Der Lockdown hat den Musiker und DJ „Der Wolf“ erfinderisch gemacht

rnKünstler zu Corona-Zeiten

Anstatt in Clubs aufzulegen gründete er einen Online-Sender, schuf ein Klamottenlabel und plante neue Platten. Dennoch macht sich Jens Albert, alias „Der Wolf“, Sorgen um Clubs und die Musik.

Dortmund

, 11.08.2020, 19:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seine Welt ist die Bühne oder das DJ-Pult auf Partys und in Clubs in ganz Deutschland. Doch seit Mitte März liegt genau dieser Bereich zu 100 Prozent brach und es geht für viele um die Existenz. Für Jens Albert, der als „Der Wolf“ Ende der 90er-Jahre mit Hits wie "Gibt´s doch gar nicht" oder "Oh shit Frau Schmidt" zur Hip-Hop-Legende wurde, dreht sich die Welt seit März anders.

Anfangs stand sie sogar still. „Innerhalb von drei bis vier Tagen prasselten nur Absagen für Auftritte ein“, erinnert er sich. Finanziell ist dies ein Desaster für die gesamte Szene – vor allem für DJs und die Clubs.

„Der Mensch ist halt ein Rudeltier“, sagt der Wolf

Er kennt DJs aus seinem Umfeld, die aufgrund von Corona den Job wechseln mussten. Auch für ihn fielen viele Auftritte weg. Dank der NRW-Soforthilfe und Ersparnissen konnte er einiges auffangen.

Doch es geht auch um das Lebensgefühl. „Der Mensch ist ein halt ein Rudeltier“, schmunzelt der Wolf und verweist damit auf das Gemeinschaftserlebnis bei Partys und Clubveranstaltungen. Glücklicherweise kam beim Wolf nach dem Lockdown nicht allzu lange Langeweile auf.

„Ich habe erst vieles in meiner Wohnung auf- und umgeräumt, die 5000 Platten sortiert und war einige Male bei der Müllkippe. Sachen wegschmeißen kann sehr befreiend sein", sagt Albert und lächelt.

Zwei neue Musikprojekte und der eigene TV-Kanal

Und so hat er aus der Not eine Tugend gemacht. So hat er an zwei neuen Platten weitergearbeitet. Während die erste als Wolf-EP mit eigenen Songs Richtung Rap und Funk geht, wird die zweite Platte mit einem Gastmusiker den Namen „Hasta la musica siempre“ tragen, angelehnt an den Spruch von Ernesto „Che“ Guevara.

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Dort präsentieren sie eigene Interpretationen von Liedern der deutschen Arbeiterbewegung. Beide Platten sollen Ende 2020, Anfang 2021 erscheinen. Eine weitere „Corona-Erfindung“ ist sein eigener Onlinekanal „Wolf TV“ bei Twitch, einer meist als Gamingseite benutzte Streaming-Plattform.

„Dank Twitch gab es bei mir keine Corona-Depression", so Albert. Er habe schon länger mit dem Gedanken eines eigenen Onlinekanals mit Musik und Interviews gespielt und der Lockdown bot dann die Zeit dafür.

Bereits 40 Folgen der eigenen Show im eigen Videokanal

Die Premiere gab es am 20. März und seitdem produzierte er bereits über 40 Folgen. Aktuell läuft Wolf TV wöchentlich und ab Herbst dann mehrmals die Woche – mit einem Hip-Hop-Tag, einem Party- und einem Game-Tag sowie dem Format „Rap am Dienstag“.

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All dies geschieht bei ihm Zuhause im Wohnzimmer. Die ersten Sendungen wurden noch zu zweit aufgenommen und mittlerweile, mit sicherem Abstand, sind teilweise mehrere DJs dabei. Die Gäste, die sich alle an seiner Wand verewigen, freuen sich sehr dabei zu sein, da es ihnen fehlt, vor Publikum aufzulegen. „Für die DJ-Seele tut das sehr gut", so Albert.

Abgerundet wird der Erfindergeist zu Corona-Zeiten durch sein gerade bei Patentamt angemeldetes Klamottenlabel. Mit dem Claim „100% Auto-Tune free“ auf T-Shirts will er ein Zeichen gegen Missstände im Hip-Hop setzen, vor allem gegen die Nutzung des Gesangseffekts Auto-Tune und die sich verändernde Sprache in der Musik.

Modekollektion als Zeichen gegen negative Entwicklungen im Hip-Hop

„Nun meint jeder, mit dem Programm singen zu können und nutzt einen Jargon wie Koks, Nutten, Prada, Speed und Gucci“, erklärt der Wolf. Darunter leide nicht nur die Qualität der Musik, auch ihr Image. So möchte er mit der Kollektion ein Zeichen setzten.

Jens Albert hat kurzerhand sein Wohnzimmer als TV-Studio umfunktioniert und legt dort mit Gästen zusammen auf, die sich an der weißen Wand verewigen. Das T-Shirt zeigt seine Labelmarke.

Jens Albert hat kurzerhand sein Wohnzimmer als TV-Studio umfunktioniert und legt dort mit Gästen zusammen auf, die sich an der weißen Wand verewigen. Das T-Shirt zeigt seine Labelmarke. © Didi Stahlschmidt

Für ihn kommt langsam wieder Bewegung in den Job. Der erste Auftritt kam Mitte Juli Outdoor in der Großmarktschänke, gefolgt von einem zweiten im Juli bei den „Parksessions“ im Westfalenpark sowie einem in Bremen.

Sorgen bereitet ihm gerade mehr die Angst um das Bestehen einiger Clubs in Dortmund. „Man weiß einfach nicht, wann es wieder weiter geht mit Club- und Partyveranstaltungen. Das macht einen unsicher.“

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