DEW21 soll höheren Betrag für das DFB-Museum rausrücken

rnFußballmuseum braucht wieder Sponsorengelder

Rutscht das Deutsche Fußballmuseum mittelfristig in die roten Zahlen? Die Stadt Dortmund sagt, das sei nicht erkennbar. Gleichzeitig bittet sie aber ihre Sponsoren, eine Schippe draufzulegen und steigt mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) in Verhandlungen ein.

DORTMUND

, 04.04.2018 / Lesedauer: 4 min

Lange vor Eröffnung des Fußballmuseums am Königswall im Oktober 2015 stand fest: Ohne Geldgeber von außen, die bereit sind, ihre Schatulle zu öffnen, wird’s schwer, am Jahresende mit schwarzen Zahlen dazustehen.

Weil die Stadt und der Deutsche Fußballbund (DFB) beide als 50-Prozent-Gesellschafter am Museum beteiligt sind, trafen sie eine Vereinbarung: Die Stadt verpflichtete sich, jährlich 250.000 Euro Sponsorengelder von Unternehmen aus der Region locker zu machen, um sie in den Betrieb des Museums zu pumpen.

Stadt muss mit „Spendendose“ durch die Unternehmen

Bei Gelsenwasser, Wilo und DEW fand die Stadt Gehör: Die drei Unternehmen erklärten sich bereit, ihre Konten zu bewegen und über einen Zeitraum von drei Jahren gemeinsam 750.000 Euro beizusteuern; 250.000 Euro pro Jahr. Die Verträge laufen im September 2018 aus. Das bedeutet: Die Stadt muss erneut mit der „Spendendose“ durch die Unternehmen.

Nach Informationen unserer Redaktion ist der kommunale Energieversorger Dortmunder Energie und Wasser (DEW) bereits aufgefordert worden, seine jährlich 100.000 Euro aufzustocken. Offen ist noch, ob um 50.000 Euro oder um 25.000 Euro. Sprecherin Martina Sprotte wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern, bestätigte aber „laufende Verhandlungen“.

Gefragt, ob DEW unter den neuen Vorzeichen seine Sponsoring-Aktivitäten insgesamt erhöhe oder an anderer Stelle kürze, sagt Sprotte: „Wir überprüfen unserer Sponsoring-Aktivitäten jedes Jahr.“ Soll heißen: Andere Einrichtungen müssen möglicherweise kürzer treten. Das Konzerthaus in der Brückstraße beispielsweise, einst mit mehreren zehntausend Euro pro Jahr gefördert, guckt bereits in die Röhre.

„Bislang keine Anzeichen“, dass das Fußballmuseum in die roten Zahlen rutsche 

Auch bei Gelsenwasser hat die Stadt wieder angeklopft, wie eine Unternehmenssprecherin bestätigt: „Ja, wir führen Gespräche über eine Fortsetzung des Vertrages.“ Dabei gehe es um „einen Betrag von deutlich unter 100.000 Euro“.

Wieviel Geld die Stadt diesmal sammeln muss, ließ Kämmerer Jörg Stüdemann offen. Gefragt, ob die Summe künftig geringer als 250.000 Euro pro Jahr ausfallen könne, sagte Stüdemann: „Das eher nicht.“ Dennoch gebe es „bislang keine Anzeichen“, dass das Fußballmuseum mit seinen gut 200.000 Besuchern in 2017 in die roten Zahlen rutsche.

2016 wies das Haus ein Plus von knapp 1,6 Millionen Euro aus. Das werde nicht lange so bleiben, sagen Insider voraus. Das Museum lebe bereits jetzt von „Reserven“, die ins Jahresergebnis eingespeist würden. Es sei absehbar, dass diese „Reserven“ Ende 2018 aufgebraucht seien – was Stüdemann allerdings dementiert. 

DFB-Museum lässt sich eher ungern in die Karten gucken

Tatsächlich hält sich die Geschäftsführung trotz aller Anfragen zum Ergebnis 2017 nach wie vor bedeckt. Die Zahlen würden Mitte 2018 im Beteiligungsbericht der Stadt und im Bundesanzeiger bekannt gegeben, heißt es vonseiten des Museums. Andere Betriebe hingegen haben ihre Kennzahlen für 2017 längst offengelegt bzw. bereiten die Offenlegung vor.

Generell lässt man sich im DFB-Museum eher ungern in die Karten gucken: Man teile ab sofort nur noch die Gesamtbesucherzahl des Hauses mit, hieß es Mitte 2017. Die ist gut für die Statistik. Entscheidend für die Finanzkraft des Museums aber ist die Zahl der Besucher, die tatsächlich Eintritt zahlen. Genau die legt das Museum nicht offen.

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Vergebens hat die Stadt gegenüber dem DFB versucht, ihr Risiko beim Betrieb des Hauses zu mindern. Nach wie vor steht sie in der Pflicht, mögliche Jahresverluste auszugleichen. Bis zu einem Defizit von 500.000 Euro haften die Stadt und der DFB gemeinsam. Für Verluste, die darüber hinausgehen, muss die Stadt allein geradestehen. Der Bund der Steuerzahler hat diese Risikoklausel mehrfach kritisiert. Er spricht von „einer Kostenfalle“, die spätestens dann zuschnappe, wenn die Besucher ausblieben.

Teile des Konsortialvertrages sollen neu justiert werden

Auch wenn rote Zahlen für Kämmerer Stüdemann derzeit kein Thema sind, wie er sagt: Einige Punkte aus dem Gesellschaftervertrag sollen in den kommenden Wochen und Monaten sehr wohl auf den Prüfstand. Man habe mit dem DFB verabredet, „Teile des Konsortialvertrages neu zu justieren“, sagt Stüdemann.

Gemeint sind vor allem die weiteren Leistungen, zu denen sich die Stadt im Vertrag verpflichtet hat. Neben möglichen Verlustausgleichen und der Akquise von Sponsoren muss sie dem Museum bei Buchhaltung, Marketing und Programmgestaltung so unter die Arme greifen, dass die Sach- und Personalkosten um „mindestens 130.000 Euro jährlich“ gesenkt werden.

Damit nicht genug: Sie muss das Museum auch bei Restaurierungsarbeiten entlasten und beispielsweise Lagerflächen für hochwertige Exponate und Ausstellungsgüter bereitstellen. Das Museum selber soll dafür „weder räumliche Vorkehrungen treffen noch eigenes Personal vorhalten müssen“, heißt es im Vertrag.

Ergebnisse würden dem Rat nach der Sommerpause vorgelegt

Stüdemann spricht von „geldwerten Leistungen“. Es gehe darum, einzelne Stellschrauben zu drehen und das Betriebskonzept zu aktualisieren. Ob damit auch der kommunale Einsatz verringert und das finanzielle Risiko anders verteilt werde, ließ Stüdemann offen.

Er werde dazu keine Aussage machen, sagte der Kämmerer. Sollte es zu wesentlichen Änderungen im Gesellschaftervertrag mit dem DFB kommen, würden die Ergebnisse dem Rat nach der Sommerpause vorgelegt.

Das DFB-Museum ist im Oktober 2015 eröffnet worden. Dazu haben die Stadt und der DFB die „Stiftung Deutsche Fußballmuseum gGmbH“ gegründet. An ihr sind Stadt und DFB je zur Hälfte beteiligt. Die Gesellschaft beschäftigt gut 20 Mitarbeiter. Die Investitionskosten lagen bei 36 Millionen Euro, getragen vom Land NRW (18,5 Millionen Euro), dem DFB (7,9 Millionen Euro) sowie gut 10 Millionen Euro zweier Groß-Sponsoren.
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