Das Vorstellungsgespräch und seine Fallstricke - worauf es wirklich ankommt

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Wer es bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bis zum Eignungstest und zum Vorstellungsgespräch geschafft hat, hat schon wichtige Hürden genommen. Aber auch danach gibt es Fallstricke.

Dortmund

, 30.08.2018, 04:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was kann man beim Einstellungstest oder beim Bewerbungsgespräch für einen Ausbildungsplatz falsch machen, und wie macht man es richtig? Das haben wir Thomas Stiller gefragt, Teamleiter Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit in Dortmund.

Herr Stiller, was ist der größte Fehler, den man beim Vorstellungsgespräch machen kann?

Nicht pünktlich zu sein oder erst gar nicht zu kommen.

Wie, erst gar nicht zu kommen? Heißt das, dass einige den Ausbildungsplatz gar nicht antreten wollen?

Das ist das, was uns die Arbeitgeber rückspiegeln, dass manche Bewerber zu spät oder gar nicht kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manche kommen erst gar nicht, weil sie sich nicht trauen.

Was kommt zuerst? Der Eignungstest oder das Einstellungsgespräch?

Das ist unterschiedlich, aber in der Regel kommt erst der Eignungstest.

Kann man sich überhaupt darauf vorbereiten?

Ja, und man sollte es auch, um nicht überrascht zu werden. Es gibt typische Aufgabenstellungen, die immer wieder vorkommen.

Was sind das zum Beispiel für Aufgaben?

Da geht es etwa um mathematisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Sprachverständnis, Konzentrationsübungen oder bei technischen Berufen auch Farbsehen. Elektriker zum Beispiel müssen den Rot-Grün-Test machen, damit sie später das richtige Kabel finden. So ein Test findet auch immer unter Zeitdruck statt. Der ist meist so hoch, dass man die Aufgaben gar nicht alle schaffen kann. Dann geht es darum, Ruhe zu bewahren und sorgfältig zu arbeiten. Das ist leichter, wenn man die Systematik kennt.

Wie kommt man im Vorfeld an solche Aufgaben?

Typische Testverfahren stehen im Internet. Es gibt auch von uns Broschüren. Unsere Broschüre zur Vorbereitung auf Einstellungstests „Orientierungshilfe zu Auswahltests – Training, Tipps und Taktik“ findet man als PDF im Netz.

Wenn man es bis ins Vorstellungsgespräch schafft, worauf kommt es dann an?

Man sollte sich im Vorfeld über das Unternehmen informieren und über den Beruf Bescheid wissen, in dem man eine Ausbildung beginnen möchte. Außerdem sollte man wissen, ob es noch andere Berufe bei diesem Arbeitgeber gibt; denn Arbeitgeber wissen schon ganz gern, warum sich der Bewerber gerade für diesen Beruf interessiert, ob er weiß, auf was er sich einlässt oder ob er nur zufällig eine Bewerbung abgibt. Für den Arbeitgeber ist das eine Möglichkeit, die Motivation und berufliche Eignung abzuklopfen.

Wie sollte man sich für ein Vorstellungsgespräch kleiden?

Man sollte dem Beruf angemessen erscheinen. Beim Maler oder Bäcker muss man nicht im Anzug kommen, da reichen in der Regel Jeans und Polo-Shirt, doch bei Banken und Versicherungen ist der Anzug Arbeitskleidung. Da sind Sakko und Hemd gefragt, unter Umständen auch eine Krawatte.

Wäre es nicht klug, vorher mal in der betreffenden Bank vorbeizuschauen und zu gucken, was die Angestellten dort tragen?

Ja, man kann aber auch einmal auf die Internetseite der Bank oder Versicherung gehen, dort gibt es häufig Fotos der Mitarbeiter. Wer sich bei einem Bekleidungsgeschäft bewirbt, sollte sich mit der Zielgruppe des Geschäfts befassen. Man sollte weder underdressed noch overdressed sein, auf keinen Fall sollte man sich verkleiden. Diese Dinge werden aber auch schon oft in der Schule besprochen oder wir besprechen es mit den Bewerbern.

Sie helfen auch bei der Bewerbung?

Ja, bei allen individuellen Fragen helfen wir auch in einem persönlichen Gespräch weiter, zu vereinbaren unter Telefon: 0800 4 55 55 00 oder im Internet über die Seite www.arbeitsagentur.de/beratungswunsch. Die erste Hürde ist die Bewerbung an sich. Wenn sich jemand für die Bewerbung Mühe gibt und sich mit dem Betrieb beschäftigt, sind schon viele Dinge da, die er für das weitere Verfahren braucht. Außerdem geben viele, vor allem große Unternehmen schon zuvor bekannt, wie das Verfahren weitergeht. Bei großen Unternehmen steht der Ablauf auch im Internet. Bei der Stadtverwaltung zum Beispiel gibt es erst einen Test im Internet, dann ein Präsenztest und schließlich das Vorstellungsgespräch. Selbst bei den öffentlichen Arbeitgebern gibt es Unterschiede. Beim Finanzamt führt man nur ein Vorstellungsgespräch.

Haben Sie auch einen persönlichen Tipp an Ausbildungsplatz-Bewerber?

Natürlich ist man aufgeregt. Aber das ist ganz normal. Man muss für sich selbst Strategien finden, wie man damit umgeht. Dass man aufgeregt ist, zeigt nur, wie wichtig einem die Sache ist. Das weiß das Gegenüber auch. Wenn ich die Einladung zum Vorgespräch habe, habe ich schon viele hinter mir gelassen. Der Mensch, der mir gegenübersitzt, ist mir wohlwollend gesinnt. Man sollte sich auch vorher angucken, wo das Unternehmen ist. Wenn man schon Stress auf der Hinfahrt hat, komme ich schon mit einem hohen Stresslevel beim Unternehmen an. Und immer locker, ehrlich und authentisch bleiben. Die Arbeitgeber wollen keine Schauspieler.

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