Das sind die Folgen des Supersommers für Dortmund

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Die Hitze hat Dortmund im Griff. Diese Woche soll es sogar über 35 Grad warm werden. Was die Freibäder der Stadt freut, ärgert die Bauern. Ein Überblick über die Folgen der Hitzewelle.

Dortmund

, 23.07.2018, 04:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Deutschland erlebt einen Sommer, der im Bilderbuch nicht schöner sein könnte. Obwohl die Wetterdienste bereits jetzt von einem Rekordsommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sprechen, scheinen die Höchstwerte noch nicht erreicht. In der dieser Woche gibt es laut Wetteraussichten weiter mehr als 30 Grad in Dortmund, am Donnerstag soll sogar die 36-Grad-Marke geknackt werden.

Die Schulkinder freuen sich, genießen sie doch die heißesten Sommerferien seit vielen Jahren. Freibäder und Gastronomen machen Rekordumsätze - und viele Menschen hoffen einfach nur auf eine Abkühlung.

Wasserverbrauch in Dortmund

Der durchschnittliche Wasserverbrauch von mehr als 600.000 Bürgern, die die DEW21 in Dortmund, Teilen Herdeckes und Holzwickedes versorgt, liegt bei 125.000 Kubikmetern am Tag. Bei extremer Hitze könne der Verbrauch auf bis zu 185.000 Kubikmeter steigen, sagt Gabi Dobovisek, Sprecherin der DEW21. So auch Anfang Juli. Mit Ferienbeginn, so Dobivisek, seien die Zahlen jedoch wieder gesunken, weil viele Verbraucher in den Urlaub fahren und die Wasserversorgung damit zeitweise nicht mehr in Anspruch nehmen.

Wer nicht gerade duscht, um sich abzukühlen, der geht ins Freibad. Bereits jetzt verzeichnen die Bäder in Dortmund höhere Besucherzahlen als in der gesamten Saison 2017. Gerade das Froschloch in Hombruch und das Freibad Hardenberg in Deusen, die beiden nicht beheizten Bäder in Dortmund, profitieren von den heißen Tagen. 40.000 Badegäste zählte das Froschloch bis zum 18. Juli, 35.000 das Freibad Hardenberg.

In dieser Woche rechnet Michael Dominik, Betriebsleiter des Froschloch, in seinem Freibad mit täglich 2.000 bis 2.500 Badegästen unter der Woche, am Wochenende mit etwa 3.000 pro Tag. Geöffnet bleiben sämtliche Freibäder voraussichtlich noch bis Anfang September, je nach Wetterlage auch länger.

Das sind die Folgen des Supersommers für Dortmund

Schon jetzt waren in Dortmunds Freibädern so viele Besucher wie im gesamten Sommer 2017. © Oliver Schaper

Trockenheit in Dortmund

Doch fordert die Hitze auch ihren Tribut. Das spüren vor allem die Landwirte. Es sei zwar ungewöhnlich und angenehm für die Bauern, bereits jetzt und nicht erst im August Weizen von ihren Feldern ernten zu können, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Kreizvorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes Ruhr-Lippe. Die lang anhaltende Hitze sorge aber gleichzeitig für Ernteausfälle von bis zu 15 Prozent. "Viele Dortmunder Landwirte haben Lehmböden und kommen deshalb noch mit einem blauen Auge davon", sagt er weiter. Lehmboden speichert Wasser besser als Sandboden. Landwirte, die auf Letzterem wirtschaften, müssten mit Ernteausfällen von bis zu 50 Prozent rechnen, sagt Wortmann. Einzig die Obstbauern freuen sich über den Sommer, beginnnen teilweise schon jetzt, Äpfel oder Kirschen zu ernten.

Landwirte mit Viehbestand geraten ebenfalls in Bedrängnis. Im Sommer mähen sie normalerweise das Gras, das ihre Tiere im Winter essen sollen. "Schauen Sie einfach bei sich in den Garten: Da wächst ja nichts", sagt Wortmann. "Genauso geht es den Landwirten." Also müssen sie Futter dazukaufen.

