Laut einer Studie ist die AfD bundesweit die stärkste Partei auf Facebook. So ist es auch in Dortmund. Und das hat gravierende Konsequenzen für den Online-Diskurs.

Dortmund

, 08.05.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die AfD liegt auf Platz eins in Dortmund. Nicht in den Wahlergebnissen der letzten Ratswahl. Und auch nicht in den Prognosen zur anstehenden Europawahl. Allerdings auf Facebook: Dort hat die Dortmunder AfD die meisten Follower der Parteien, die im Rat vertreten sind – und zwar 2427 (Stand 6.5.).

Verglichen haben wir die Fraktions-Accounts, beziehungsweise die zentralen Seiten der Parteien in Dortmund. Die Stadtteilseiten der Parteien und die Profile einzelner Parteipolitiker auf Facebook haben wir bei unserer Auswertung auf Facebook aus methodischen Gründen nicht berücksichtigt. Grund dafür ist, dass möglicherweise einzelne User mehrere Profile und Seiten gelikt haben könnten.

Gemessen am Wahlergebnis der letzten Ratswahl, müsste die AfD auf Platz fünf der Facebook-Rangfolge liegen, weil sie mit 3,4 Prozent nur die fünftstärkste Partei im Rat der Stadt ist. Die SPD müsste demnach eigentlich am stärksten sein. Sie schafft es jedoch nur auf Platz zwei der Facebook-Rangfolge mit knapp 200 Abonnenten weniger als die AfD.

NPD ist auf Facebook drittstärkste Partei

Überraschend ist auch, dass die NPD mit 2225 Abonnenten nur vier weniger als die SPD hat und auf Platz 3 der Rangfolge landet. Das ist unverhältnismäßig viel, weil die rechtsextreme Partei mit 0,9 Prozent fast die schwächste Partei im Rat der Dortmund ist.

Nur die Freie Bürger Initiative hat bei der jüngsten Wahl mit 0,7 Prozent noch schlechter abgeschnitten. Sie ist auch das Schlusslicht auf Facebook mit 48 Abonnenten. Obwohl sich die Piraten als Netzpartei begreifen, haben sie erstaunlicherweise gar keine eigene Facebookseite in Dortmund, ebenso wie die Partei Die Rechte.

Die AfD hat die meisten geteilten Beiträge auf Facebook

Die AfD hat nicht nur die meisten Abonnenten auf Facebook. Auf ihr Konto gingen zwischen dem 29.4. und dem 5.5. auch 37 geteilte Beiträge. Damit ist die AfD in Dortmund Spitzenreiter. Sie erhöht dadurch ihre Reichweite um ein Vielfaches, denn die durchschnittliche Anzahl an Facebook-Freunden liegt bei 338. Durch jeden geteilten Beitrag erweitert sich der Radius der Partei also im Schnitt um 338 Personen.

Auf Platz zwei der geteilten Beiträge liegt auch hier mit 30 die SPD, gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen mit 21 geteilten Beiträgen. Auf Platz vier rangiert die Dortmunder CDU weit abgeschlagen mit sieben geteilten Beiträgen, die FDP mit vier und Die Linke mit nur einem.

Warum ist die AfD auf Facebook so stark?

Bundesweit ist die AfD, gemessen an den geteilten Beiträgen sogar noch stärker. Etwa 85 Prozent aller auf Facebook weiterverbreiteten Beiträge von deutschen Parteien stammen von der AfD. Das hat eine Untersuchung des amerikanischen Medienwissenschaftlers Trevor Davis von der George-Washington-Universität ergeben, die das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ausgewertet hat.

Prof. Christoph Bieber vom Center for Advanced Internet Studies in Bochum erklärt die Stärke AfD auf Facebook wie folgt: „Anstelle der klassischen Strukturen mit Ortsvereinen, Kreis- und Bezirksbüros zur Binnenkommunikation der Partei sind hier die Mittel des digitalen Organisierens von Mitgliedern getreten. Daraus resultieren kürzere Kommunikationswege, die rasch auch in die sozialen Netzwerke führen und dort für eine hohe Verbreitung und Reichweiten sorgen.

Julia Ebner vom Londoner Institute for Strategic Dialogue warnt vor der Dominanz der AfD auf Facebook. „In Kombination mit der besonders starken Verwendung von Bildern, die Wut erzeugen und Schmutzkampagnen gegen politische Gegner, gelingt es der Partei, beinahe ein Monopol auf Onlinestimmungsmache aufzubauen. Mit solchen Negativkampagnen könnte besonders das Verhalten unentschlossener Wähler beeinflusst werden.“

Worum geht es in den Facebook-Beiträgen?

Die veröffentlichten Inhalte der Dortmunder Parteien hatten in der Woche zwischen dem 29.4. und dem 5.5. vor allem Bezüge zur EU. Das ist angesichts der anstehenden Europawahl am 26.5. wenig überraschend. Am deutlichsten ist dieses Muster bei der SPD zu erkennen. Fünf von fünf Beiträgen behandeln Europa-Themen. Bei Bündnis 90/Die Grünen sind es fünf von sieben Beiträge, bei der AfD zwei von sieben und bei der FDP drei von fünf. Die CDU fokussiert in zwei von drei Beiträgen die Innere Sicherheit und Die Linke geht nicht auf die EU ein.

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