Das Faltblatt „Shoppen in Dortmund“ verspricht Vielfalt entlang der parallel verlaufenden Einkaufsmeilen Westenhellweg und Kampstraße. Aber auf dem „Kamp“ herrscht immer mehr Tristesse.

Dortmund

, 10.08.2018, 12:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kaputtes Pflaster, verriegelte Eingänge, Ausverkäufe, Leerstand, ruhende Baustellen und eine ausrangierte Straßenbahn, die mal ein originelles Café war und jetzt hinter einem Bauzaun vor sich hingammelt. Wäre nicht gerade das große Rondell an der Kreuzung mit der Hansastraße neu bepflanzt worden, man könnte meinen, dieser zentrale Straßenzug durch die Innenstadt sei schlicht komplett vergessen worden.

2018 ist eigentlich das Jahr, in dem die Stadt den „Boulevard Kampstraße“ feiern wollte. Seit 2005 stehen die Pläne für den Boulevard. Umgesetzt wurde bisher nur der westliche Bereich bis zur Petrikirche. Beim mittleren Abschnitt sind die Planungen ins Stocken geraten, aus vielerlei Gründen. Zuletzt lag‘s an der Entscheidung, 2019 den Evangelischen Kirchentag in Dortmund zu organisieren. Bauarbeiten wären da sehr störend.

Kampstraße hat ein „schwieriger werdendes Umfeld“

Auch der Neubau für 430 Studentenwohnungen und etliche Geschäfte an der Stelle des vor kurzem abgerissenen ehemaligen Karstadt-Technik-Hauses wird im nächsten Jahr noch für viel Baustellenverkehr, Lärm und Dreck sorgen. Erst Anfang 2021 soll die Kampstraße dann endlich als „Boulevard“ erstrahlen und wer weiß, welche der jetzigen Anrainer tatsächlich bis dahin durchhalten.

Der Fashion Store Milli‘s gegenüber der Sparkasse hat seit Monaten Ausverkauf. Dortmunds älteste Boutique war gerade 50 Jahre alt geworden, als sich die beiden Inhaberinnen Linda und Marina Kronwald entschlossen, den Standort zu verlassen. Bis Ende des Jahres verkauft Milli‘s noch aus im Erdgeschoss und offeriert neue Herbst- und Wintermode im Untergeschoss.

Einer der Gründe für die Geschäftsaufgabe an der Kampstraße sei das zunehmend „schwieriger werdende Umfeld“, sagt Linda Kronwald. Die beiden machen aber weiter mit hochwertiger Mode. An anderer Stelle in der City. Nur wo, das könnten sie noch nicht sagen.

Westfalen-Forum floppte

Wenige Meter von Milli‘s entfernt liegt die schwierige Immobilie Westfalen-Forum. Als Einkaufszentrum war es von Beginn an ein Flop. Ein neuer Impuls soll nun von der Postbank ausgehen, die dort in wenigen Monaten einziehen will.

Noch steht Security vor der Tür, um ungebetene Gäste aus der weitgehend leer stehenden Einkaufspassage fern zu halten. Besitzer des Westfalen-Forums ist die Intown-Gruppe, der bekanntlich auch das zwangsgeräumte Wohnhaus Hannibal II in Dorstfeld gehört.

Suche nach neuem Standort

Zu den angestammten Anrainern der Kampstraße gehört das Modegeschäft von Drathen. Seit 34 Jahren ist die Filiale im Hause Kampstraße 23 ansässig. Geschäftsführer Dierk Klasen spricht von „Zugpferden“, die schon gegangen sind oder noch gehen. Er meint Boecker und Milli’s, und denkt wehmütig an die Zeit zurück, als das Karstadt-Technikhaus jede Menge Laufkundschaft in die Kampstraße brachte.

Man habe es versäumt, rechtzeitig aus der Kampstraße einen echten Boulevard zu machen. Und an der Hansastraße nebenan sehe die Situation der Geschäfte inzwischen auch nicht besser aus, so Klasen. Von Drathen könne sich noch auf seine vielen Stammkunden verlassen, aber langfristig müsse über einen anderen Standort nachgedacht werden, sagt der Geschäftsführer. Ihm schwebt ein besseres Umfeld vor und nennt die Kleppingstraße als Beispiel dafür.

Warten auf Decathlon

Schräg gegenüber vom Modegeschäft von Drathen verkaufte Boecker bis Februar Damen- und Herrenmode. Der französische Sportartikel-Hersteller Decathlon wollte bis Ende des Jahres auf 3800 Quadratmetern seine dritte Dortmunder Filiale eröffnen. Noch ist von Bautätigkeit nichts zu sehen.

Auf Anfrage dieser Redaktion antwortete das Unternehmen: „Wir planen im Herbst mit dem Umbau zu beginnen.“ Und: „Aktuell steht in Dortmund kein konkretes Eröffnungsdatum fest.“

Geschäfte mit Eingang am Westenhellweg riegeln sich zu Kampstraße ab

Statt einer Öffnung der Geschäfte ist Verriegelung angesagt zur „Einkaufsmeile“ Kampstraße. Bei Esprit ist der zweite Eingang von der Kampstraße aus geschlossen, aber dort sollen defekte Türen der Grund dafür sein. Anders im Modegeschäft Appelrath Cüpper. Der Ein- und Ausgang zur Kampstraße ist seit Jahren dicht.

Eine Mitarbeiterin erzählt, als dies noch nicht der Fall war, hätte man sich dort „nach Kräften eingedeckt“. Mit anderen Worten: Es ist heftig geklaut worden. Abends seien weniger Mitarbeiter vor Ort, die hätten beide Eingänge unmöglich im Auge behalten können, so die Angestellte. Auch sei der zweite Eingang als Durchgang zum Westenhellweg genutzt worden von vielen in der Mittagspause, die Brötchen-kauend und Kaffee-trinkend durch das Geschäft gelaufen seien.

Cityring: „Kampstraße ist eher fertig als der Berliner Flughafen“

Das Faltblatt „Shoppen in Dortmund“ wurde vom Cityring herausgebracht. Cityring-Vorsitzender Dirk Rutenhofer schnauft tief durch, wenn man ihn auf die Kampstraße anspricht. Die Kritikpunkte seien alle richtig, aber man müsse im Leben auch mal die grünen Ampeln zählen und nicht nur die roten. Es passiere ja etwas in der Straße, man müsse sich jetzt nur noch einmal in Geduld fassen.

Rutenhofer verspricht: „Wir sind eher fertig als der Berliner Flughafen.“ Wichtig ist ihm noch die Pflege. Ordnung und Sauberkeit seien stark verbesserungswürdig auf der Kampstraße.

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