Das sind die drei Neuen am Dortmunder Schauspiel

Großes Dreifach-Interview

Carlos Lobo ist die deutsche Synchronstimme von Javier Bardem, Peer Oscar Musinowski war Fußballer bei Hertha BSC, Merle Wasmuth kommt direkt vom Wiener Burgtheater - die Vita der drei Neuen im Ensemble des Dortmunder Schauspiels ist schillernd. Wir haben die drei zum Interview getroffen.

DORTMUND

06.11.2013, 19:05 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wenn es ums Theater geht, darf das Licht der Erkenntnis auch mal von unten kommen: Carlos Lobo (v.l), Merle Wasmuth und Peer Oscar Musinowski sind seit Beginn der aktuellen Spielzeit Mitglieder des Ensembles am Schauspiel.

Wenn es ums Theater geht, darf das Licht der Erkenntnis auch mal von unten kommen: Carlos Lobo (v.l), Merle Wasmuth und Peer Oscar Musinowski sind seit Beginn der aktuellen Spielzeit Mitglieder des Ensembles am Schauspiel.

: Kay war schon immer ein Rock’n’Roller und ein Punk. Nicht der klassische Theatermacher, nicht absolut gradlinig. Diese Atmosphäre kommt hier auch rüber. Kein stupides Stadttheater. Zum Beispiel „Meister und Margarita“ und „Das Fest“.

: Ich weiß nur, dass Kay immer sagt: Carlos, du hast so ein großes Herz, du bist immer so Baah! da. Aber ich wog damals sechs Kilo weniger, also bin ich jetzt wahrscheinlich noch mehr Baah!

: Ja. Was mir vorher nicht bewusst war: Beim Film bekommt man ja selten Briefe von Jugendlichen, aber bei den Computerspielen ist das der Oberhammer. Die Joel-Figur, die ich in „The Last Of Us“ spreche, begleitet die Jugendlichen durch viele Spiel-Stunden, Wochen, Monate.

: Was schreiben die so?

: Junge Mädchen schreiben zum Beispiel, dass sie mit dem Klang der Stimme im Ohr schlafen gehen und so, wie Jugendliche halt sind.

: Nein, weil ich das immer offen gesagt habe. Es ist tausendmal schöner hier und tausendmal spannender.

: Ich finde Wien für eine Woche schön, danach kann ich das nicht mehr hören: (imitiert den Wiener Dialekt) der Herr Dookter, der Herr Magiister.

: (lacht) Ja, geht mir auch so! Es ist kleingeistiger dort, als man denkt. Außerdem kommt man schwer rein, die mögen die Deutschen nicht und zeigen das auch. Aber es ist toll, wie hoch dort das Theater geschätzt wird. Wenn du sagst, du bist Schauspielerin, dann kriegst du jede Wohnung, und wenn du am Burgtheater spielst, kriegst du auch noch Sachen geschenkt. In Wien gehört der Gang ins Theater zum guten Ton, in allen Gesellschaftsschichten, aber ich habe das Gefühl, dass sie sich damit nicht wirklich auseinandersetzen.

: Ich finde, in Dortmund ist das Publikum extrem aufgeschlossen, wie die Leute im ,Zeitalter’ mitgehen, das kann man in keiner Stadt erwarten. Alles anders als in Wien, da wirst du nach der Vorstellung in der Kantine angerufen, dann gehst du raus und da stehen die Fans mit ausgedruckten Fotos von dir und bitten dich zurückhaltend ums Unterschreiben. Hier in Dortmund steht man hinterher hier und trinkt mit den Besuchern ein Bier und die sagen: Warst du das da eben auf der Bühne? Aha, war cool. Ist viel lockerer.

: Ich finde Steven Gerrard gut, Alan Smith, Zinedine Zidane, Christiano Ronaldo, Dennis Bergkamp – Kämpfernaturen. Leidenschaft, alles geben, nie aufgeben. Wenn man 0:5 zurückliegt, trotzdem noch 6:5 gewinnen.

Ich habe viele Geschichten erlebt. Mein Papa ist früh gestorben. Es sind in meinem Umkreis viele Leute gestorben, manche haben sich umgebracht, ich komme aus Berlin-Lichtenberg, da habe ich durchs Fußballspielen viel von der sozialen Unterschicht kennengelernt.Dann wieder habe ich durchs Modeln Leute kennengelernt, die so wahnsinnig reich sind, dass sie eigentlich am Geld ersticken und nicht mehr leben. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist, warum manche Leute nichts machen aus ihrem Potential. Das ist ein gewisser Schmerz. Und ich wollte immer gerecht gewinnen. Das gilt auch am Theater, da will ich offen und ehrlich sein.

: Das Ensemble ist klein. Es gibt überhaupt keinen Neid unter den Kollegen, das ist paradiesisch. Das hat viel mit Kay Voges zu tun. Er ist absolut kein Machtmensch. Er ist sehr ehrlich und liebt seine Schauspieler. Ich habe hier vor nichts Angst. Umso mehr arbeite ich, weil es so motivierend ist.

: Ich war an vielen Theatern. Mich erinnert Dortmund an Mannheim. Eine ehrliche Stadt. In Bad Godesberg war es bieder. Ich war in Oberhausen, eine triste Stadt. Hier habe ich den besten Thailänder Deutschlands entdeckt, ,Warin’ in Aplerbeck.

: Ich würde wahnsinnig gern mal ins Stadion gehen. Letztens wollte ich für meine Brüder und mich Karten kaufen, da hat die Frau mich ausgelacht und gesagt: Vor drei Wochen um acht Uhr morgens hätten Sie noch Chancen gehabt.

: Ich würde gern mit Kloppi im Theater ein Bier trinken.

: Ich wär gern für einen Tag Stadionsprecher.

: Schauspielerei ist Poesie. Such dir eine Figur, in die du dich verlieben kannst.

: Du musst nichts tun oder wissen, einfach da sein und zuschauen.

: Wenn dir was nicht gefällt, sag’s ruhig, geht mir auch oft so. Aber wenn es gut ist, ist es nicht wie im Kino, sondern es ist magisch: Die Geschichte passiert da vorne jetzt gerade eben.

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