Das tut sich in Dortmunds Gastro-Szene

Überblick

Neueröffnung, Pächterwechsel, Schließung, Leerstand, und der womöglich schon seit Jahren – die Zeiten für Gastronomen waren schon mal ruhiger. Wir blicken auf die aktuelle Entwicklung in Dortmunds Gastro-Szene.

DORTMUND

, 08.10.2016, 01:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das tut sich in Dortmunds Gastro-Szene

Das Restaurant Yelken am Phoenix-See ist seit Januar geschlossen.

Auch für Claudia Olympia Schützenauer waren die Zeit schon ruhiger. Die Dortmunderin betreibt mit der Internetplattform cityrestaurants.de den wohl größten Überblick über die Gastro-Landschaft vor Ort und im gesamten Ruhrgebiet. Sie sagt: "Ich komme mit den Ein- und Austragungen nicht mehr nach."

Aktuell listet sie 1086 Betriebe (Stand Freitagnachmittag) für Dortmund auf, von Imbissbuden über Cafés, Kneipen, Bistros und Restaurants bis zu Diskotheken und Pubs. An die 50 Betriebe sind geschlossen, die meisten davon, fast 30, in den Vororten der Stadt. Doch diese Zahlen wechseln beinahe täglich. Schon vor einem Jahr hatte eine Bestandsaufnahme des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ergeben, dass bei jedem dritten Lokal der Betreiber innerhalb nur eines Jahres wechselt.

"Neue (Ess-)-Klasse" in Hörde brummt

„Bevor das ‚Vivo Tapas‘ an der Gutenbergstraße öffnete, versuchten sich dort acht Pächter in den letzten zehn Jahren“, sagt Claudia Schützenauer. Und das Restaurant „Zum Treppchen“ in Hörde brummt nach mehreren Pächterwechseln erst, seitdem die „Neue (Ess-)-Klasse“ dort im Oktober 2014 einzog.

Der alte Standort der Neuen (Ess)-Klasse in Hombruch war dafür lange geschlossen, wurde aber jetzt neu eröffnet und heißt nun „Beasty Burger“. Es gibt jahrelange Leerstände wie das „Haus Waldesruh“ in der Bittermark oder das „Haus Suberg“ in Asseln, und sogar etliche an prominenter Stelle. Das „Yelken“ direkt am Hafen des Phoenix-Sees ist seit Januar geschlossen.

Trotz Seelage gab dort bereits der dritte Gastronom innerhalb von dreieinhalb Jahren auf. An der Kleppingstraße 22, dort wo früher die bekannte Dortmunder Gastronomen-Familie Gargiulo („Il Golfo Cantinetta“) mit dem „Incontro“ ein zweites Restaurant betrieb, gaben sich die Wirte die Klinke in die Hand, zuletzt Ende 2015 der Grieche Joannis Sawapetrakis. Sein Konzept, mit dem „Parfait“ im vorderen Bereich der riesigen Räumlichkeiten Konditorei und Café zu führen und hinten ein griechisches Restaurant, scheiterte nach wenigen Monaten. In der Thier-Galerie gibt‘s noch immer keinen Nachfolger für den „Hühner-Guru“ am Hohen Wall, und die Eröffnung der Asia-Kette GinYuu neben Azad am Hansaplatz lässt weiter auf sich warten.

Traditionsbetriebe machen dicht

Schützenauer stellt vermehrt fest, dass es bei vielen Traditionsbetrieben, alt eingesessenen Restaurants vor allem in den Vororten, immer schwieriger wird, einen Nachfolger zu finden. Oft wollten die eigenen Kinder den elterlichen Betrieb nicht übernehmen. In einigen Fällen gelang der Verkauf der Häuser und die Umwidmung in Wohnraum.

Von einem „Konsolidierungsprozess in der Gastronomie“ spricht Thorsten Hellwig, Pressesprecher der Dehoga Nordrhein-Westfalen. Auch er kennt die Schwierigkeit der Nachfolge, zudem sei der Wettbewerb sehr intensiv geworden. „Selbst in Supermärkten und Bäckereien haben sie heute ganz andere Angebote“, so Hellwig. Immerhin habe man in der Gastronomie seit zwei Jahren keine rückläufigen Umsätze mehr. Über Jahre hinweg aber habe man diese verkraften müssen, zuletzt bei Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes.

Gerko Hegerfeld von der Dehoga Westfalen, bei der 240 Dortmunder Gastro-Betriebe Mitglied sind, verweist auf die Beratungs- und Seminarangebote des Verbandes. Diese sollten von Neugastronomen unbedingt genutzt werden, um nicht ins Straucheln zu geraten mit dem Betrieb.

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