Das sind die Konsequenzen bei der Chorakademie nach dem Lied von der Umweltsau

rnKinderlied-Video

Nach der bundesweiten Aufregung über das Lied von der Oma als Umweltsau hat es bei der Dortmunder Chorakademie eine Elternversammlung gegeben. Das Ergebnis wird manche überraschen.

Dortmund

, 16.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wurde heftig diskutiert auf der Elternversammlung, zu der der Vorstand der Dortmunder Chorakademie Eltern des WDR-Kinderchores für den 9. Januar eingeladen hatte. Es ging darum, die Aufregung um das Satire-Lied von der Oma als Umweltsau aufzuarbeiten.

Bei dem Gespräch, so der Vorstandsvorsitzende der Chorakademie, Dr. Jan Boecker, seien auch der WDR2-Programmchef Jochen Rausch und der verantwortliche WDR-Redakteur anwesend gewesen.

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Trotz unterschiedlicher Meinungen zu dem Lied – der WDR hatte dafür den Text des Spottliedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ umgedichtet – „stehen Vorstand, Eltern und Kinder komplett hinter unserem Chorleiter“, stellt Boecker klar. Zeljo Davutovic sei sogar Bedrohungen ausgesetzt gewesen. Selbst einige Kinder fühlten sich angegriffen.

Es gab einen „Testballon“

Dabei waren die Eltern der Kinder des WDR-Kinderchors zwei Wochen vor der Aufnahme über das Lied informiert worden. Es gab einen „Testballon“, eine Aufnahme mit einer einzelnen Kinderstimme, die den Eltern vorgeführt wurde. „Sie konnten dann entscheiden, ob ihre Kinder bei dem Lied mitsingen“, sagte Boecker.

Von 70 befragten Familien hätten sich drei gegen die Satire-Produktion entschieden, berichtete Lars Kersting, Geschäftsführer der Chorakademie, auf Anfrage. Weil der Tag der Aufnahme kein regulärer Chorprobentag gewesen sei und wegen parallel laufender Weihnachtsfeiern hätten am Ende nur 35 Kinder teilgenommen.

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Personelle Konsequenzen werde es nicht geben, betonte Chorakademie-Vorstand Boecker: „Doch wir wollen vermeiden, dass noch einmal so etwas passiert. Deshalb gibt es den Vorstandsbeschluss, dass solche Auftritte künftig vorher besser kommuniziert werden.“

Man wolle die künstlerische Freiheit nicht einschränken, erläuterte Boecker, doch für mehr Aufmerksamkeit werben, wenn es „in eine brisante Richtung gehen könnte“. Er hoffe, dass die Sache jetzt abschließend besprochen sei, so Boecker.

Rechte Twitter-Accounts

Der WDR hatte das Kinderchor-Video auf Facebook, einen Tag nach den ersten Empörungswellen gelöscht und dafür ebenfalls viel Kritik eingesteckt, vor allem dafür, vorschnell vor rechten Twitter-Accounts eingeknickt zu sein.

Eine Untersuchung des Social-Media-Analysten Luca Hammer hatte im Nachhinein gezeigt, dass sich in erster Linie nicht Großeltern und Eltern über das Kinderlied empört hatten, sondern die rechten Twitter-Accounts. Und das mit System. Daraufhin schlug das Video, das sich im Netz weiter verbreitete, immer höhere Wellen. Kritische Stimmen warfen dem WDR unter anderem die „Instrumentalisierung von Kindern“ vor. Manche Großeltern fühlten sich diffamiert.

Der WDR-Kinderchor ist eine gemeinsame Einrichtung der Chorakademie und des Senders. Die Chorakademie bekommt dafür Geld vom WDR. „Ein ganz gewöhnliches Arrangement“, sagt Chorakademie-Geschäftsführer Lars Kersting.
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