Über 19.000 iPads hat die Stadt für Schüler in Dortmund bestellt. Bei der Auslieferung sorgen Lieferengpässe für deutliche Verzögerungen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Homeschooling

Deutliche Lieferverzögerungen bei iPads für Dortmunder Schüler

Ein großer Teil der Dortmunder Schüler nutzt im Homeschooling mangels Computer das Handy. Abhilfe sollen Leih-iPads der Stadt verschaffen. Doch bisher sind viel weniger Schüler versorgt als geplant.

Das Problem ist seit langem bekannt: Seit im Frühjahr die Schulen Corona-bedingt zum ersten Mal geschlossen wurden, ist klar, dass viele Schüler im Homeschooling keine eigenen Tablets oder Laptops zur Verfügung haben. Im April wurde reagiert und eine Soforthilfe für die Anschaffung neuer Geräte an allen Schulen auf den Weg gebracht.

Knapp zehn Monate nach der ersten Schließung der Schulen und während die Schüler erneut seit Wochen zuhause unterrichtet werden, sind jedoch viel weniger Tablets an die Schüler in Dortmund verteilt worden, als es im Zeitplan eigentlich vorgesehen war.

„Deutliche Lieferverzögerungen“ von Anfang an

Mitte November sollten die ersten 2.000 iPads in Dortmund eintreffen, danach sollten es pro Woche 1.500 weitere sein. Insgesamt wurden 19.600 iPads bestellt, die bis Anfang April geliefert sein sollen.

Zur Einordnung: In Dortmund gibt es etwa 17.000 Schüler aus Familien, die von Hartz IV leben und für die die private Anschaffung solcher Endgeräte in der Regel nicht möglich ist.

Die Auslieferung habe zwar wie geplant im November begonnen, bestätigt Katrin Pinetzki, Pressesprecherin der Stadt. Jedoch haben die Firmen, bei denen die Stadt Dortmund die Tablets geordert hat, bisher viel weniger Geräte geliefert, als vereinbart.

„Aufgrund der extrem angespannten Marktsituation“ komme es „zu deutlichen Lieferverzögerungen“, so Pinetzki. „Die Vertragspartner benennen dafür Produktions- und Logistikengpässe.“

In Zahlen heißt das: Bis Ende Januar wurden erst 6000 iPads geliefert. Geht man vom ursprünglichen Zeitplan aus, müssten es schon über 15.000 sein. Da vertraglich Anfang April festgelegt wurde, gibt es zeitlich zwar noch Spielraum. Doch dass sich der Zeitplan halten lässt, ist sehr unwahrscheinlich.

Elternvertreterin: Lieferengpässe nicht überraschend

„Die Lieferung aller Geräte bis Anfang April ist vertraglich so vereinbart. Insofern ist dies der Zeitplan, von dem wir weiterhin ausgehen müssen, den man aber vielleicht angesichts der bisherigen Erfahrungen ,optimistisch‘ nennen kann. Wir haben natürlich keinen Einfluss auf die globalen Märkte“, so Sprecherin Katrin Pinetzki.

Anke Staar, Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern und der Landeselternkonferenz NRW, überraschen die Lieferengpässe und die verzögerte Auslieferung überhaupt nicht: „Es war klar, dass es dazu kommt, wenn alle Kommunen gleichzeitig bestellen.“

Ohne Tablets im Homeschooling aufgeschmissen

Trotzdem habe man „gedacht und gehofft, dass es schneller geht.“ Schließlich sei die Not in den Familien teils sehr groß. „Ich hatte erst kürzlich eine Familie am Telefon: Fünf Kinder, davon drei an der weiterführenden Schule.“ Ohne die Tablets war man dort der Verzweiflung nahe.

In diesem Fall habe sie glücklicherweise schnell vermitteln können: „Da hat die Verwaltung schnell reagiert“, und die Familie habe iPads aus der Härtefallreserve erhalten.

Denn zusätzlich zu den Geräten, die für Kinder von Familien mit Harzt4-Bezug gedacht sind, gibt es in der Planung der Stadt eine Reserve von 1380 iPads, die beispielsweise an Familien mit vielen Kindern oder Alleinerziehende ausgegeben werden können. Diese Möglichkeit werde jedoch „schlecht kommuniziert“, kritisiert Staar.

Viele grundsätzliche Probleme im Homeschooling löse das zudem auch nicht, so Staar: „Es gibt Familien, da leben sieben Personen auf 80 Quadratmetern, kein Wlan, kein Drucker – da ist es mit einem iPad nicht getan.“

Fragen rund um das Thema Schule beantworten wir in unserem kostenlosen Live-Talk am Dienstag, 2. Februar, um 18.30 Uhr unter www.ruhrnachrichten.de. Zu den Experten gehört unter anderem Mathias Richter, Staatssekretär im Schulministerium. Fragen können Sie schon jetzt mailen an: reden@ruhrnachrichten.de.

Über die Autorin
Redakteurin
1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will