DGB kritisiert Polizei und Justiz - Beratungsstelle geht das Geld aus

Rechte Gewalt

Eine Woche vor dem Prozessauftakt gegen die zwei mutmaßlichen Rädelsführer eines Angriffs von 400 Neonazis auf Teilnehmer einer Maikundgebung im Jahr 2009 kritisierte die DGB-Vorsitzende Jutta Reiter am Freitag Polizei und Justiz. Die Dortmunder Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt hat derweil große Geldsorgen.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 20.04.2012, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Claudia Luzar von der NRW-Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt kritisiert die schlechten Perspektiven: »Es gibt viele Opfer und zu wenig Berater.«

Claudia Luzar von der NRW-Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt kritisiert die schlechten Perspektiven: »Es gibt viele Opfer und zu wenig Berater.«

Jutta Reiter erneuerte ihre Kritik am Amtsgericht, weil der Prozess gegen die Anführer erst zwei Jahre nach der Anklage eröffnet wird. „Ich meine nicht den Richter persönlich“, stelle sie klar, „aber es muss ein Anliegens des Staates sein, so ein Verfahren schneller durchzuziehen.“ Die Leiterin der Opfer-Beratungsstelle, Claudia Luzar, berichtete gestern, sechs Monate nach dem Beginn der Arbeit, über die schwierigen Umstände der täglichen Praxis mit stark traumatisierten Opfern und Angehörigen. „Es gibt viele Opfer, aber zu wenig Berater“, so Luzar. Aktuell betreuen die sechs die Beraterinnen 42 Männer und Frauen, die bedroht und verletzt worden sind. Laut Arbeitsvertrag sind die Beraterinnen halbtags beschäftigt. Tatsächlich arbeiten sie ganztags. Sie sind nicht nur in Dortmund, sondern in Westfalen und bis ins Rheinland unterwegs. Einen PKW gibt es für sie nicht.

Im September ist das mit 150.000 Euro vom Land und 50.000 Euro von der Stadt aufgefüllte „back up“-Konto leer. „Wir brauchen pro Jahr 400 000 Euro, um arbeiten können. Wer gefordert hat, dass wir an der Seite der Opfer stehen soll, muss uns helfen“, forderte Claudia Luzar. Die Landtagsabgeordneten Nadja Lüders (SPD) und Daniela Schneckenburger (Grüne) wollen in Düsseldorf erreichen, dass „back up“ durch langfristige Geldzusagen stetig arbeiten kann. 

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