FDP-Bundestagskandidat

Dax-Konzern und Hartz IV – Frieder C. Löhrer ist ein Kandidat der Extreme

Der Dortmunder FDP-Bundestagskandidat Frieder C. Löhrer kennt Höhen und Tiefen, wandert zwischen den Welten und ist dabei in den letzten zweieinhalb Jahren fast 6000 Kilometer gelaufen.

Frieder C. Löhrer ist ein Wanderer zwischen den Welten: Maschinenbauer, Musiker, Manager – und ein Mann zwischen Extremen: Gründer, Gewinner und Verlierer. „Ich habe Höhen und Tiefen erlebt“, sagt der 65-Jährige. Der Dortmunder FDP-Bundestagskandidat kennt die Arbeit auf der Teppich-Etage eines Dax-Konzerns und das Elend von Hartz IV.

„Ich glaube, das ist auch gut“, sagt er über diese existenziellen Erfahrungen. „Wenn du immer nur oben oder immer nur unten bist, hast du nur eine Perspektive auf die Welt.“ Doch um gute Politik zu machen, brauche es mehr.

Nicht die gebrochene Biografie, aber den Knick im Lebenslauf hat er hinter sich gelassen, hat sich von Depressionen, Trübsal und Schmerz buchstäblich freigelaufen. Fast 6000 Kilometer in den vergangenen zweieinhalb Jahren, 2200 allein in diesem Jahr.

Auf dem Weg nach Jerusalem

Nach seinem Tiefpunkt und 14 Wochen Klinik-Aufenthalt startete er am 27. Dezember 2018 mit einer Wanderung von Lünen nach Dortmund. Zum Herantasten. Inzwischen ist er – immer in 14-tägigen Etappen – auf dem Weg von Aachen nach Jerusalem. Eine Langstrecken-Wanderung mit Unterbrechungen.

Bis Ephesos, der antiken Stadt an der türkischen Ägäisküste, ist er schon gekommen. Zwei Paar Wanderschuhe hat er abgelaufen und wieder besohlen lassen. Rund 100 Etappen von je 35 Kilometern, darunter viele Höhenkilometer, hat er noch vor sich.

„Ich habe Interesse für verschiedene Kulturen und verschiedene Menschen“, sagt er, „das Eintauchen in diese Welten ist ein Segen für mich.“ Das Aufbrechen in die Fremde sieht er als besten Weg zum Abbau von Vorurteilen und im Sinne von Integration.

„Durch eigene Fehler, Betrug und Rufmord bin ich tief gefallen“

Früher ist er mit seinem Großvater gewandert. Doch erst sein psychischer Zusammenbruch hat ihn wieder zum Wandern gebracht. Gesund für Körper und Seele. „Durch eigene Fehler, Betrug und Rufmord bin ich tief gefallen.“ Heute ist er selbstständiger Sanierungsberater – und läuft drei- bis viermal in der Woche zehn Kilometer im Rombergpark, erzählt er genau dort an einem Picknick-Tisch.

Vor jeder Wanderung sucht er sich einen Begriff, über den er dann Kilometer für Kilometer sinniert. „Die Begriffe fallen mir morgens ein, und über die denke ich nach.“ Brot, Glocke, Vergebung, Griechen sind solche Begriffe. Er kaut und verdaut, was ihm durch den Kopf geht. „Das arbeitet“.

Frieder Cornelius Löhrer ist ein unsteter Geist, ein Umherziehender. Seine beruflichen Stationen als Manager im In- und Ausland haben ihn durch verschiedene Branchen geführt: Brillen, Möbel, Fernseher. Was hat den gebürtigen Aachener nach Dortmund verschlagen?

Die Liebe lockte ihn nach Dortmund

„Die Liebe“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Sie lockte den Frischvermählten schon vor zehn Jahren in die Westfalenmetropole. Ihn verbindet noch eine zweite, viel längere Liebe mit Dortmund: der BVB, als dieser 1966 in England im Europapokal-Halbfinale Westham United schlug und im Finale Liverpool. „Mit Siggi Held, Lothar Emmerich und Hans Tilkowski. Da kriege ich heute noch eine Gänsehaut.“

Löhrer wohnt am Körner Hellweg in einer Mietwohnung. Seit sieben Jahren ist er FDP-Mitglied, war, geprägt von der sozialliberalen Koalition, schon lange vorher Sympathisant. „Mir hat damals der Mut imponiert, zu Neuem aufzubrechen. Wir haben immer Angst vor Veränderungen, aber ohne Mut kommen wir nicht weiter“, sagt er und macht sich Sorgen um Deutschland, das die Digitalisierung und die Entwicklungen bei der Künstlichen Intelligenz verschlafen habe.

Nach der Konstante in seinem Leben gefragt, sagt Löhrer, das sei „den Mut zu finden, immer wieder aufzubrechen, sich nicht zu setteln“. Dafür hält es ihn schon lange in Dortmund. Nur in seiner Geburtsstadt Aachen hat er länger gelebt. Über Dortmund, wo er für den östlichen Wahlkreis (143) kandidiert, sagt er: „Die Stadt ist klasse. Sie hat viel mehr zu bieten, als viele Dortmunder glauben.“

Enkelkind ein Schlaflied komponiert

Löhrer ist ein Familienmensch. Er hat vier Kinder, einen Sohn (40 Jahre) und drei Töchter (34, 32, 29). In der Pandemie hat er als Großvater geholfen und den einjährigen Enkel betreut. Zu seiner Geburt hat er ihm ein Schlaflied komponiert.

Musik ist neben dem Wandern eine weitere Leidenschaft von ihm. Er spielt Klavier, Cello, Orgel und Querflöte. Als 17-Jähriger hat er an der Musikhochschule in Köln Komposition studiert. Seine Kompositionen wurden in der Anna-Kirche in Aachen aufgeführt, gemeinsam mit denen von Karlheinz Stockhausen, der als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gilt. Auch sein zweites, erwartetes Enkelkind wird ein Schlaflied bekommen, „im 7/8 Takt“.

„Unbelehrbarer Idealist“

Er sei „ein unbelehrbarer Idealist“, sagt Löhrer von sich. „Ich glaube an das Gute, an die Zukunft, und ich glaube auch, dass es unsere Aufgabe ist, daran zu arbeiten.“ Mit seinen 65 Jahren fühle er sich immer noch jung, jedenfalls zu jung für die Rente – auch wenn er weiß, dass andere in dem Alter nicht mehr arbeiten können.

Mit seiner Fitness, die er sich auch mit dem Wandern erhält, wolle er noch seinen Teil in die Gesellschaft einbringen, erklärt er. Sollte das wider Erwarten mit seiner Direktkandidatur in den Bundestag klappen, „müsste ich beim Wandern umdisponieren.“ Dann hätten die Wanderschuhe erstmal Pause und Jerusalem müsste warten. Doch beim Wandern hat Frieder C. Löhrer etwas gelernt, was er nie hatte: Geduld.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle