Dave Davis im Spiegelzelt – Jeden Tag etwas Beklopptes tun, bringt mehr Lebensfreude

rnFestival Ruhrhochdeutsch

Die Besucher des Festivals Ruhrhochdeutsch erlebten Dave Davis am Samstag im Spiegelzelt in Plauderlaune – die hielt fast drei Stunden an. Und der Comedian hatte eine Botschaft.

von Britta Helmbold

Dortmund

, 04.08.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen des BVB-Spiels begann Dave Davis´ fünftes Soloprogramm „Genial verrückt! Nichts reimt sich auf Mensch“ mit rund 20 Minuten Verspätung. Und vermutlich war das Fußballspiel gegen die Bayern auch der Grund dafür, dass das Spiegelzelt am Rheinlanddamm an diesem Abend nicht ausverkauft war.

Das Publikum jedoch amüsierte sich prächtig, denn Davis zündete ein wahres Pointenfeuerwerk ab. Er plädiert dafür, sich selbst zu lieben und seine Mitmenschen. Er fordert mehr Lebensfreude und jeden Tag etwas Beklopptes zu tun. Um diese Botschaft hatte er sein neues Programm gebaut – kloppt dazu Sprüche in Endlosschleife und erzählt tolle Anekdoten.

Gekonntes Spiel mit Klischees

Natürlich spielt er auch mit Klischees und setzt sein Schwarzsein für Lacher ein. Die Mitmenschen würden ihn daran erinnern, dass er schwarz sei. Als gebürtiger Kölner, seine Eltern stammen aus Uganda, sei er immer irritiert, wenn er gefragt würde, ob er deutsch spreche. Natürlich – und neben Kölsch auch diverse Dialekte, wie er in einigen Nummern gekonnt vorführt.

Zum Beispiel, wenn er einen Pegida-Anhänger imitiert. Doch über Rechte will er eigentlich nicht sprechen, schließlich stehe AfD für „Afrikaner für Deutschland“. Er verdammt die Bild-Zeitung, die Vorurteile schüre. In Leipzig angekommen, sah er eine Horde Weißer, die drei Schwarze jagte. „War nur ein Marathon.“

Mehr Spaß in der Gesellschaft

Tipps zu Beziehungen hat er ebenso parat wie zur Aussprache. Einem Freund empfahl er nicht Fernsehen, sondern Musik zu hören. Der wählte Grönemeyer, den Davis köstlich parodiert. Der „dichte Denker“ Udo Lindenberg ist ihm lieber, und so gibt´s eine weitere Imitations-Kostprobe.

Der versierte Plauderer kommt von Hölzchen auf Stöckchen, erzählt vom Diäten-Wahn (KDD - Kack das Doppelte anstatt FdH - Friss die Hälfte) und Tattoo-Trend (gekonnt Motive auswählen, damit aus dem Stern im Alter keine Sternschnuppe wird). Dabei verliert Davis schon mal die „Liane“ und kommt doch immer wieder auf sein Thema, mehr Lebensfreude, mehr Spaß in der Gesellschaft, zurück.

Hübsch verpackte Kolonialismus-Kritik

Mit Sado-Maso kann er allerdings nichts anfangen. Den Bestseller „50 Shades of Grey“ beschreibt es als Buch über häusliche Gewalt mit Happy End. Nun werde man beim Nach Hausebringen einer Frau gefragt: „Magst Du auf eine Ohrfeige mit hochkommen?“

Er frage sich, ob das noch eine Schlägerei oder schon Sex sei. Da der weiße Mann sich nun peitschen lasse, sei der Kolonialismus nur ein Missverständnis gewesen, meint sein Opa: „Die waren einfach nur geil.“ Davis weiß Kritik, gekonnt zu verpacken – und dafür erntete er reichlich Applaus.

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