Das Verkehrs-Chaos in Mengede und die Ohnmacht der Politiker

rnLärm und Feinstaub

Ganz Mengede fürchtet den Verkehrsinfarkt. Die Zunahme von Verkehr, Lärm und Feinstaub zeigt aber vor allem eines: die Ohnmacht der Politik. Was passiert, wenn die B1 für LKW gesperrt wird?

Mengede

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Beispiel Lkw-Durchfahrtverbot auf der B1

Weil die Stadt gehalten ist, die Stickoxid-Belastung herunterzufahren, will man die LKW, die über die B1 nur die Stadt durchqueren, möglichst aus dem Zentrum raushalten. Der Umweltausschuss hatte schon in seiner März-Sitzung seine Zustimmung gegeben. Der Beschluss löst im Nordwesten Besorgnis aus.

Wo sollen die Lkw hin?

Denn wo sollen die verdrängten Lkw hin? Für die örtlichen Politiker ist der Fall klar: Sie werden in großer Zahl auf die Autobahnen ausweichen und dort die Verkehrsprobleme verschärfen. Und auch im Ortskern Mengede.

Das sieht die Verwaltung ganz anders: „Mit dem Lkw-Fahrverbot (Anm. der Red.; auf der B1) wird erwartet, dass im Mittel über alle Tage des Jahres rund 1000 Lkw auf den Autobahnring verlagert werden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Eine Zahl, die Fragen aufwirft. Denn die ständigen Verkehrszählungsstationen des Landes NRW vermelden für jedes Jahr steigende Verkehrszahlen, für 2018 wurde auf der B1 im Stadtgebiet Dortmund eine Zunahme von 2,9 Prozent auf 94.609 Fahrzeuge pro Tag vermerkt.

Bis zu 10.000 Lkw fahren pro Tag auf der B1

Geht man davon aus, dass davon jedes Zehnte ein Schwerlastfahrzeug ist, durchqueren fast 10.000 Lkw pro Tag auf der B1 das Stadtgebiet. Wenn die Rechnung der Verwaltung stimmt, dann wäre davon nur jeder Zehnte im Durchfahrtsverkehr und müsste über die Autobahnen abgeleitet werden.

Und davon würden, so die Verwaltung nur 30 Prozent, also 300 LKW pro Tag, auf den Autobahnen rund um Mengede landen.

Rechnet die Stadt. Aber haben von rund 10.000 Lkw tatsächlich 9000 das Ziel Innenstadt Dortmund? Und kann dann eine Sperrung der Durchfahrt wirklich die Luftqualität hier deutlich verbessern?

Das glauben die Mengeder Politiker nicht. Und die Statistiken scheinen ihnen Recht zu geben.

Verkehrszählung liefert dramatische Zahlen

Die Verkehrszählung des Landes und des Bundes hat 2015 ergeben, dass auf der A2 zwischen Autobahnkreuz West und Autobahnkreuz Nordwest im Schnitt 90.358 Fahrzeuge pro Tag (24 Stunden) fahren, 15.804 davon seien Schwerverkehrsfahrzeuge, sprich Lastwagen, Lastzüge und Busse. Zwischen dem Autobahnkreuz Nordwest und dem Kreuz Castrop-Rauxel (mit der A42) wurden täglich im Schnitt 54.945 Fahrzeuge, davon 6036 Lastwagen oder Busse gezählt.

Und seitdem ist der Verkehr weiter angestiegen, für 2018 allein zum Beispiel auf der B1 um mehr als zwei Prozent.

Insgesamt scheinen also die Wünsche der Verwaltung und die Realität weit auseinander zu liegen.

Eine Realität, die der Bezirksvertreter Joachim Farnung (CDU) täglich vor seiner Haustür beobachten kann. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung berichtete er, dass er in einer Stunde am Vormittag insgesamt 1000 Lkw gezählt habe, die die A2 vor seinem Fenster in beiden Richtungen befuhren.

Was bleibt der Politik?

Die Vorort-Politiker tun, was ihnen bleibt: Sie stellen immer wieder Anträge an die Verwaltung, mit der sie Verkehrsberuhigungen, Durchfahrtsverbote oder Geschwindigkeitsbegrenzungen fordern. 26 allein in den letzten sechs Monaten, mit mäßigem Erfolg. An der generell hohen und zunehmenden Verkehrsbelastung auf Autobahnen und Straßen ändert das nichts. Und ein LKW-Durchfahrtverbot bringt entweder für die Luftreinheit nichts - wenn die Zahlen der Verwaltung stimmen - oder es bringt die Autobahnen vor Mengede dem Infarkt noch näher.

Und damit auch den Infarkt im Ortskern Mengede. Denn wer auf der Autobahn gar nicht mehr weiterkommt, der umgeht den Stau und umfährt zum Beispiel über Königshalt, Burgring und Waltroper Straße das Kreuz Dortmund-Nordwest. Angesichts der rollenden Blechlawinen von großen und kleinen Fahrzeugen ist die Politik praktisch ohnmächtig.

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