Das Schicksal von sieben Frauen beschäftigt das Landgericht

Scheinehen und Zuhälterei

Sieben junge Frauen sollen aus Polen nach Dortmund gekommen sein, um hier glücklich zu werden. Im Prozess vor dem Landgericht geht es jedoch um anderes: Lügen, Scheinehen und Prostitution.

Dortmund

, 19.09.2018, 15:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Auf der Anklagebank sitzen zwei 39 und 44 Jahre alte Männer. Sie sind schick gekleidet, wirken ruhig und gelöst. Die Taten, die die Staatsanwaltschaft ihnen zur Last legt, liegen schon viele Jahre zurück.

Die erste Polin, die auf ihr Geheiß nach Dortmund gekommen sein soll, lebt inzwischen seit 16 Jahren hier. Die Anklageschrift beschreibt sieben Taten mit immer derselben Masche. Die Polinnen sollen in ihrer Heimat angesprochen und zum Umzug nach Deutschland überredet worden sein.

Prostitution auf dem Dortmunder Straßenstrich

Hier angekommen, wurden ihnen ihre künftigen Ehemänner vorgestellt – in der Regel gescheiterte Existenzen, die sich über ein paar Euro als Lohn freuten. Nach der Hochzeit sollen die Frauen mithilfe der Angeklagten alle erforderlichen Dokumente beantragt haben, die sie in die Lage versetzten, in Deutschland arbeiten zu gehen. Und dann sollen sie damit begonnen haben, die angeblich angefallenen Kosten abzuarbeiten.

Die meisten Polinnen mussten auf dem Dortmunder Straßenstrich der Prostitution nachgehen. Einige verschlug es auch nach Bochum in die dortige Bordellstraße.

Laut Staatsanwaltschaft mussten die Prostituierten große Teile ihres Tagesverdienstes den beiden Angeklagten abgeben. In einem Fall ist von 700 bis 1000 Euro täglich die Rede. In einem anderen von einem Gesamtbetrag in Höhe von über 100.000 Euro.

Gericht und Staatsanwaltschaft zu Zugeständnissen bereit

Dass an den Vorwürfen etwas dran ist, machten die Angeklagten gleich zu Beginn des Prozesses klar. Allerdings hatten ihnen Gericht und Staatsanwaltschaft zuvor auch schon signalisiert, dass sie aufgrund der übermäßig langen Verfahrensdauer zu Zugeständnissen bereit seien.

Und so wird es nun auch kommen. Nach dem Geständnis vom Mittwoch können die Angeklagten mit Bewährungsstrafen von 16 beziehungsweise 18 Monaten rechnen. Als Auflage ist die Zahlung von 5000 Euro an die Polin vorgesehen, die sich dem Prozess als Nebenklägerin angeschlossen hat.

Der Prozess soll noch im September zu Ende gehen.

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