Das sind die Probleme des Signal Iduna Parks

Interaktives BVB-Bild

Die Infrastruktur am Signal Iduna Park spielt Gewalttätern in die Hände - das haben die Vorkommnisse rund um das Spiel des BVB gegen RB Leipzig erneut bewiesen. In einem interaktiven Bild zeigen wir, was die grundsätzlichen Probleme am Stadion sind - und wo sich die Ereignisse rund um die Leipzig-Partie abspielten.

DORTMUND

, 02.05.2017, 03:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das 1974 für damals 54 000 Zuschauer gebaute Stadion fasst heute 81 000 Besucher – doch die Infrastruktur ist nicht mitgewachsen. Der Nahverkehr und das Straßennetz stoßen schnell an Grenzen, wenn zeitgleich große Veranstaltungen in den Westfalenhallen stattfinden. Borussia Dortmund muss Millionen-Beträge für die Sicherheit investieren. Bei Risikospielen plant die Polizei mit Großeinsätzen. Das alles, weil eine Minderheit gewalttätiger Fans maximale Aufmerksamkeit verlangt. 

Klicken Sie auf die einzelnen Punkte, um mehr Informationen zu erhalten. Die gelben Punkte stehen für die grundsätzlichen Probleme, die schwarzen für die Ereignisse des Leipzig-Spiels:

 

 

Warum begünstigt die Infrastruktur rund um Stadion und Westfalenhallen bei Risikospielen die gefürchteten Krawalle?

Für die Polizei ist es nur unter großem Aufwand möglich, gewaltbereite Fans zu trennen. Gewalttäter unter BVB-Fans und auch Gäste-Fans, die auf Randale aus sind, können sich auf der Strobelallee und am Stadionvorplatz begegnen. Dort nutzen 52 000 von 81 360 Stadionbesuchern die Zugänge.

Gibt es Ideen, die das Problem lösen können?

Borussia Dortmund und die Westfalenhallen haben einen Gutachter beauftragt, die Verkehrswege und -probleme zu beschreiben und Vorschläge vorzulegen. Der BVB selbst will verbessern, was in seiner Macht liegt. Es kann sein, dass auch andere Institutionen einen Beitrag leisten müssen. Der Gutachter hat an Tagen, an denen große Messen und BVB-Spiele zeitgleich stattfanden, die Besucherströme aufgezeichnet und will die Daten auswerten. Ergebnisse sollen im Sommer 2017 vorliegen.

Gibt es schon Vorschläge?

Ein Vorschlag der Polizei betrifft den Bahn-Haltepunkt „Signal Iduna Park“ zwischen Bolmke und Stadion. Die Bahn nutzt diese Station nach Spielende nicht für Entlastungszüge von Gästefans, weil diese Züge dort zu lange stehen, bevor sie voll sind und abfahren können – sie blockieren die Regionalbahn-Gleise. Ein Vorschlag: eine Weiche und einen dritten Bahnsteig bauen, auf dem ein wartender Zug den Bahnverkehr nicht behindert. Dafür müsste die Stadttochter „DoPark“ eine Fläche des Parkplatzes C 2 hergeben. „DoPark“-Geschäftsführer Simon Kinz wäre dazu bereit.

Gibt es Pläne dafür?

Nein. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat für einen Ausbau des Haltepunkts keine Pläne. Das könnte sich ändern, wenn Dortmund ein Spielort der Fußball-Europameisterschaft 2024 wird.

Wie kommen Gästefans nach Spielen zu den Zügen?

Über die U-Bahn bis zum Hauptbahnhof. Das ist ein Problem, wenn gewaltbereite Fans dabei sind. Sie begegnen am Hauptbahnhof den Dortmunder Fans – wieder entsteht für die Polizei ein Brennpunkt, auch mit Folgen für normale Reisende. Da der Bahnhof bald eine Großbaustelle ist, gelten dort neue Sicherheits-Kriterien.

Nach den Angriffen auf der Strobelallee und den beleidigenden Bannern auf der Südtribüne: Wie hat die Ultraszene auf Sanktionen reagiert?

„Ich wünsche mir, dass es bei jemandem, der bei der Aktion auf der Strobelallee dabei war, jetzt mal klick im Kopf macht“, sagt dazu Dr. Christian Hockenjos, bei Borussia Dortmund für die Sicherheit zuständig. Einsicht kann er bei den Ultras nicht erkennen, hier und da vielleicht „Betretenheit“. Ein Insider ist erschrocken darüber, dass es in der Szene keine selbstkritische Aufarbeitung der Ereignisse vor dem Spiel gegen Leipzig gibt: „Wir müssten uns grundsätzlich von Gewalt distanzieren. Das ist nicht zu erwarten“, sagte er unserer Redaktion.

Warum haben Polizei und Ordner die beleidigenden Banner nicht aus den Blocks geholt?

„Das ergibt mehr Schaden als Nutzen“, sagt Polizeidirektor Edzard Freyhoff. Auch Borussia Dortmund will mit Ordnern im Block keine unnötigen Risiken eingehen, da Unbeteiligte verletzt werden könnten.

Was ist über Ultras bekannt?

Unisono sagen Polizei, BVB und BVB-Fanabteilung, dass Ultras nicht pauschal als Gewalttäter abgestempelt werden dürfen. In Dortmund gibt es etwa 1000 Ultras. 350 von ihnen stuft die Polizei als gewaltbereit ein, 160 als aktiv gewaltsuchend. Sie nutzen die große Masse, um aus der Anonymität heraus Straftaten begehen zu können, oder begehen in kleinen Gruppen Raubüberfälle und Gewalttaten.

Hat der BVB nach den Ereignissen auf der Strobelallee mit Sanktionen reagiert?

Es gab bereits Stadionverbote. Weitere folgen. Der größten Ultragruppe, „The Unity“, wurden die Schlüssel für das „Büdchen“ (ein Treffpunkt an der Südtribüne) abgenommen. Auch der freie Zugang zu Fahnenräumen ist Ultras nicht mehr möglich. BVB-Fanbetreuer organisieren diese Räume jetzt.

Schon oft stand der BVB-Ordnungsdienst in der Kritik. Worin besteht die Herausforderung?

Der Flughafen Düsseldorf kontrolliert in 24 Stunden über 60 000 Passagiere – die BVB-Ordner müssen innerhalb von drei Stunden über 81 000 Stadionbesucher checken. Vor allem Gästefans sind beim Einschmuggeln von Pyrotechnik sehr kreativ – sie verstecken Böller oder Bauteile dort, wo kein Ordner hingreifen will.

Welche Folgen hat der Anschlag auf die Mannschaft am Hotel l‘Arivée für die Zukunft:

Sicherheitsthemen haben bei Borussia Dortmund an vielen Spieltagen wegen gewaltbereiter Fans ohnehin eine hohe Priorität – der Anschlag vom 11. April 2017 stellt allerdings neue Anforderungen. Neben den sportlichen Aufgaben steht die Sicherheit für Mannschaft, Beschäftigte und Fans jetzt an erster Stelle. Enorm wichtig ist die Tatsache, dass der Tatverdächtige, der die drei Bomben gebaut und gezündet haben soll, von der Polizei gefasst worden und kein Unbekannter mehr ist. Damit ist die Gefahr, dass er seine hinterhältige Tat wiederholt, gebannt. Borussia Dortmund lässt sich aktuell von Spezialisten beraten, um alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können.

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