Polizeipräsident Gregor Lange (v.l.), NRW-Innenminister Herbert Reul und Oberbürgermeister Thomas Westphal haben sich an der Ruhrallee getroffen, um im Schneetreiben mit Polizisten und Mitarbeitern des Ordnungsamtes über die Verkehrssituation zu sprechen. © Kevin Kindel
Raser, Poser und Tuner

Der Wall in Dortmund beschäftigt jetzt auch das Innenministerium

Im dichten Schneetreiben hat NRW-Innenminister Herbert Reul am Samstagabend den Verkehr in Dortmund begutachtet. Der Wall wurde erneut gesperrt, der Oberbürgermeister kündigte weitere Maßnahmen an.

Prominenter Besuch hat sich in der Nacht zu Sonntag ein Bild von der Verkehrssituation am Dortmunder Wall gemacht: NRW-Innenminister und damit Landes-Polizei-Chef Herbert Reul hat die Einsatzkräfte in der südlichen Innenstadt besucht.

Zusammen mit Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange und Oberbürgermeister Thomas Westphal hat Reul das Gespräch mit den Mitarbeitern an den Straßen gesucht. Die Kreuzung des Südwalls in Sichtweite des Adlerturms war gesperrt, der Verkehr wurde auf die Ruhrallee umgeleitet, wo viele Fahrer einzeln befragt wurden. Hunderte junge Autofahrer bringen Anwohner dort regelmäßig um den Schlaf.

„Die wollen sich nur etwas zu essen holen“, hat ein Beamter dem Innenminister scherzhaft erzählt. Dies sei die häufigste Ausrede, mit der die jungen Fahrer begründen wollen, warum sie zu später Stunde in der Innenstadt unterwegs sind.

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Wall-Großkontrolle im Schneetreiben

Kontinuität und Konsequenz seien wichtig, um der Szene Einhalt zu gebieten, so Reul. Ihm sei jetzt bewusst, wie groß die Belastung für die Anwohner ist. Am Abend habe er auch gelernt, wie viele verschiedene Gruppen unter den Fahrern sind, die hier häufig ohne festes Ziel ihre Runden drehen: „Es findet hier auch statt, dass Leute als Figuren verkleidet rumlaufen und eine Eventkultur hier aufbauen.“

Reul sieht eine besondere Situation in Dortmund

In Videos war zuletzt jemand zu sehen, der sich mit einer Affenmaske aus dem Fenster des fahrenden Autos lehnte. An diesem Wochenende war eine Person in einem Ganzkörper-Dinosaurier-Kostüm am Wall unterwegs und ließ sich filmen.

Die Situation mit einer Mischung aus Verkehrsgefährdung, Lärm- und Müllbelästigung gebe es auch in anderen Städten, „aber anders“, wie Reul sagte. In Köln etwa gebe es durchaus Tote durch Raser, vermutlich wegen einer anderen Verkehrssituation auf beliebten Strecken. „Rasen im Zusammenhang mit Protzen und Zur-Schau-Stellen ist ein neues Phänomen“, sagte Reul: „Das hat auch damit zu tun, dass es heute offensichtlich einfacher ist, ein teures Auto zu kaufen.“

Er sei gekommen, weil sich die Dortmunder Polizei mit ihrer jahrelangen Arbeit in diesem Bereich verdient habe, dass sich der Minister die Lage anguckt und Dankeschön sagt. Allerdings waren deutlich weniger Autos unterwegs als zuletzt – wohl weil sich der erneut große Polizeieinsatz schnell rumgesprochen hat und weil das Schneetreiben wenig zum Autofahren einlud.

„Neben der Unfallgefahr wollen wir auch den Lärm in der Stadt nicht haben“, sagte Oberbürgermeister Thomas Westphal mit Blick auf ein Wohnhaus an der Ruhrallee. In den kommenden Tagen wolle die Stadt Dortmund prüfen, welche baulichen Maßnahmen nötig und möglich sind, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Westphal: Maßnahmen „sortieren wir in aller Ruhe“

Jede Maßnahme habe eine Nebenwirkung, eine hohe Akzeptanz bei Anwohnern und anderen Verkehrsteilnehmer sei nötig: „Das sortieren wir in aller Ruhe zusammen.“ Einzelne Möglichkeiten wie versenkbare Poller oder Tempo 30 auf dem Wall wollte er nicht kommentieren, sondern die aktuellsten Erkenntnisse der Polizei abwarten.

Ihm sei bewusst: „Es sind viele Szenen, die sich hier treffen. Diejenigen, die ihr Auto nur zeigen wollen, haben auch nicht viel davon, wenn andere hier rasen.“ Einen anderen Platz wolle man diesen Menschen nirgends bieten: „Rasen ist überall gefährlich“, so Westphal. Einen Dialog kategorisch abzulehnen, wie kürzlich von der Stadtverwaltung getan, hält er nicht für richtig: „Motive zu verstehen ist immer wichtig bei der Frage: Was können wir eigentlich tun, damit es aufhört?“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel