DHL-Paket verloren? Ebay-Käufer und -Verkäufer vermissen ein Smartphone

rnDeutsche Post

Jürgen Diedmann hat sein altes Smartphone bei Ebay versteigert. Der Käufer plante es als Geschenk für seine Tochter. Das Paket ist längst versandt – doch nun fehlt davon jede Spur.

Westrich

, 03.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollte ein Geburtstagsgeschenk für seine Tochter werden. Mit dieser Intention ersteigerte ein Mann aus Berlin am 17. Mai (Sonntag) über das Verkaufsportal Ebay das alte Smartphone von Jürgen Diedmann. Der Westricher brachte das Gerät noch am selben Tag zum nächstgelegenen DHL-Shop an der Hangeneystraße.

„Der Mann hat 100 Euro für das Handy inklusive Porto bezahlt“, sagt Jürgen Diedmann. „Das Geld war Dank Paypal sofort auf meinem Konto, deshalb wollte ich es ihm auch schnellstmöglich zusenden.“ Zudem musste das Paket pünktlich zum Geburtstag ankommen, spätestens am 23. Mai.

„Der Käufer hat mir mitgeteilt, dass er vom Kauf zurücktritt, sollte das Handy nicht rechtzeitig da sein.“ Grund genug für Jürgen Diedmann, sich zu beeilen und auch noch einmal beim Paketshop nach dem Versand zu fragen. Dort habe man ihm gesagt, dass das Paket den Shop am 19. Mai verlassen habe.

DHL-Hotline kann nicht weiterhelfen

„Laut Sendungsverfolgung liegt es seitdem im Verteilerzentrum in Bochum“, erzählt Jürgen Diedmann gut eine Woche später. Beim Ebay-Käufer angekommen war das Smartphone bis dato nicht. Mehrfach habe er versucht, über die Hotline herauszufinden, wo sich das Paket befindet, so Diedmann.

Schließlich sei es zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät für das geplante Geburtstagsgeschenk gewesen. Zudem habe der Käufer den Paypal-Käuferschutz beantragt und sein Geld zurückverlangt. Auf das wartet der Käufer aber noch, weil Diedmann noch auf die DHL wartet.

Jürgen Diedmann wollte sein altes Smartphone über Ebay verkaufen.

Jürgen Diedmann wollte sein altes Smartphone über Ebay verkaufen. © Privat

Diedmann steckt in der Zwickmühle. „Ich hatte mich ja rechtzeitig gekümmert“, sagt er. „Aber bei der DHL-Hotline konnte mir niemand wirklich weiterhelfen.“ Letztendlich habe man ihm jedoch empfohlen, einen Nachforschungsantrag zu stellen.

Bis zum 12. Juni soll es zu diesem eine Rückmeldung geben, so das Versprechen der DHL. Indes rätselte Jürgen Diedmann, welchem Umstand sein Paket zum Opfer gefallen sein könnte. „Vielleicht liegt es an der Corona-Krise, da habe ich schon von einigen Verzögerungen gehört.“

Ostern war wie Weihnachten

Die Deutsche Post DHL Group teilt auf Anfrage mit, dass sie seit Beginn der Corona-Krise 30 bis 40 Prozent mehr Sendungen abfertigt als vorher. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen wurden beispielsweise zu Ostern deutschlandweit gut neun Millionen Pakete versandt – fast doppelt so viele wie in den Vorjahren.

„Das war fast wie Weihnachten, nur dass wir uns von der Personalstärke her nicht darauf vorbereiten konnten“, sagt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group. Mit deutlich mehr Sendungen insgesamt könne es auch im Alltagsgeschäft zu Verzögerungen kommen.

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„Aber wir haben nicht mehr Reklamationen als sonst“, sagt Rainer Ernzer. Der Fall von Rainer Diedmann sei allerdings ein spezieller, so der Pressesprecher. „Wir wissen aktuell nicht, wo das Paket ist – es taucht in unserem System nicht mehr auf. So etwas ist sehr selten.“

Dennoch könne das passieren, wenn ein Paket beispielsweise falsch frankiert gewesen sei. Jedoch gehe es dann im Normalfall an den Absender zurück.

Paket ist versichert

„Die Sendung von Herrn Diedmann ist für unser System schlicht nicht mehr nachvollziehbar“, sagt Rainer Ernzer. „Den Grund dafür könnte, wenn überhaupt, der Nachforschungsantrag zu Tage bringen.“ Teils passiere es auch, dass Pakete doch noch beim Absender oder Empfänger ankommen, obwohl das System sie nicht mehr anzeige.

Bis Redaktionsschluss dieses Textes (3.6.) tauchte das Paket jedoch weder bei Jürgen Diedmann noch beim Ebay-Käufer auf. Sollte das auch nach der Nachforschung so bleiben, kommt die DHL für den Schaden auf, da das Paket bis 500 Euro versichert ist.

„Ich habe schon langsam befürchtet, dass das Handy verschollen ist“, sagt Jürgen Diedmann. „Die Hauptsache ist jetzt, dass ich das Geld zurückbekomme, damit ich es an den Käufer weitergeben kann.“

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