Der Rheinische Esel soll asphaltiert werden – das sorgt bei Bürgern für Streit

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Gepflegter Naturwanderweg oder Radrennstrecke? Was eine Asphaltierung für den „Rheinischen Esel“ bedeutet, sehen nicht nur Bürger unterschiedlich. Selbst die Behörden sind sich nicht einig.

Hombruch

, 07.11.2018, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Diskussionen über den Rheinischen Esel haben einen gewissen Unterhaltungswert. Das fängt schon beim Namen für den Wander- und Radweg Richtung Witten an und hört bei der Frage nach Versiegelung und Versickerung auf. Witzig finden das aber vor allem die Gegner der geplanten Asphaltdecke in keiner Weise. Und von ihnen gibt es viele.

1500 Bürger haben eine Online-Petition gegen das Projekt unterschrieben. Viele fragen sich, was Asphalt auf einem Waldweg zu suchen hat und warum für ein solches Projekt rund 400.000 Euro ausgegeben werden sollen.

Ob die Gegner allerdings die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, konnten die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) Hombruch am 6. November nicht klären. Sie stimmten am Ende für die Asphaltierung ab. Der Umweltausschuss entschied sich einen Tag später dagegen. Jetzt liegt der Ball beim Rat der Stadt.

Bürgerinitiative macht mobil

In der BV ging es teilweise heftig zur Sache. Bereits in der Einwohnerfragestunde hatten sich Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet den Schnee und den Löttringhauser Wald“ vehement gegen das Projekt ausgesprochen. „Wir fragen uns wofür. Soll das ein Radrennweg werden?“, sagte Frank Bergmann und sprach viele strittige Punkte an, wie die Breite des neuen Weges, Ausgleichsmaßnahmen, Amphibienwanderung, Kosten und Instandhaltung.

Michael Twardon (SPD) meint, die Unterschiede seien letztlich gar nicht so groß. Die Breite bleibe, das Regenwasser versickere derzeit auf der ehemaligen Bahntrasse genauso wenig wie auf Asphalt und die Kosten für die Erstellung würden durch die wesentlich geringeren Unterhaltskosten ausgeglichen.

„Der einzige Unterschied ist: Asphalt ist dunkel und heizt sich im Sommer mehr auf, das ist für manche Lebewesen schwierig.“ Dagegen würden dem Asphalt aber hellere Bestandteile beigemischt. Der Weg würde sicherer und sauberer - ohne Matsch und Pfützen. „Wenn man das Bauchgefühl außen vor lässt, dann hat die Asphaltierung nur Vorteile.“

Auch die Grünen stimmten der Empfehlung zu: „Wir sind nicht grundsätzlich dafür, Radwege zu asphaltieren“, sagte Susanne Lohse. Im Falle einer ehemaligen Bahntrasse aber stimme die Fraktion zu, „wenn die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im naturräumlichen Zusammenhang geschaffen würden“ - also nicht irgendwo anders im Stadtgebiet.

Befreiung vom Landschaftsplan ist umstritten

Vorteile durch die Asphaltdecke für den Ende der 80er Jahre errichteten Weg kann unter anderem Ratsmitglied Detlef Münch (Freie Bürger Initiative) allerdings nicht erkennen. „Erstaunlich, welche hanebüchene Argumente hier genannt werden.“ Der Weg würde nicht sicherer, sondern bei Nässe für Radfahrer gefährlicher, das Landschaftserlebnis mit Gehen auf natürlichem Untergrund fände nicht mehr statt und der wärmespeichernde Asphalt locke Amphibien, die dann totgefahren würden. Überhaupt sehe er keinen Grund für die Befreiung vom geltenden Landschaftsplan.

Eine solche Ausnahmegenehmigung ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz im Falle eines „überwiegenden öffentlichen Interesses“ möglich, wobei die Abweichung mit dem Belangen von Naturschutz und Landschaftspflege vereinbar sein müssen. Vor einer solchen Entscheidung muss der Landschaftsbeirat beteiligt werden.

Die Untere Naturschutzbehörde hatte ihre Zustimmung erteilt, weil sie „keine Verschlechterung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes“ sieht. Die Mitglieder der Bürgerinitiative und andere Umweltschützer sehen das aber komplett anders. Auch der Beirat der Naturschutzbehörde hatte sich gegen die Entscheidung ausgesprochen, „wegen der Zerschneidungswirkung durch die Asphaltierung in einem ökologisch wertvollen Raum“.

Deshalb muss jetzt der Rat der Stadt entscheiden, er tagt am 15. November. Hält der Rat das Veto des Beirats für berechtigt, muss die untere Naturschutzbehörde die Befreiung versagen. Wird der Widerspruch nicht für berechtigt gehalten, muss sich die Obere Landschaftsbehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg mit dem Thema beschäftigen. Dort muss dann innerhalb von sechs Wochen eine Entscheidung getroffen werden, so Sprecher Christoph Söbbeler.

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