Nicht nur auf den Wiesen und Feldern der Bauern herrscht extreme Trockenheit. In Waldgebieten herrscht sogar Brandgefahr. Gerade im Dortmunder Süden - in der Bittermark beispielsweise, in Niederhofen oder an der Hohensyburg -, wo der Waldboden nicht viel Wasser speichert, ist das Risiko laut Forstamt Dortmund besonders groß, im Vergleich zu anderen Regionen in NRW jedoch immer noch gering. Dort sei der Bestand an leicht brennbaren Nadelbäumen wesentlich höher als in Dortmund, sagt Sebastian Vetter vom Forstamt. Im hiesigen Waldgebiet sind vorwiegend Laubbäume zu finden.

Das sind die Folgen des Supersommers für Dortmund

Viele Dortmunder Bauern kommen wegen ihrer Lehmböden mit einem blauen Auge durch die Trockenheit. © Oliver Schaper

Trotzdem: Auch den Laubbäumen macht die lang anhaltende Hitze zu schaffen. Viele stellten kurzfristig die Photosythese und damit das Wachstum in Höhe und Breite ein. Zudem drohen junge Bäume, die erst im Frühjahr gepflanzt wurden, einzugehen und müssen im Herbst nachgepfanzt werden. Macht etwa 3.000 Euro pro Hektar Wald.

Ob die Stadt Dortmund in ihren Parks nach Ende des Sommers neuen Rasen wird sähen müssen, steht Sprecherin Anke Widow zufolge noch nicht fest. Sowohl im Rombergpark als auch im Westfalenpark ist der Rasen zu Teilen vertrocknet, muss ebenso wie die Pflanzen zusätzlich gewässert werden. "Wir hoffen auf eine Abkühlung", sagt Widow. Vor dem Juicy-Beats-Festival am kommenden Wochenende trifft die Stadt keinerlei Vorkehrungen, um den Rasen im Westfalenpark zusätzlich zu schützen.

Rettungseinsätze in Dortmund

Ob auf dem Acker, im Wald oder auf Wiesen: Um die Brandgefahr zu verringern, warnt die Feuerwehr Dortmund dringend davor, glühende oder heiße Zigarettenstümmel auf Grünflächen zu entsorgen. Dasselbe gilt für Grillkohlen und Glasflaschen. Laut Landesforstgesetz ist es zwischen 1. März und 31. Oktober ohnehin verboten, im Wald zu rauchen. Ein Grillverbot gilt im Wald das ganze Jahr. Wer dagegen verstößt, dem droht ein Bußgeld.

Obwohl sich einige dennoch nicht daran halten, hält sich die Anzahl der Feuerwehreinsätze wegen anhaltender Trockenheit und Feuer auf den städtischen Grünflächen in Grenzen. Auch mehr Rettungseinsätze habe es in den vergangenen Wochen nicht gegeben, sondern wie sonst auch knapp unter 400 am Tag.

Das sind die Folgen des Supersommers für Dortmund

Hunde sollten in der Mittagshitze nicht Gassi geführt werden, empfiehlt Heike Beckmann von der Tierschutzorganisation Arche 90. Die Tiere könnten sich die Pfoten verbrennen. © Oliver Schaper

Nichtsdestotrotz sei es wichtig, die Gefahr der Hitze nicht zu unterschätzen. Körner warnt etwa davor, kleine Kinder und Haustiere im Auto zu lassen, und sei es nur für kurze Zeit. "Das heizt sich ganz schnell auf 60 bis 70 Grad auf."

Haustiere sollten bei den heißen Außentemperaturen ohnehin besser drin bleiben, sagt Heike Beckmann von der Tierschutzorganisation Arche 90. Hunde zum Beispiel sollten ausschließlich morgens und abends Gassi geführt werden, wenn der Asphalt noch nicht so aufgeheizt ist wie um die Mittagszeit. "Hunde sind auf ihren Pfoten quasi barfus", sagt Beckmann. "Menschen wollen bei diesen Temperaturen auch nicht ohne Schuhe über die Straße laufen."

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