülern mit diesem Regelungs-Wirr-Warr?

„Unfair denen gegenüber“

Die Antwort: überraschend gut. Das Leibniz Gymnasium im Kreuzviertel gehört etwa zu den Schulen, die sich selbst zum weiteren Maskentragen verpflichten. Hier wird seitens der Schul-Homepage sogar weiterhin von einer Maskenpflicht gesprochen.

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„Viele Schüler hätten die auch weitergetragen, selbst wenn wir keine Maskenpflicht mehr hätten“, meint die 13-jährige Achtklässlerin Selin. Klar, gerne trage sie die genauso wenig wie jeder andere - aber es ginge ja nicht anders.

„Viele Lehrer würden ja auch fehlen, wegen des erhöhten Risikos.“ Dann würden die Klassen wieder in Distanzunterricht gehen, darauf haben sie und ihre Freunde keine Lust. „Wir haben auch Kinder mit chronischen Erkrankungen. Das wäre einfach unfair denen gegenüber“, ergänzt ihre Freundin Rafa, die auch in die achte Klasse geht.

Von der Schülervetretung mitbeschlossen

Solidarität mit Schülern und Lehrern - das nennt auch Neuntklässlerin Emma als Grund. Sie findet es gut, dass an ihrer Schule die Maske weiter getragen werden soll.

Und: Die Schülervertreter an ihrer Schule haben den Beschluss mitgetragen. „Klar, manche in meiner Klasse meckern auch, dass sie keine Lust mehr haben, die zu tragen. Aber letztendlich hatten alle sie auf“, sagt Emma.

Leerer Pausenhof des Leibniz Gymnasiums

Zu diesem Zustand wollen die Schülerinnen und Schüler des Leibniz Gymnasiums auf keinen Fall zurück: der leere Pausenhof ihrer Schule. © Archiv

Und dann ist da noch Marvin. Den Gedanken, dafür verantwortlich sein zu können, dass sich jemand anderes mit dem Coronavirus anstecke, findet er unerträglich. „Ich gehe dreimal die Woche eine ältere Dame besuchen.“ Da wolle er nicht das Risiko eingehen, sich das Virus in der Schule einzufangen.

Freunde finden? Im Distanzunterricht unmöglich

Überhaupt, eine Rückkehr zum Homeschooling mag er sich gar nicht vorstellen. Er ist erst seit fünf Monaten in Deutschland, vorher ist er auf Mauritius in die Schule gegangen.

„Ich finde Präsenzunterricht besser. Sonst würde ich nicht so viele Freunde finden, und mein Deutsch könnte ich auch nicht verbessern.“ Dass die Maske beim langen Tragen ein wenig hinter den Ohren wehtut, ist für ihn da leicht zu verschmerzen.

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Und alle vier Schüler sagen: Sie haben sich an die Maske gewöhnt. In den Pausen könnten sie nach draußen, auch wenn jemand während des Unterrichts frische Luft schnappen möchte, würden die Lehrer verständnisvoll reagieren.

Realschule nebenan hat Maskenpflicht gelockert

An der Realschule nebenan, der Wilhelm-Röntgen Realschule, sehen die Schüler das ganz anders. Hier müssen sie die Masken nur noch dann tragen, wenn sie aufstehen und auf Toilette gehen, berichten zwei Schülerinnen der Unterstufe. An ihrem Platz dagegen dürfen sie die Maske absetzen.

Er sei „ein bisschen froh“, sagt der 11-jährige Justin, dass er die Maske nicht mehr die ganze Zeit tragen müsse - dabei hört man ihm an, dass er mehr als nur „ein bisschen“ froh ist. „Man bekommt besser Luft. Aber die Ansteckungsgefahr ist auch größer“, sagt der Sechstklässler. Angst davor habe er aber nicht.

So wie Justin sehen das offenbar aber längst nicht alle seiner Mitschüler und Mitschülerinnen.

„Wir haben die Empfehlung herausgegeben, auf freiwilliger Basis die Maske auch am Sitzplatz während des Unterrichts zu tragen“, sagt Stephan Sauerwald, Leiter der Wilhelm-Röntgen-Realschule. „Und ein Großteil der Schüler kommt dieser Empfehlung nach.“

Zudem bestehe keineswegs nur beim Gang zur Toilette eine Maskenpflicht. „Sobald Schüler aufstehen und ihren Platz verlassen, müssen sie den Mund-Nasen-Schutz tragen“, erläutert Sauerwald. „Das gilt sowohl für die Pausen als auch beim Warten vor dem Gebäude oder beim Waschen der Hände, an das wir die Schüler regelmäßig erinnern.“

Schuldezernentin will sich nicht positionieren

Nachdem das Land NRW die Maskenpflicht im Unterricht überraschend aufgehoben hat, fehlt es an einer einheitlichen Linie. Die Schulleitungen der weiterführenden Schulen haben in einer Telefonkonferenz Schuldezernentin Daniela Schneckenburger darauf hingewiesen, dass die Elternschaft gespalten ist. Die Hälfte sei dafür, Maske im Unterricht zu tragen, die andere Hälfte dagegen.

Auch wenn es sinnvoller sei, eine Maske zu tragen, so Schneckenburger, sei man zu dem Entschluss gekommen, den Schulen nicht zu empfehlen, ein Maskengebot auszusprechen, da man Konflikte befürchte.

Transparenzhinweis: Der Text wurde am 4.9.2020 um die Stellungnahme der Leitung der Wilhelm-Röntgen-Realschule ergänzt.

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