Deutsche Umwelthilfe fordert für Dortmund Böllerverbot an Silvester

rnWegen Feinstaubbelastung

Die Deutsche Umwelthilfe legt nach: Nach der Klage zur Durchsetzung eines Dieselfahrverbots in Dortmund will sie für die Stadt auch das private Böllern an Silvester verbieten lassen.

Dortmund

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

In Dortmund gibt es bereits seit drei Jahren zu Silvester ein Böllerverbot in zwei Innenstadt-Zonen und rund um die Kirchen. Allerdings nicht aus Gründen der Luftbelastung, sondern weil Gebäude in Brand geraten könnten.

Das reicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht. Dortmund ist aufgrund seiner hohen Feinstaubbelastung in der Innenstadt unter den 31 Städten, für die die DUH Böllerverbote oder Einschränkungen fordert. Der formelle Antrag der DUH war allerdings bis Dienstagmittag (30.7.) bei der Stadt Dortmund noch nicht eingegangen, teilte Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage mit: „Wenn ein Brief ankommt, muss erst einmal geprüft werden, was genau auf welcher Grundlage gefordert wird.“

Aus Gründen der gesundheitlichen Belastung

Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein privates Böllerverbot aus Gründen der gesundheitlichen Belastung durch Feinstaub. „Dort wo viele Menschen leben und die Grundbelastung so hoch ist, dass lungengeschädigte Menschen durch archaische Böllerei mit Schwarzpulver akute Atemprobleme bekommen, muss es ab diesem Winter klare Verbote geben“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Die DUH befürwortet aber ein professionell und zentral organisiertes Silvester-Feuerwerk außerhalb der Innenstadt; denn professionelle Pyrotechnik stoße weniger Schadstoffe aus als China-Böller aus dem Supermarkt.

Zustimmung vom BUND

Bei Thomas Quittek, Dortmunder Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), rennt die Umwelthilfe mit ihrem Vorstoß offene Türen ein. Die Böllerei sei dem BUND schon seit vielen Jahren aus Gründen der Lärm- und Luftbelastung ein Dorn im Auge – nicht nur zu Silvester. „Auch in Dortmund hat sich die Unsitte breitgemacht, dass bei Straßen- und Ortsteilfesten sowie privaten Feiern zunehmend geböllert wird“, kritisiert Quitttek.

Auch wenn die Feinstaubbelastung an Dortmunds Straßen aufgrund der Maßnahmen zur Verkehrsbeschränkung tendenziell zurückgehe, komme es gerade in dicht bebauten Innenstadt-Straßen zu hohen Belastungen mit Feinstäuben. Es gehe dabei weniger um die Umwelt, sondern um die Gesundheit der Menschen. Er sei kein Anhänger der juristischen Keule, sagt Quittek, doch die Verwaltung solle den Antrag der Deutschen Umwelthilfe prüfen.

Danni Seck: Faktenlage der DUH ist zweifelhaft

Er habe Zweifel, so Quittek, ob man die Böllerei juristisch haltbar über das ganze Stadtgebiet verbieten könne. Doch möglicherweise könne die Stadt analog zur grünen Umweltplakette nach Prüfung des Brandschutzes und der Schadstoffbelastung in bestimmten Siedlungen und Straßenzügen Verbote aussprechen. Es sei auch schon etwas erreicht, wenn durch den DUH-Antrag – wie schon beim Osterfeuer – Bürger dafür sensibilisiert würden, sich beim Böllern zu beschränken.

Das mit dem Böllerverbot sieht der Profi-Feuerwerker Danni Seck aus Huckarde naturgemäß anders. Wie der VPI-Verband der pyrotechnischen Industrie widerspricht er den DUH-Zahlen zur Feinstaubbelastung. Die von der DUH angegebene Faktenlage sei zweifelhaft, die Zahlen seien unrealistische Schätzwerte: „Das ist gefährliches Halbwissen.“ Der Feinstaub aus Feuerwerkskörpern sei aufgrund seiner Eigenschaften wesentlich unbedenklicher als der aus Verbrennungsmotoren.

In der Stadt Essen, für die die DUH ebenfalls Böllerverbote fordert, hat man sich dazu schon öffentlich geäußert. Laut WAZ sieht der dortige Ordnungsdezernent Christian Kromberg für ein solches Verbot keine Veranlassung.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt