Unser Autor beobachtet auf Dortmunds Straßen zunehmend dreiste Verkehrsmanöver. Das kann nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden, zeigt eine gemeinsame Analyse mit der Polizei.

Dortmund

, 13.07.2018, 04:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Da kennt die Polizei Dortmund keinen Spaß: Sowohl gestiegene Fahrleistungen als auch immer mehr Baustellen sorgen vor allem im Berufsverkehr für eine hohe Verkehrsdichte, für Staus und zähfließenden Verkehr. Termindruck führt bei vielen Autofahrern zu aggressivem und rücksichtslosem Verhalten. „Dichtes Auffahren oder Drängeln gehört ebenso dazu wie eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber Verkehrsregeln und anderen Verkehrsteilnehmern“, sagt Sven Schönberg, Pressesprecher der Polizei Dortmund. Mit solchen Phänomenen seien die Polizeibeamten täglich konfrontiert.

Wir haben im Berufsverkehr in und um Dortmund in den vergangenen Wochen fünf besonders dreiste, aber immer wiederkehrende Verkehrsverstöße beobachtet und die Polizei gefragt, wie denn diese dreisten Manöver geahndet werden, wenn man die Fahrer erwischt.

Beispiel 1: Verkehrsinsel

Auf dem Sunderweg im Bereich der EDG gibt es in Höhe der Kesselstraße eine Bushaltestelle und eine Verkehrsinsel. Um den haltenden Bus zu überholen, fährt von hinten ein Pkw in Richtung Rheinische Straße/City an dem Bus und der Verkehrsinsel im Gegenverkehr vorbei. Nur 100 Meter weiter folgt eine leichte Linkskurve.

Die Experten der Verkehrsdirektion halten zunächst fest, dass der Verkehrsrowdy eine durchgezogene Linie überfährt. Solche Linien dürfen grundsätzlich nicht überfahren werden (gemäß § 41 StVO, Zeichen 295). Eine Ahndung erfolgt von 10 Euro bis zu 40 Euro. Beim Überholen bei unklarer Verkehrslage und Verursachung eines Verkehrsunfalls können bis zu 300 Euro und ein Monat Fahrverbot folgen. Ergeben sich Anzeichen für rücksichtsloses und grob verkehrswidriges Verhalten, könnte auch ein Straftatbestand nach Paragraph 315 c StGB (Gefährdung des Straßenverkehrs) in Frage kommen.

Desweiteren wird hier gegen Verkehrszeichen 222 „Vorgeschriebene Vorbeifahrt rechts“ verstoßen. Gemäß § 20 StVO (Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse) ergeben sich erhöhte Aufmerksamkeitspflichten des Fahrzeugführers. Ein und Aussteigende Fahrgäste dürfen unter anderem nicht gefährdet und belästigt werden.

Beispiel 2: Autobahnkreuz

Es ist ein regelmäßiges Schauspiel auf der A2 in Richtung Hannover, Abfahrt auf die A 45 Richtung in Richtung Frankfurt. Der Verkehr staut sich mit den Abbiegern auf der rechten von drei Spuren. Manch ein Autofarer lenkt an dem ganzen Stau vorbei und fährt über die durchgezogene Linie direkt auf die geradeaus nach Waltrop führende Spur.

Wie im ersten Beispiel wird ein Fahrstreifen überfahren, der die Fahrbahnen begrenzt. Das kann mit einem Verwarngeld von 10 bis 40 Euro geahndet werden. Das Strafmaß kann sich deutlich erhöhen, wenn andere gefährdet werden oder ein Unfall verursacht wird (siehe Beispiel 1).

Beispiel 3: Müllfahrzeug

In einem Wohngebiet blockiert ein Müllwagen morgens den Verkehr. Links parken Autos, man kommt an den Müllwerkern nicht vorbei. Weil der Gehweg rechts breit genug ist, fährt der Rowdy über den Gehweg an der Schlange und dem Müllwagen vorbei wieder auf die Straße.

Dazu erklärt die Polizei: Gemäß § 2 (1) StVO müssen Fahrzeuge die Fahrbahnen benutzen. Die Benutzung des Gehwegs, wie im Beispiel beschrieben, um ein Müllfahrzeug zu überholen, stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Eine Ahndung erfolgt von 10 Euro bis zu 25 Euro. Je nach Sachverhaltsschilderung und möglicher Gefährdung könnte auch ein Straftatbestand durch den Pkw-Fahrer erfüllt worden sein. In Betracht kommen könnten unter anderem Nötigung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Dieses Verhalten ist nicht nur besonders dreist, sondern insbesondere für Fußgänger gefährlich.

Beispiel 4: Seitenstreifen und Raststätte


Regelmäßig kommt es im Feierabendverkehr auf der A 45 zwischen Hafen und Castrop-Rauxel-Ost in Richtung A42 und A2 zu einem Stau oder zähfließendem Verkehr. Etwa in der Mitte liegt der Rastplatz Kirchlinde. Oft fahren schon mehrere hundert Meter vor dem Rastplatz Pkw erst über den Seitenstreifen und dann über den Rastplatz am Stau vorbei, um sich dann wieder einzuordnen.

Solch ein Manöver kann teuer werden. Wie die Polizei sagt, müssen Autofahrer gemäß § 2 (1) StVO stets die Fahrbahnen benutzen. Das Benutzen des Seitenstreifens zum Zweck des schnelleren Vorwärtskommens ist untersagt und mit 110 Euro Bußgeld und einem Monat Fahrverbot belegt. Ein Überholen liegt nicht vor, da der Seitenstreifen nicht Bestandteil der Fahrbahn ist.

Beispiel 5: Linksabbiegerspur


Auch in Mode gekommen ist, dass Autofahrer die Linksabbiegerspur nutzen, obwohl sie geradeaus weiterfahren wollen. Polizei und Fahrschullehrer beobachten es häufiger, dass diese Verkehrsrowdys dann bei Grün Gas geben und von der Linksabbiegerspur geradeaus fahren - vor allem, wenn auf der Geradeaus-Spur ein Lkw oder ein Bus vor der Ampel wartet.

Bei solch einem Manöver können für die Polizei folgende Tatbestände zum Tragen kommen: Wird nur der durch Pfeile vorgeschriebenen Fahrtrichtung nicht gefolgt, ist ein Verwarngeld von 30 oder 35 Euro (bei Gefährdung anderer) möglich. Handelt es sich um ein Überholen bei unklarer Verkehrslage und eine Gefährdung anderer können ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot verhängt werden. Gegebenenfalls könnte auch der Straftatbestand des Paragrafen 315c StGB erfüllt sein: „Wer im Straßenverkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos b) falsch überholt ….. und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet ...“

Damit es nicht zu Verwarnungen, Bußgeldern oder gar Unfällen und Strafprozessen kommt, erinnert Polizeisprecher Sven Schönberg an Paragraf 1, Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

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