DEW21 kann bei Steag aussteigen

Aufsichtsrat entscheidet

Der Aufsichtsrat von DEW21 hat grünes Licht für den Ausstieg bei Steag gegeben. Die Steag-Anteile von DEW (18 Prozent) werden an die Mutter, die Dortmunder Stadtwerke weitergegeben.

DORTMUND

, 21.11.2016, 10:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
DEW21 kann bei Steag aussteigen

Das Steag-Logo an der Hausfassade der Konzernzentrale in Essen.

Die Belegschaft der Dortmunder Energie und Wasser (DEW21) nahm die Nachricht von Arbeitsdirektor Manfred Kossack auf ihrer Versammlung am Freitag gelassen auf: Für den heimischen Energieversorger ist die umstrittene Beteiligung am Essener Kraftwerksbetreiber Steag mit Beginn nächsten Jahres wohl aus den Büchern.

Wie erwartet hat der DEW-Aufsichtsrat jetzt beschlossen, die Steag-Anteile von DEW (18 Prozent) an die Mutter, die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) weiterzureichen – zum aktuellen Buchwert von 67,6 Millionen Euro. Damit endet das Abenteuer für DEW nach sechs Jahren bilanztechnisch als Nullsummenspiel – sofern der Aufsichtsrat von DSW21 am 3. Dezember mitzieht. Wenn nicht, wäre das eine Überraschung.

Das ist der Hintergrund: 

Vor sechs Jahren hatten DSW und DEW gemeinsam mit fünf weiteren Ruhrgebiets-Kommunen 51 Prozent des fünftgrößten deutschen Energiekonzerns und 2014 die restlichen Anteile übernommen und den Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro auf Pump finanziert. Warnungen gab es damals reichlich vor den Risiken, die jetzt aufgrund der Energiewende eingetreten sind: Börsenstrompreise sind verfallen, Kraftwerke werden geschlossen, bis zu 1000 Steag-Mitarbeitern droht der Jobverlust.

Zumindest bis 2020 dürften die millionenschweren Steag-Ausschüttungen an die beteiligten Stadtwerke weitgehend ausbleiben, die damit bislang vor allem Zinsen und Tilgung bedienten. Trotzdem wollte Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke zu den 18 Prozent von DSW noch die 18 Prozent von DEW ins DSW-Portfolio packen.

Konzentration auf das Kerngeschäft

DEW könne sich dadurch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und würde bei einer Wertberichtigung bei Steag nicht zusätzlich belastet, erläuterte DSW-Sprecher Bernd Winkelmann auf Anfrage. Mit 36 Prozent wäre DSW der größte Einzeleigner innerhalb des Stadtwerke-Konsortiums.

DEW-Chef Frank Brinkmann gibt die Anteile gern ab. Er war nie ein Freund dieses Deals, will die jüngste DEW-Aufsichtsrats-Entscheidung aber nicht kommentieren. "Gern kommen wir dem Wunsch nach und geben unsere Anteile zu Buchwerten an die DSW ab", ließ er sich bereits im vergangenen Juli zitieren.

Aus Sorge vor einer Wertberichtigung bei Steag zum Übertragungszeitpunkt am 1.1.2017, mit der auch der Buchwert niedriger ausfallen würde, drängten DEW-Gesellschafter RWE (39,9 Prozent) und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erfolgreich darauf, den Buchwert von 67,6 Millionen Euro ausdrücklich im Beschluss festzuschreiben.

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