Prof. Carsten Watzl

Debatte um Corona-Impfungen: Warum „Langzeitstudien“ immer falsch verstanden werden

Immer wieder gibt es Debatten um „Langzeitstudien“ zu Corona-Impfungen. Der bundesweit bekannte Dortmunder Experte Carsten Watzl erklärt, was das eigentlich ist - und wo Denkfehler liegen.
Der Dortmunder Immunologe Prof. Carsten Watzl hat sich auf Twitter erklärt, warum der Begriff der Langzeitfolgen häufig falsch verwendet wird. © Schaper

Der Begriff „Langzeitfolgen“ taucht in der Debatte um Corona-Impfungen immer wieder auf. Er könnte suggerieren, dass es um Nebenwirkungen geht, die erst nach vielen Monaten oder auch Jahren auftreten. „Aber das ist falsch“, erklärt Prof. Carsten Watzl.

Der bundesweit bekannte Dortmunder Immunologe schreibt bei Twitter: „Die Impfung erzeugt eine Immunreaktion. Diese ist nach wenigen Wochen abgeschlossen. Daher passieren Nebenwirkungen immer recht kurz nach der Impfung“

Die Datenerhebung kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen

Warum liest man dann aber immer von Langzeitstudien, und warum wird immer wieder über „Langzeitfolgen“ debattiert? Was hat es damit auf sich? Und macht eine solche Diskussion Sinn?

Watzl erklärt, dass es nicht etwa um weitere Nebenwirkungen gehe, nach einer längeren Zeit auftreten, wie man vielleicht angesichts der Begriffe womöglich annehmen könnte – sondern dass es schlichtweg mehrere Jahre dauern kann, bis die Nebenwirkungen, die nach einer Impfung beobachtet wurden, „mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden.“

Denn viele Nebenwirkungen seien sehr seltene Ereignisse – und ihre Symptome könnten zudem auch ohne eine Impfung auftreten. Es bedarf also letztlich vieler Personen, die die Impfung durchlaufen haben, um einen Zusammenhang herstellen zu können – und das brauche normalerweise Zeit, so Watzl.

Als Beispiel nennt der Immunologe eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), die bereits mit der Covid-Impfung von Biontech in Verbindung gebracht wird. Würden sich nur eine Millionen Menschen pro Jahr mit dem Wirkstoff impfen lassen, „würde es Jahre brauchen, bis man die Nebenwirkung erkannt hätte“.

Da sich aber in nur kurzer Zeit sehr viele Menschen gegen Corona haben impfen lassen, konnte die Nebenwirkung entdeckt werden und wurde recht schnell mit der Impfung in Zusammenhang gebracht. Sie ist also nun bekannt.

Unterm Strich: Es geht bei Langzeitstudien zur Covid-Impfung also nicht etwa darum, dass zu einem späteren Zeitpunkt noch irgendwelche Nebenwirkungen auftreten könnten. Denn die Immunreaktion ist abgeschlossen – siehe oben. Wenn also von Langzeitstudien die Rede ist, geht es darum, dass Impf-Nebenwirkungen auch als solche erkannt werden.

Die große Zahl der Impflinge weltweit wiederum führt zu einem großen Datensatz an Sypmtomen nach der Impfung, den man unter normalen Umständen gar nicht zur Verfügung hätte. Die hohe Zahl der vorgenommenen Impfungen ermöglicht also jetzt schon, Zusammenhänge zwischen der Impfung und bestimmten Symptomen herzustellen. Dafür würde es unter normalen Umständen eigentlich „Langzeitstudien“ brauchen.