Finanzrisiko beim Fußballmuseum: Stadt legt schon mal Geld zur Seite

rnDeutsches Fußballmuseum

Rutscht das Deutsche Fußballmuseum 2019 in die roten Zahlen? Dortmund bereitet sich auf den Fall der Fälle vor – und stellt einen sechsstelligen Betrag in den Haushalt ein. Und nicht nur das.

Dortmund

, 28.05.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Oktober 2015 eröffnet, warnten Kritiker schon damals, das 36 Millionen Euro teure Fußballmuseum werde Verluste einfahren. Verluste, die dann von der Stadt mitgetragen werden müssten. Bisher ist das nicht eingetreten. Abgesehen vom Rumpf-Geschäftsjahr 2015, hat das Museum bislang schwarze Zahlen abgeliefert.

2016 waren es 1,58 Millionen Euro Plus, 2017 immer noch 1,19 Millionen Euro. Und auch fürs vergangene Jahr rechnen die Akteure mit einem positiven Ausgang. „Das Deutsche Fußballmuseum hat 2018 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau erzielt“, wie Museumsdirektor Manuel Neukirchner auf Anfrage erneut mitteilt. Es könnte, wenn es schlecht läuft, das vorest letzte Jahr sein, in dem das Museum schwarze Zahlen produziert.

Risiko im Wirtschaftsplan

Die Stadt jedenfalls hat sich für den Eventualfall gewappnet. Erstmals seit Eröffnung des Museums hat Kämmerer Jörg Stüdemann einen Verlustausgleich in Höhe von 250.000 Euro für 2019 und den gleichen Betrag auch für die Folgejahre im Stadthaushalt bereitgelegt. Das geht aus einer Anfrage der Grünen im Finanzausschuss hervor. „Aufgrund des zeitlichen Vorlaufs der Haushaltsplanaufstellung und der gebotenen kaufmännischen Vorsicht“, so der Kämmerer, „ist dieser Ausgleich für etwaige Verluste veranschlagt worden.“

Auf Anfrage der Redaktion sagte Stüdemann, der Wirtschaftsplan des Fußballmuseums weise für 2019 „ein Risiko“ aus. „Das müssen wir ernst nehmen." Das Gesamtrisiko für die Stadt und den Deutschen Fußballbund (DFB) bezifferte der Kämmerer auf "insgesamt 500.000 Euro".

Das rein operative Geschäft, das die laufenden wirtschaftlichen Aktivitäten abbilde, sei „unproblematisch“. Es dreht sich um bilanzielle Dinge. Andere formulieren lockerer: Es gehe um Buchhalter-Tricks – die allerdings völlig legal seien. Der Kämmerer erklärt, es gehe unter anderem um die technische Ausstattung des Museums. Sie war rund 9,6 Millionen Euro teuer. Finanziert von Großsponsoren, die der Deutsche Fußballbund (DFB) seinerzeit für das Museum eingeworben hatte. Nach nunmehr vier Jahren seien die „Abschreibungsmöglichkeiten für die technischen Investitionen erloschen“, sagt Stüdemann. Das sei ein Problem. „Zudem werden wir auch über eine Refinanzierung reden müssen.“

"Es mus gegengesteuert werden"

Kritiker liefern eine völlig andere Erklärung für das drohende Defizit. Ihre Interpretation, vereinfacht ausgedrückt: Ursprünglich hätten die Sponsorengelder über mehrere Jahre verteilt ans Museum fließen sollen. Später hätten beide Seiten vereinbart, die gesamte Summe auf einen Schlag zu überweisen und das Geld in die technische Ausstattung des Hauses zu investieren. Was auch geschah. In der Bilanz – und damit auf dem Papier – seien die 9,6 Millionen Euro anfangs wie eine Art Puffer gewesen. Dieser Puffer sei dann aber Jahr für Jahr in einer bestimmten Größenordnung in der Bilanz abgebaut worden. Das habe in den jeweiligen Ergebnissen am Jahresende „eine positive Wirkung entfaltet". Jetzt sei der Puffer aufgebraucht. Was sich 2019 erstmals bemerkbar machen werde.

Risiko eines Minus’ sei da

Der Kämmerer hält die Darstellung für falsch. Ob das Museum tatsächlich ins Minus rutsche, stehe aktuell nicht fest. „Aber das Risiko ist da, und deshalb muss gegengesteuert werden", betont Stüdemann. Über mögliche Gegenmaßnahmen werde zu reden sein. Die Verträge sehen vor, dass Verluste bis zu 500.000 Euro zur Hälfte von der Stadt und dem DFB getragen werden. Für alles, was darüber hinausgeht, muss die Stadt allein geradestehen.

Und was sagen die Akteure im Museum? „Zu Planzahlen bzw. Prognosen für ein laufendes Geschäftsjahr äußern wir uns grundsätzlich nicht“, heißt es. Vielleicht aber am 19. September: Dann wollen die Verantwortlichen den Politikern im Finanzausschuss des Rates über die wirtschaftliche Entwicklung berichten.

Lesen Sie jetzt