Der Mann, der den Walzer zum BVB brachte

Zum Tod von Peter "Erbse" Erdmann

Der Mann hinter dem "BVB-Walzer", einem der bekanntesten Fan-Lieder von Borussia Dortmund, ist tot: Peter "Erbse" Erdmann ist am Dienstag im Alter von 66 Jahren gestorben. Er war in mehrerlei Hinsicht eine der bemerkenswertesten Personen in der BVB-Fanszene und im wahren Sinne des Wortes Teil der BVB-Familie.

DORTMUND

, 23.08.2017, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Moment, der sein Erbe für immer bewahrt, geschieht am 30.12.1976. Auf der Abschlussparty eines Hallenturniers in der Westfalenhalle hat der BVB Roberto Blanco als Unterhaltungs-Akt gebucht. Das geht schief, der Schlager-Star wird böse ausgebuht. „Erbse“ springt spontan ein, spielt auf der Bühne den „BVB-Walzer“ und bringt die Halle zum Kochen.

Der ultimative Feier-Text („Und ham wir die Meisterschale, dann trinken wir noch mehr“) auf die Melodie des Schneewalzers hält sich bis heute auf der Südtribüne. Neben "Heja BVB" ist er der älteste Fangesang, der noch größeren Teilen des Publikums bekannt ist.

In eine "Borussenfamilie" hineingeboren

Erdmann wurde 1951 in eine „Borussenfamilie“ hineingeboren, wie er selbst einmal sagte. Erdmanns Vater Werner und sein Onkel Herbert waren Teil der BVB-Vizemeistermannschaft von 1949. „Erbse“ gehörte zu den ersten Gründern BVB-Fanclub-Gründern, war Vorsänger auf der „Süd“ und setzte sich aktiv für Fan-Belange ein.

Er verließ die Stadt 1987 frustriert. Vorausgegangen waren mehrere Angriffe aus dem Umfeld der rechtsextremen Hooligan-Gruppierung „Borussenfront“. Die Hooligans vertrieben ihn mit brutalen Mitteln aus der Stadt, zerstörten unter anderem mehrfach seine Kneipe "Zum Kügelchen" am Borsigplatz.

2012 griff der Journalist Gregor Schnittker in seinem Buch "Unser ganzes Leben" Erdmanns Geschichte wieder auf. Schnittker machte ihn in seiner neuen Heimat im Taunus ausfindig. "Erbse" kehrte in die BVB-Familie zurück, trat bei verschiedenen Veranstaltungen auf und war mit dem Lied bei fast jedem Spiel zu hören.

"Darüber bin ich sehr froh. Ich glaube, mit seiner Beziehung zu Dortmund war er im Reinen", sagt BVB-Archivar Gerd Kolbe, der bei der Erfindung des "BVB-Walzers" 1977 Pressesprecher war.

Glückliche Tage in Berlin

Diesen Eindruck bestätigt Jörg Kallweit, langjähriger Wegbegleiter und Freund von Peter "Erbse" Erdmann. Zum Pokalfinale im Mai verbrachten sie fünf Tage in Berlin. Einen "glücklichen Erbse, einen lachenden Erbse", habe er dort gesehen, erzählt Jörg Kallweit. "Er hat das genossen, einen solchen Erfolg mitzuerleben." In der "Schwarzgelben Nacht" nach dem Sieg küsste er noch den DFB-Pokal. 

Am Dienstag ist Peter "Erbse" Erdmann in Thailand gestorben, wo er seit einigen Jahren lebte. Jörg Kallweit tröstet ein Gedanke: "Er sitzt jetzt mit Aki Schmidt im Himmel und sie spielen den BVB-Walzer und Rubbeldikatz."

Kallweit findet, "Erbse" hätte am Samstag beim Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin eine Schweigeminute und Trauerflor verdient. Auf jeden Fall dürfte er einen BVB-Walzer bekommen, wie ihn die Welt noch nicht gehört hat.

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