Der You Point am Phoenix-See wird später fertig und soll ohne Toiletten auskommen

rnTreffpunkt für Jugendliche

Eigentlich hätte der You Point am Phoenix-See Ende 2018 fertig sein müssen. Stattdessen stehen hier noch immer Bauzäune. Toiletten wird man nach dem Ende der Arbeiten wohl vergeblich suchen.

Dortmund

, 23.01.2019, 16:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Geschichten über Bauprojekte mit einem „eigentlich“ beginnen, kann man sich sicher sein, dass irgendetwas anders gelaufen ist, als es sollte. Und auch diese Geschichte fängt mit einem „eigentlich“ an. Eigentlich sollte der You Point im vergangenen November fertiggestellt sein.

Tatsächlich wird der neue Treffpunkt für Jugendliche unter der B236-Brücke am Rande des Phoenix-Sees erst im April fertig. Das teilt Anke Widow, Sprecherin der Stadt, auf Anfrage dieser Redaktion mit: „Wenn das Wetter mitspielt.“

Der Bau hätte eigentlich schon fertig sein müssen

Die Geschichte des You Points reicht bis ins Jahr 2016 zurück. Seitdem wurde viel diskutiert – in den Parteien, in der Verwaltung, bei Informationsveranstaltungen. Ist das ein geeigneter Standort, an dem Jugendliche ihre ganz eigene Fläche haben, so weitab vom Hörder Zentrum und nicht direkt am See gelegen? Wird es Anwohnern zu laut? Müssen sich Passanten Sorgen machen? Und was passiert mit den Fördergeldern?

Der You Point am Phoenix-See wird später fertig und soll ohne Toiletten auskommen

Das ist der Plan für den You Point © Stadt Dortmund

320.000 Euro hat die Stadt Dortmund aus einem Fördertopf des Landes für den Bau erhalten, 278.000 Euro Eigenanteil kamen hinzu. Allerdings – und das ist der Punkt, an dem der Steuerzahler hätte nervös werden können – hätte der Bau bis Ende 2018 abgeschlossen sein müssen, um die Förderung aufrecht zu erhalten.

Eigentlich. Entwarnung kommt aber auf Anfrage von der Stadt: „In Absprache mit dem Fördergeber wurde der Durchführungszeitraum für den Bau des Projektes bis zum 30. April verlängert“, teilt Anke Widow mit. Aufgrund von Lieferengpässen bei den Zulieferern hätten sich Teile der Ausbauarbeiten verzögert, so Widow weiter.

Abgesperrte Parkour-Anlage wird schon genutzt

Wenn der You Point fertig ist, haben die Jugendlichen aus Hörde und Umgebung einen Anlaufpunkt mit Parkour, Tischkicker, Tischtennis, Musik, einer Mountainbike-Strecke und einer Liegewiese. Wobei: Die Parkour-Anlage ist zwar schon fertig, doch Bauzäune sperren das Gelände ab. Eigentlich. Denn Jugendliche sind schon jetzt auf der Parkour-Fläche unterwegs, weiß Klaus Tillmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksvertretung. „Das ist doch das beste Zeichen.“

Tillmann und seine Partei stünden dem ganzen Projekt ohnehin „sehr aufgeschlossen“ gegenüber, unabhängig von Anwohner-Beschwerden. „Auch Jugendliche brauchen ein Angebot am Phoenix-See. Und die Anwohner, die dagegen sind, sind schließlich auch nicht erwachsen geboren“, sagt Tillmann. Zudem sei der Standort des You Point möglichst weit entfernt von der Bebauung rund um den See. Ähnlich sieht es auch Hans-Otto Wolf (Linke): „Das ist ein geeigneter Ort.“

Die nächste Toilette ist mehr als einen Kilometer entfernt

Stellvertretend für seine Fraktionspartnerin Nadja Reigl sagt er: „Wir befürworten das eindeutig.“ Den Jugendlichen sei immer versprochen worden, dass auch sie einen Ort am Phoenix-See erhalten, an dem sie sich ausleben könnten. Dieses Versprechen werde nun umgesetzt. Ein Punkt stört Wolf allerdings. Denn auf dem Gelände des You Point ist keine Toilette geplant. Die nächste Möglichkeit, sich zu erleichtern, ist nach jetzigem Stand gut 1,5 Kilometer entfernt. „Das ist absolut nicht in Ordnung“, so Wolf. „Wenn man solche Angebote macht, dann gehört auch eine Toilette dazu.“

Der You Point am Phoenix-See wird später fertig und soll ohne Toiletten auskommen

Die Parkour-Anlage wird schon jetzt von Jugendlichen genutzt, die die Bauzäune zwar zur Kenntnis nehmen, aber sie ignorieren. © Jörg Bauerfeld (Archiv)

Ob sich an der Situation zeitnah etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Stadtsprecherin Anke Widow sagt: „Am You Point ist keine Toilette geplant.“ Grundsätzlich gebe es innerhalb der Verwaltung aber eine Diskussion darüber, angesichts der Besucherströme am Phoenix-See die Toilettensituation im Allgemeinen zu überdenken. „Beschlossen ist aber noch nichts“, sagt Widow.

Ende 2016 kam das Projekt überraschend

Michael Depenbrock ist Fraktionssprecher der CDU in der Bezirksvertretung. Seine Partei hatte den Bau des You Point zu Beginn kritisch begleitet. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Ankündigung zur Umsetzung im November 2016 vom damaligen Landtagsabgeordneten Guntram Schneider (SPD) ohne Absprache mit der lokalen Politik veröffentlicht wurde.

Schneider kündigte damals den Bau des You Point auf Phoenix-West an: „Damit bieten wir jungen Menschen rund um den Hörder Neumarkt bald einen attraktiven Ort, an dem sie sich treffen und entfalten können“, schrieb er in seiner Mitteilung. Oberbürgermeister Ullrich Sierau schob diesem Standort schnell einen Riegel vor. „Die Skepsis bleibt“, sagt Michael Depenbrock heute. Wegen der Anwohner, wegen der Entfernung zum Zentrum und zum ÖPNV und wegen der sozialen Kontrolle der Jugendlichen. „Aber wenn es funktioniert, ist alles gut“, sagt Depenbrock.

„Wir haben auf das Problem hingewiesen“, sagt die SPD

Die Probleme hinsichtlich der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sieht Werner Sauerländer, Fraktionssprecher der SPD in der Bezirksvertretung, nicht. „Wir haben aber früh darauf hingewiesen, dass die Toilettensituation problematisch ist“, sagt er.

Generell begrüße er das Projekt, das zu Beginn auch parteiintern nicht unumstritten war: „Es ist gut, dass etwas für die Jugendlichen getan wird, auch in dieser finanziellen Größenordnung.“ Bis die Zielgruppe die Fläche auch ganz offiziell erobern darf, dauert es aber noch einige Wochen.

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